60 Millionen Euro für Hochschulen Land schafft mehr Masterplätze

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Mehr Masterplätze an den Hochschulen in Baden-Württemberg: 6300 neue sind bewilligt. Die grün-rote Regierung sieht sich damit bundesweit als Vorreiter. Die Arbeitgeber warnen vor einer Abwertung des Bachelor.

Die höheren akademischen Weihen sind nicht für alle gedacht, aber jeder zweite Bachelor soll den Master machen. Foto: Mauritius
Die höheren akademischen Weihen sind nicht für alle gedacht, aber jeder zweite Bachelor soll den Master machen.Foto: Mauritius

Stuttgart - An den Hochschulen des Landes werden weitere Masterstudienplätze geschaffen. Zum Wintersemester 2016/17 und zum Studienjahr 2017/18 richtet die Regierung insgesamt 2200 zusätzliche Anfängerplätze ein. Damit komme die grün-rote Koalition in ihrer Regierungszeit seit 2011 auf 6300 neue Masterplätze, betonten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Grüne). Das hatten Grüne und SPD auch in ihrem Koalitionsvertrag versprochen.

Die Mehrzahl der neuen Masterstudienplätze entsteht oder entstand an einer der neun Universitäten des Landes. Insgesamt sind dort 62 Prozent der Plätze angesiedelt, 35 Prozent entfallen auf die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Die Pädagogischen Hochschulen verbuchen drei Prozent des Zuwachses für sich.

Der Regierungschef Kretschmann lobte, mit dem Ausbau nehme Baden-Württemberg eine bundesweite Vorreiterrolle ein. „Besonders in den Mintfächern wurden zusätzliche Kapazitäten geschaffen“, hob er hervor. In den Mintfächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik droht nach Einschätzung der Wirtschaft ein Fachkräftebedarf. Sie machen knapp die Hälfte der Plätze aus.

Entsprechend deklariert die Regierung das Studienplatzprogramm als „Fachkräfteoffensive Master 2016“. Diese kostet das Land 60 Millionen Euro im Jahr zusätzlich. „Wir brauchen die Gründer von morgen“, erklärte Wissenschaftsministerin Bauer. Sie nannte den Ausbau bedarfsgerecht. Die Verteilung der Plätze sei ausbalanciert über Regionen und Hochschularten hinweg.

Dass die Mehrzahl der Plätze auf die Universitäten entfalle, entspricht laut Bauer der Hochschulstruktur. Der wissenschaftliche Nachwuchs sollte sich als Master qualifizieren. Forschungsnahe und innovative Angebote hätten den Vorzug erhalten.

Jeder zweite kann Studium vertiefen

Etwa jeder zweite Bachelorabsolvent kann nach diesem Stand sein Wunschstudium vertiefen. Das sei das Ziel der Landesregierung gewesen. Damit könne der akademische Fachkräftenachwuchs „nachhaltig gesichert werden“, sagte Bauer. Von einer Quotierung der Masterstudienplätze hält die Wissenschaftsministerin nichts.

Der Ausbau um 6300 Plätze ist nach Darstellung von Theresia Bauer das Ergebnis von Verhandlungen mit der Wirtschaft und den Hochschulen. Er sei notwendig, da jetzt die ersten Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs aus dem Jahr 2012 ihr Bachelorstudium abgeschlossen haben.

Bauer betonte, der Ausbau sei nicht Ausdruck einer Unzufriedenheit mit dem Niveau der Bachelorabsolventen. Sie habe nur selten aus der Wirtschaft gehört, dass ein Bachelor den Anforderungen nicht genüge. Sie sprach sich dagegen aus, einen künstlichen Druck auf die Masterangebote zu schaffen: „Der Bachelor selbst muss gut und hochwertig sein.“

Die baden-württembergischen Arbeitgeber warnten davor, den Bachelor „nur als formale Durchgangsstation auf dem Weg zum Master“ anzusehen. Stefan Küpper, der Geschäftsführer Bildung des Arbeitgeberverbands, sagte vielmehr, „die Politik sollte nicht aus den Augen verlieren, dass ein unmittelbarer Anschluss eines Master-Studiums an einen Bachelor-Abschluss keineswegs die privilegierte Eintrittskarte in die Wirtschaft darstellt“.

Wirtschaft sieht Bachelor als vollwertige Akademiker

Küpper versicherte, „die Unternehmen sehen die Bachelor-Absolventen als vollwertige Akademiker“. Es gebe in vielen Bereichen kaum einen Unterschied in den Gehältern von Bachelor- und Masterabsolventen. Bachelor würden auf den üblichen Akademikerstellen eingesetzt.

Der Arbeitgeberverband geht außerdem davon aus, dass der Ausbau von Masterstudienplätzen auf Dauer ohne die Wiedereinführung von Studiengebühren „kaum bezahlbar“ sei. Küpper plädiert für den Ausbau berufsbegleitender Masterstudiengänge. Diese sind gebührenpflichtig.

Mit dem aktuellen Ausbauprogramm ist die Einrichtung von Masterstudienplätzen noch nicht abgeschlossen. In diesem Wintersemester hat die neue Lehrerausbildung nach der Bachelor-/Masterstruktur begonnen. Das Staatsexamen wird abgeschafft. Die Lehrermasterplätze haben mit dem Ausbauprogramm nichts zu tun. Sie werden erst in drei Jahren benötigt.

Die Wissenschaftsministerin erklärte, „dafür werden bestehende Staatsexamensplätze umgeschichtet. Die Kapazität für die Lehrerausbildung wird beibehalten.“ Die Ressourcen für die notwendigen Masterplätze für Lehrer seien vorhanden.