A8-Ausbau
Prognosen prophezeien mehr Lärm
Andrea Koch-Widmann,
11.08.2010 16:01 Uhr
Einer der fertiggestellten Bauabschnitte zwischen der Tank- und Rastanlage Pforzheim-Ost und Wurmberg. Foto: dpa
Karlsruhe - Jürgen Kurz, der Bürgermeister von Niefern-Öschelbronn, ist auf die Planer im Karlsruher Regierungspräsidium nicht gut zu sprechen. Seit Jahren liegt er mit der Behörde im Clinch, die auf dem Gebiet seiner Gemeinde zuständig ist für den Ausbau der Autobahn A8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart. Einzig der 4,8 Kilometer lange Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Pforzheim Süd und Nord, eine steile Berg-und-Tal-Fahrt zwischen dem Pforzheimer Stadtteil Eutingen diesseits und dem Nieferner Ortsteil Enzberg jenseits, ist noch nicht einmal in der Planung bestätigt.
Jetzt verschiebt sich die Anhörung zur Planfeststellung, zu der bereits mehr als 800 Einsprüche vorliegen und die noch in diesem Jahr erfolgen sollte, erneut – und damit auch ein Baubeginn. Der Grund dafür sei, dass die vorliegende Prognose über das Verkehrsaufkommen vom Jahr 2020 auf 2025 verlängert werden müsse, erläutert Harald Protz, der Leitende Baudirektor im Regierungspräsidium. Der Bund hatte neue Rahmendaten erstellt, die nun eingearbeitet werden müssten. Demnach nimmt der Verkehr, insbesondere der Lastwagenverkehr auf rund 100.000 Fahrzeuge am Tag (von 90.000 für 2020) weiter zu – und damit steige nachts die wahrnehmbare Lärmbelastung. Berechnungen zufolge gebe es nun zwölf weitere Gebäude, bei denen durch den Autobahnausbau der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert für den Lärm um drei Dezibel überschritten würden. Die Bewohner würden nun informiert, durch Schallschutzfenster soll der Verkehrslärm gemindert werden.
Beim Lärmschutz müsse insgesamt nachgebessert werden, fordern dagegen Bürgermeister Kurz, die Bürgerinitiative "Leise A8", viele Bürger und auch die Gemeinde Kieselbronn. Seit Jahren laufen sie bereits Sturm gegen die Pläne der Straßenplaner. Vor fünf Jahren kippten die Protestler tatsächlich die damalige Planung, die den direkt an der Autobahn liegenden Anwohnern am Enzberg eine sieben Meter hohe Lärmschutzwand (rund 18 Meter ab Autobahnniveau) vor die Nase gesetzt hätte.
Eine damals geforderte "Überdachung" der Autobahn, eine Galerie ähnlich wie im italienischen Como, hatte das Regierungspräsidium erst gar nicht geprüft, wegen geschätzter Mehrkosten von rund 1,5 Millionen Euro. "Ich habe während meines politischen Lebens kein Verfahren erlebt, in dem eine Behörde so unzumutbar gehandelt hat" – mit diesen deutlichen Worten hatte Stefan Mappus, vormals Verkehrsminister und zum damaligen Zeitpunkt der CDU-Fraktionschef im Landtag, das Regierungspräsidium gerüffelt. Stefan Mappus sprach gar von einem "Komödienstadl", weil sich die Straßenplaner und die Juristen der Behörde in der Anhörung gegenseitig Vorwürfe machten.
Das Regierungspräsidium musste beim Lärmschutz nachbessern. Und dank des Einsatzes des Landes beim Bund gelang sogar mehr als zuvor gefordert: Die damalige rot-grüne Bundesregierung genehmigte eine komplette Überdeckelung der Autobahn zwischen Eutingen und Niefern, die begrünt werden soll. Rund 380 Meter ist die Tunnelröhre lang. Samt vorgebauten Erdwällen und Lärmschutzwänden sowie dem sogenanntem Flüsterasphalt verteuerte sich der Streckenabschnitt um 43 Prozent, verdeutlicht der Chefplaner Harald Protz. 2005 noch lagen die veranschlagten Kosten bei rund 62,5 Millionen, nun werde mit 89,6 Millionen Euro gerechnet. "Diese Einhausung ist zu kurz", monieren nun Vertreter der Bürgerinitiative, und auch der Bürgermeister fordert einen 800 Meter langen Deckel. Zumal die der Röhre vorgelagerten Erdwälle samt Lärmschutzwänden ein massives Bauwerk für die Anwohner seien und dennoch an einigen Stellen die Grenzwerte nachts überschritten würden.
Jetzt verschiebt sich die Anhörung zur Planfeststellung, zu der bereits mehr als 800 Einsprüche vorliegen und die noch in diesem Jahr erfolgen sollte, erneut – und damit auch ein Baubeginn. Der Grund dafür sei, dass die vorliegende Prognose über das Verkehrsaufkommen vom Jahr 2020 auf 2025 verlängert werden müsse, erläutert Harald Protz, der Leitende Baudirektor im Regierungspräsidium. Der Bund hatte neue Rahmendaten erstellt, die nun eingearbeitet werden müssten. Demnach nimmt der Verkehr, insbesondere der Lastwagenverkehr auf rund 100.000 Fahrzeuge am Tag (von 90.000 für 2020) weiter zu – und damit steige nachts die wahrnehmbare Lärmbelastung. Berechnungen zufolge gebe es nun zwölf weitere Gebäude, bei denen durch den Autobahnausbau der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert für den Lärm um drei Dezibel überschritten würden. Die Bewohner würden nun informiert, durch Schallschutzfenster soll der Verkehrslärm gemindert werden.
Beim Lärmschutz müsse insgesamt nachgebessert werden, fordern dagegen Bürgermeister Kurz, die Bürgerinitiative "Leise A8", viele Bürger und auch die Gemeinde Kieselbronn. Seit Jahren laufen sie bereits Sturm gegen die Pläne der Straßenplaner. Vor fünf Jahren kippten die Protestler tatsächlich die damalige Planung, die den direkt an der Autobahn liegenden Anwohnern am Enzberg eine sieben Meter hohe Lärmschutzwand (rund 18 Meter ab Autobahnniveau) vor die Nase gesetzt hätte.
Ursprungsplanung gekippt
Eine damals geforderte "Überdachung" der Autobahn, eine Galerie ähnlich wie im italienischen Como, hatte das Regierungspräsidium erst gar nicht geprüft, wegen geschätzter Mehrkosten von rund 1,5 Millionen Euro. "Ich habe während meines politischen Lebens kein Verfahren erlebt, in dem eine Behörde so unzumutbar gehandelt hat" – mit diesen deutlichen Worten hatte Stefan Mappus, vormals Verkehrsminister und zum damaligen Zeitpunkt der CDU-Fraktionschef im Landtag, das Regierungspräsidium gerüffelt. Stefan Mappus sprach gar von einem "Komödienstadl", weil sich die Straßenplaner und die Juristen der Behörde in der Anhörung gegenseitig Vorwürfe machten.
Das Regierungspräsidium musste beim Lärmschutz nachbessern. Und dank des Einsatzes des Landes beim Bund gelang sogar mehr als zuvor gefordert: Die damalige rot-grüne Bundesregierung genehmigte eine komplette Überdeckelung der Autobahn zwischen Eutingen und Niefern, die begrünt werden soll. Rund 380 Meter ist die Tunnelröhre lang. Samt vorgebauten Erdwällen und Lärmschutzwänden sowie dem sogenanntem Flüsterasphalt verteuerte sich der Streckenabschnitt um 43 Prozent, verdeutlicht der Chefplaner Harald Protz. 2005 noch lagen die veranschlagten Kosten bei rund 62,5 Millionen, nun werde mit 89,6 Millionen Euro gerechnet. "Diese Einhausung ist zu kurz", monieren nun Vertreter der Bürgerinitiative, und auch der Bürgermeister fordert einen 800 Meter langen Deckel. Zumal die der Röhre vorgelagerten Erdwälle samt Lärmschutzwänden ein massives Bauwerk für die Anwohner seien und dennoch an einigen Stellen die Grenzwerte nachts überschritten würden.
Seite
1
2
Weitere Artikel


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>

