15. Social Media Night Ein Geldgeber namens Crowd

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Kreative und Jungunternehmer brauchen keine Bank mehr, um ihre Projekte umzusetzen. Crowdsourcing-Portale machen Fans und Enthusiasten zu Financiers.

Stromberg hat für seinen Kinofilm in nur einer Woche eine Million Euro eingesammelt. Doch es gibt noch mehr Projekte, die sich über Crowdfunding finanzieren. Foto: ProSieben Willi Weber 8 Bilder
Stromberg hat für seinen Kinofilm in nur einer Woche eine Million Euro eingesammelt. Doch es gibt noch mehr Projekte, die sich über Crowdfunding finanzieren.Foto: ProSieben Willi Weber

Stuttgart - Was gut ist, wird bezahlt. Im Internet gilt das im wahrsten Sinne des Wortes: Onlinenutzer zahlen, wenn sie eine Sache gut finden und wenn ihnen etwas für ihr Geld geboten wird. Flattr schlägt schon seit Jahren in diese Kerbe. Berauschend sind die auf diesem Wege erzielten Einnahmen allerdings nicht. So kommt etwa die taz, die Flattr seit mehr als zwei Jahren konsequent einsetzt, selbst in guten Monaten nicht einmal auf 4000 Euro.

Wesentlich spektakulärere Erfolge hat in letzter Zeit die Idee des Crowdfunding erzielt, das am Mittwochabend bei der 15. Social Media Night im Daimler-Museum vom Social Media Club Stuttgart (SMCST) thematisiert wird. Die Idee kommt aus den USA und England, setzt sich aber zunehmend auch in Deutschland durch. Und sie eignet sich für sehr viele Bereiche, von Wissenschaftsprojekten bis zur Verschönerung der Städte.

Das Crowdfunding-Prinzip ist einfach: Über entsprechende Plattformen wie inkubato, startnext oder pling können sich Musiker, Spieleprogrammierer, Filmemacher, Erfinder, Künstler, Kreative und sogar Jungunternehmer mit ihren Ideen um ein (Teil-)Finanzierung ihrer Projekte bemühen. Was gefällt, dafür wird gezahlt. Kommt die benötigte Summe binnen einer bestimmten Frist zusammen, überweisen die Kleinfinanciers ihren Beitrag. Sie werden registriert und tauchen im Abspann der Produktion auf, erhalten exklusive Leistungen wie eine Extra-CD, Vorabinformationen oder die Einladung zur Eröffnungsfeier. Manche Crowdfunding-Projekte beteiligen ihre Mikrofinanciers sogar an den Einnahmen eines Projekts.

Stromberg ist besonders erfolgreich

So sammelten die Macher des Stromberg-Kinofilms mit dem Versprechen, Investoren an den Erlösen zu beteiligen, binnen nur einer Woche mehr als eine Million Euro für ihr Projekt ein. Der Kinofilm über die Bar 25 in Berlin finanziert sich mit jenen 25.000 Euro, die online eingesammelt wurden. Sogar ein Softporno konnte durch Crowdfunding gedreht werden: „Hotel Desire“ sammelte 175.000 Euro an Spenden ein. Weitere Beispiele für crowdfinanzierte kreative Projekte sind eine Bud-Spencer-Doku, ein Computerspiel zur Fernsehserie „Saber Rider and the Star Sheriffs“ oder das Debütalbum von Lena Sundermeyer.

Crowdfunding ist im englischen Sprachraum groß geworden, wo auch bekannte Bands wie Marillion oder Public Enemy Tourneen und CDs über die Crowd finanziert haben. Seit 2010 gibt es auch im deutschsprachigen Raum zunehmend crowdfinanzierte Projekte. 170 erfolgreiche Crowdfundings verzeichnete der Crowdfunding-Monitor im Jahr 2011, die laut den Autoren insgesamt 458.000 Euro eingesammelt haben. Der Trend zeigt nach oben: im ersten Quartal nahmen 83 Projekte insgesamt 240.000 Euro ein. Der Fan als Mäzen: diese Idee kommt auch hierzulande immer besser an.

Start-Ups werben um Mikroinvestoren

Die Crowd kann nicht nur ihre Lieblings-Kreativen unterstützen. Zunehmend werben Start-Ups um Mikroinvestoren, die mit kleinen Beträgen Unternehmensanteile erwerben. Geht das neu gegründete Unternehmen ein, ist das gesamte Geld futsch. Setzt man aber aufs richtige Pferd, winken extrem hohe Renditen. Und beim sogenannten Crowdfinancing setzen Investoren zumeist eher geringe Beträge ein.

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