24 Stunden Ludwigsburg Ein neues Kleid für das alte Schulhaus

Von  

24 Stunden Ludwigsburg – in einer 24-teiligen Serie erzählen wir, wie die Ludwigsburger und die Gäste der Stadt leben und arbeiten. Zwischen 15 und 16 Uhr laufen die Bauarbeiten der Generalsanierung des Goethe-Gymnasiums auf Hochtouren.

Die Gerüste am Gymnasium sind eine vertraute Ansicht. Zum neuen Schuljahr soll die Sanierung fertig sein. Foto: factum/Weise
Die Gerüste am Gymnasium sind eine vertraute Ansicht. Zum neuen Schuljahr soll die Sanierung fertig sein.Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Etwa alle zwei Wochen schaut Wolfgang Medinger vorbei in seinem Schulhaus, das seit vielen Monaten komplett eingerüstet ist und für viele millionen Euro komplett saniert wird. An diesem Nachmittag steht mal wieder so eine Stippvisite auf dem Programm des Direktors des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg. Er hat sich mit der Bauleiterin Sabine Mössner verabredet und hofft auf gute Nachrichten. Nämlich die, dass die auf mehrere Ausweichquartiere verteilten rund 700 Schüler und deren Lehrer ganz sicher mit dem Beginn des neuen Schuljahres im September wieder in ihrem angestammten Schulhaus auf dem Campus lernen und arbeiten können.

Vor dem Gebäude sind mehrere Baustellenfahrzeuge geparkt. Alle paar Minuten gehen Bauarbeiter durch das Hauptportal des Schulhauses ein und aus. Manche tragen schwere Teile eines Gerüsts, andere lediglich Werkzeuge – und wieder andere die Verantwortung dafür, dass die Arbeiten zügig voran kommen.

Die Bauarbeiter kommen aus vielen Ländern

Im Erdgeschoss verputzt ein Arbeiter eine Wand. Fragen kann er nicht beantworten, jedenfalls nicht auf Deutsch. Der Mann ist Italiener, er lächelt, zieht entschuldigend die Schultern hoch und werkelt weiter. „Das hier ist EU live“, sagt Medinger. Die Menschen, die auf der Baustelle arbeiten, kommen in der Tat aus vielen Ländern der Europäischen Union. Ein anderer Arbeiter erzählt in gebrochenem Deutsch, dass er aus Kroatien stammt, seit knapp drei Jahren in Deutschland arbeitet, seit ein paar Monaten auf dieser Baustelle. In die Heimat zur Familie fahre er nur im Urlaub, demnächst sei es mal wieder so weit. „Mein Sohn heiratet, und ich habe alle Kollegen eingeladen.“

Vermutlich sind nicht alle Männer gemeint, die zurzeit das Goethe-Gymnasium generalsanieren, das sind nämlich ein paar Dutzend, sondern nur die paar Kollegen aus Kroatien.

Wolfgang Medinger ist seit neun Jahren Direktor des Goethe-Gymasiums. Er ist in Ludwigsburg aufgewachsen, hat 1971 am hiesigen Schiller-Gymnasium Abitur gemacht, dann Deutsch und Englisch studiert, war später Lehrer am Schiller-Gymnasium und an einer deutschen Schule in Buenos Aires, der argentinischen Hauptstadt.

Medinger ist inzwischen 64 Jahre alt, könnte also schon bald in Pension gehen. Das, sagt er beim Baustellenbesuch, werde er aber nicht tun, er wolle noch ein paar Jahre dran hängen. Dieser Lehrer, der immer mit dem Rad zur Arbeit fährt, hat offensichtlich nach wie vor Spaß an seinem Beruf. Und vom Spätsommer an will er noch eine Zeit lang im renovierten Goethe-Gymnasium das Sagen haben.

Schadstoffe in den alten Wandfarben gefunden

Im Treppenhaus der Immobilie, Baujahr 1952, kommt Wolfgang Medinger ein Sanitärinstallateur entgehen. Der Arbeiter ist bei einer Firma aus Bietigheim beschäftigt. Er erzählt, dass er 52 Jahre alt ist und seit der Lehre auf dem Bau arbeitet, „ein schöner Beruf, sehr abwechslungsreich“. Dann entschuldigt er sich: „Ich muss weiter.“ Dafür hat der Schulleiter größtes Verständnis. Er weiß, dass schon wegen der Entsorgung der Schadstoffe, die in alten Wandfarben gefunden wurden, viel Zeit verloren ging.

Im oberen Stockwerk steht dann das vereinbarte Treffen mit der Bauleiterin an. Sabine Mössner hat in Stuttgart Architektur studiert. Dass Architekten wie sie als Bauleiter arbeiten, sei eher ungewöhnlich, sagt sie. Oft seien Bauingenieure mit dieser Aufgabe betraut. Dass sie Architekten für mindestens so geeignet hält, steht außer Frage.

Ein schneller Rundgang beginnt. Sabine Mössner sagt, das Gebäude wird sicher spätestens Anfang September fertig. Der Herr Direktor strahlt und macht spontan eine Verbeugung vor Sabine Mössner. Eigentlich, erklärt sie, hätte alles bereits im Juni, spätestens im Juli fertig werden sollen. Aber die Schadstoffbeseitigung habe den kompletten Zeitpuffer gefressen. Die Möbel, sagt sie, „können schon im August eingeräumt werden“.

Die Architektin erzählt, dass sie in Korntal aufgewachsen ist, in Stuttgart studiert hat und teils am Bodensee sowie in Stuttgart-Bad Cannstatt wohnt. Dienstags, mittwochs und donnerstags sei sie auf der Baustelle in Ludwigsburg anzutreffen, seit die Arbeiten im Spätsommer 2015 begonnen haben. Dann wohne sie in Stuttgart. Die Montage und Freitage seien meistens Bürotage am Bodensee.

Sanierung des Schulgebäudes kostet rund 23 Millionen Euro

Die Sanierung des Schulgebäudes, die insgesamt rund 23 Millionen Euro kosten wird, sei durchaus eine besondere Aufgabe, so Mössner. Es sei kein ganz gewöhnliches Geschäft, eine alte Immobilie von so einer Größe – das Goethe hat rund 100 Zimmer – brandschutztechnisch auf den neuesten Stand zu bringen. Es gebe nur ganz wenige Firmen, die so etwas könnten. Man habe einen Betrieb aus Berlin gefunden.

Sabine Mössner sagt: „Ich kenne mittlerweile jedes Eck des Gymnasiums.“ Und sie erzählt, dass es aus ihrer Sicht ein Vorteil ist, dass die Bauleitung von einer Frau gemanagt wird. „Die Männer benehmen sich besser.“ Sie habe einen guten Draht zu den Kapos, oft ließen sich Probleme auf dem kleinen Dienstweg schnell regeln. Nötig seien allerdings auch hier „klare Ansagen“. Wer auf dem Bau in verantwortlicher Position arbeite, der müsse zudem weltoffen sein. Oft kommt sie weder mit Deutsch noch mit Englisch weiter. Dann muss sie „mit Händen und Füßen“ reden.

Angekommen im Dachgeschoss bestaunt Direktor Medinger die freigelegten alten Holzbalken der Dachkonstruktion und freut sich schon auf „das tolle Raumgefühl für den Kunstunterricht“. Ende Februar, erklärt die Bauleiterin, werde der Estrich verlegt. „Noch in diesem Monat“, sagt Wolfgang Medinger und freut sich dabei wie ein Kind in Erwartung eines neuen Spielzeugs. Dann blickt er ein bisschen weiter voraus und kündigt an: „Im Herbst feiern wir ein Fest im neuen Schuhaus.“