100. Montagsdemo in Stuttgart "Stuttgart 21 ist Betrug an den Bürgern"

Von Jörg Nauke 

Auf der 100. Montagsdemo hat Brigitte Dahlbender die Gegner von Stuttgart 21 auf die Volksabstimmung am Sonntag eingeschworen.

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Stuttgart - Die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Brigitte Dahlbender, hat am Abend der 100. Montagsdemonstration die Projektgegner auf die Volksabstimmung am Sonntag eingeschworen. In ihrer Rede warf sie der Bahn vor, den Stresstest "manipuliert" zu haben. Man verkünde Horror-Ausstiegskosten von 700 Millionen Euro, obwohl die Rücknahme der Gleisareale "kostenneutral" erfolge, verschweige aber gleichzeitig die Kostenexplosion bei S21. Das sei "Betrug an den Bürgern". Die Frage "Warum vertraut Ihr der Bahn blind?" richtete sie an die Adresse des Finanzministers Nils Schmid und an den Fraktionschef Claus Schmiedel. Sie prophezeite: "Ihr führt Euch und die SPD ins Verderben." Während Dahlbender von 12.000 Teilnehmern auf dem voll besetzten Parkplatz vor dem Nordausgang des Bonatzbaus sprach, schätzte die Polizei die Zahl auf 5000.

Walter Sittler wirft den Fehdehandschuh 

Nach einem launigen Auftritt des Kabarettisten Uli Keuler verlas der Schauspieler Walter Sittler erst ein Grußwort seiner berühmten Wiener Kollegin Erika Pluhar, um dann Dieter Hundt den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Er scheue sich nicht, vor Gericht mit dem mächtigen Arbeitgeberpräsidenten zu streiten. Hundt hat es als "Granatensauerei" empfunden, dass Sittler einen Werbespot des Arbeitgeberverbands zugunsten von S21 genutzt hat, um seinerseits für den Projektausstieg zu werben. Eine "Granatensauerei" sei es viel eher, so Sittler, dass die Bahn das Urheberrecht des Bonatz-Erben Paul Dübbers verletze und den Denkmalschutz mit Füßen trete. Die Befürworter riskierten die Gefährdung des Mineralwassers und verschleierten die wahren Kosten. Nachdem das Landgericht die Verbreitung des Films per einstweiliger Verfügung untersagt habe, müsse der Spot nun aus dem Netz genommen werden, teilte der Arbeitgeberverband am Montagabend mit.

Am Morgen hatten drei Projektgegner zehn Baufahrzeuge am Einfahren in das Baustellengelände des Grundwassermanagements gehindert. Sie wurden abgeführt.