Berlin - Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Chemiefirma Degussa, Utz-Hellmuth Felcht, wird neuer Aufsichtsrats-Chef der Deutschen Bahn AG. Das erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Sonntagmorgen kurz vor Antritt einer Israel-Reise. Am kommenden Mittwoch soll das Bundeskabinett die Entscheidung absegnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ramsauer hatten sich zuvor auf Felcht als Nachfolger des scheidenden Chefkontrolleurs Werner Müller verständigt. Einer Meldung der "Rheinischen Post" zufolge hatte Ramsauer zuvor ein persönliches Gespräch mit dem 63-jährigen Felcht geführt, der zurzeit Managing Director bei dem Finanzinvestor One Equity Partners ist.
Der Chemieprofessor Felcht begann als Chemiker bei der Hoechst AG, wo er 1992 Vorstand wurde. Von dort wechselte er zur SKW Trostberg, einem Chemieunternehmen mit Sitz im oberbayerischen Trostberg, das inzwischen Teil der Evonik Degussa ist. Ramsauer und Felcht seien seit Jahren eng befreundet, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung aus Koalitionskreise. Amtsinhaber Werner Müller, der unter Kanzler Gerhard Schröder Wirtschaftsminister war, scheidet Ende des Monats aus.
Trotz Krise mehr Überschuss als erwartet
Felcht übernimmt die Aufsicht über einen Konzern, dessen Ergebnis 2009 trotz Wirtschaftskrise überraschend positiv ausgefallen ist. Es beträgt etwa 1,8 Milliarden Euro, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" meldete. Zum Jahreswechsel war die Unternehmensspitze nach Informationen der Nachrichtenagentur DAPD noch von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen, ursprünglich eingeplant war nur etwa eine Milliarde.
Im ersten Halbjahr 2009 hatte die DB AG 679 Millionen Euro Gewinn gemacht, bei einem Umsatzrückgang von 14 Prozent. Im ganzen Jahr 2008 waren es 2,5 Milliarden. Die DB-Führung sieht in den überraschend guten Geschäftszahlen "weltweit das beste Ergebnis aller Bahnen in der Wirtschaftskrise", wie das Magazin berichtete.