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Abfallbilanz 2011 Gartenabfall in Strom verwandeln

Andrea Koch-Widmann, 01.08.2012 21:36 Uhr

Stuttgart - Gleich zwei gute Nachrichten hat der Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) bei der Vorstellung der Abfallbilanz 2011 am Mittwoch im Stuttgarter Landtag präsentiert. In diesem Jahr sind die Müllgebühren im Landesschnitt erneut zurückgegangen. Genau 149,67 Euro muss eine vierköpfige Familie im Schnitt bezahlen – ein historischer Tiefstand. Gegenüber 2011 ist die Müllgebühr damit um 3,40 Euro billiger geworden. Ebenfalls weiter zurückgegangen ist das Haus- und Sperrmüllaufkommen in Baden-Württemberg (insgesamt 1,55 Millionen Tonnen). Mit 144 Kilogramm je Einwohner (2011) liegt es damit fast auf dem Tiefstand des bisherigen Rekordjahres 2008 mit damals 143 Kilogramm. Diese Entwicklung ist für Untersteller „ein großer Erfolg. Damit wird die bundesweite Spitzenstellung der baden-württembergischen Abfallwirtschaft untermauert.“

Tatsächlich gibt es im Land sehr große Unterschiede sowohl bei den Müllgebühren als auch beim Müllaufkommen. Am teuersten ist die Müllgebühr im Kreis Rottweil, 223,50 Euro muss dort eine vierköpfige Familie bezahlen. Im Kreis Esslingen ist es mit 93 Euro am billigsten. Der Landkreis Freudenstadt hingegen ist mit 63 Kilogramm Haus- und Sperrmüll je Einwohner Landesmeister, die Stadt Mannheim mit 247 Kilogramm je Einwohner hat die rote Laterne mit dem höchstem Müllaufkommen. Allerdings seien die nackten Zahlen nicht ohne Weiteres vergleichbar, sagt der Minister. Sein Erklärungsversuch: die hohe Bevölkerungsdichte, viele Wohnblocks und große Abfallcontainer machten die Situation in Mannheim ungleich schwieriger. Zudem sind die Erfassungssysteme vor Ort höchst unterschiedlich. 147 verschiedene Müllsatzungen und Systeme gebe es in den 44 Stadt- und Landkreisen des Landes, da etliche Kreise die Aufgabe an die Kommunen übergeben hätten. Mal werde pro Leerung abgerechnet, mal nach Gewicht, mal gibt es eine Grundgebühr, es gibt Wertstoffhöfe, wo die Bürger ihren sortierten Müll abgeben, woanders wird abgeholt. Und längst nicht überall wird der Bio- und Grünmüll eingesammelt, mal wird er nur kompostiert, woanders auch schon energetisch verwertet.

Gartenabfälle leisten Beitrag zur Energiewende

„Wir dürfen Potenziale nicht verschenken“, sagte der Umweltminister. Er geht davon aus, dass aus Bio- und Grünmüll Strom für 190 000 Vierpersonenhaushalte erzeugt werden kann, das wären weitere 660 Gigawattstunden Strom zu den bereits heute gewonnenen 150 Gigawattstunden. Gartenabfälle könnten somit einen deutlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Von 2015 an ist die Erfassung der Grünabfälle im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz zudem vorgeschrieben.

Handlungsbedarf gebe es auch bei der Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe wie etwa Phosphor aus Klärschlamm oder Neodym – ein Metall der Seltenen Erden – aus Elektro- und Elektronikgeräten. Als rohstoffarmes Land sollte der Südwesten diese Chance nutzen, betonte Untersteller. Rund 50 Prozent des Phosphorverbrauchs könnten aus dem Abfallprodukt Klärschlamm gewonnen und wieder als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Das Ziel: „Müllbeseitigung gegen null, Verwertung Richtung 100 Prozent.“