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90 Jahre Kapp-Lüttwitz-Putsch Regierung floh nach Stuttgart

Matthias Sander, vom 13.03.2010 17:39 Uhr
Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch debattiert die aus Berlin vertriebene Deutsche Nationalversammlung im Stuttgarter Kunstgebäude über das weitere Vorgehen. Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch debattiert die aus Berlin vertriebene Deutsche Nationalversammlung im Stuttgarter Kunstgebäude über das weitere Vorgehen. Foto: Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Stuttgart - Spätestens in der Stunde der tiefgreifenden Entscheidungen erkennt man Freund und Feind. Es ist die Nacht vom 12. auf den 13.März 1920. Die Marinebrigade Ehrhardt marschiert auf Befehl des Generals Walther von Lüttwitz nach Berlin. Sie will das Regierungsviertel besetzen. Jetzt kommt es darauf an, wie sich die Führungskräfte der Reichswehr positionieren: Nehmen sie die Regierung um den sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert und den Kanzler Gustav Bauer in Schutz? Oder stellen sie sich auf die Seite der Meuterer?

Die Generäle weigern sich, dem Aufmarsch der Brigade mit Gewalt zu begegnen. Ihre Begründung: Man könne nicht auf die eigenen Kameraden schießen. Nur der Chef der Obersten Heeresleitung, der gebürtige Stuttgarter Walther Reinhardt, spricht sich für die notfalls gewaltsame Verteidigung der jungen Weimarer Republik aus.Wie fast jeder Staatsstreich hatte sich auch dieser angekündigt, allein schon wegen des Ausmaßes der nötigen Vorbereitungen.

Der Verwaltungsbeamte Wolfgang Kapp, der sich am Morgen des 13. März 1920 selbst zum neuen Reichskanzler erklären sollte, hegte schon länger umstürzlerische Gedanken. Bereits Anfang des Jahres 1919 verhandelte er mit dem Generalmajor Hans von Seeckt, um - wie Kapp nach dem Scheitern des Putsches schreiben sollte - "eine Abkehr von den durch die Novemberrevolution herbeigeführten Verhältnissen zu bewirken". Dazu reichte es vorerst nicht, sondern nur zur Niederschlagung einiger Arbeiter- und Soldatenräte in Ostpreußen.

Der putsch war seit Monaten geplant



Im Juli 1919 unterbreitete Kapp seine Pläne Erich Ludendorff, der als Chef der Obersten Heeresleitung von 1916 an zusammen mit Paul von Hindenburg faktisch an der Spitze einer Militärdiktatur stand. Als dann auch noch Walther von Lüttwitz für die Pläne gewonnen wurde, setzte man die "Ausführung des Schlages für Ende März resp. April" fest, wie Kapp später schrieb.

Dass dieser Schlag unmittelbar bevorsteht, wird den politischen Granden der Weimarer Republik spätestens drei Tage vorher, am 10. März 1920, klar. An diesem Tag sucht Lüttwitz den gebürtigen Heidelberger Ebert und den Reichswehrminister Gustav Noske auf. Zur Erfüllung der Bestimmungen des im Januar in Kraft getretenen Vertrags von Versaille muss die Truppenstärke der Reichswehr von 250.000 auf 100.000 Soldaten reduziert werden. Lüttwitz fordert die Aufhebung entsprechender Auflösungsbefehle.

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