Abgasspezialist legt Bilanz vor Eberspächer erwartet geringeres Wachstum

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In der Wachstumsregion Asien tut sich der Abgasspezialist aus Esslingen aber schwer. Dort ist der Umsatz sogar gefallen.

Eberspächer will von den strengeren Abgasnormen profitieren. Foto: Eberspächer
Eberspächer will von den strengeren Abgasnormen profitieren.Foto: Eberspächer

Esslingen - Im vergangenen Jahr konnte Eberspächer glänzen: Umsatz und Gewinn sind in die Höhe geschnellt. Martin Peters, geschäftsführender Gesellschafter des Esslinger Abgasspezialisten, spricht denn auch von einem erfolgreichen Jahr. Auch das neue Jahr sei gut angelaufen; im ersten Quartal seien die Erwartungen übertroffen worden. Doch von April an sei eine Abschwächung im Nutzfahrzeuggeschäft spürbar, sagte Peters bei der Vorlage der Bilanz in Esslingen. Für das gesamte Jahr rechnet er denn mit einem deutlich schwächeren Zuwachs. Der Umsatz soll bis zu zehn Prozent zulegen. Die Umsatzrendite – Jahresüberschuss im Verhältnis zum Umsatz – von knapp drei Prozent (Stand 2011) „werde nicht erreicht“, so Peters. Es sei sogar möglich, dass der absolute Gewinn unter dem Vorjahreswert bleibt.

Belastet werde das Ergebnis von hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Sachanlagen. Hinzu kämen steigende Materialkosten – vor allem Stahl – sowie höhere Gehälter. Der jüngste Tarifabschluss, der von Peters insgesamt positiv bewertet wird, schlage sich bei Eberspächer in diesem Jahr mit zusätzlich drei bis vier Millionen Euro nieder. Peters ist aber zuversichtlich: „Ab dem Jahr 2014 rechnen wir mit einem großen Wachstumsschub.“ Grund dafür sei nicht zuletzt die zunehmende globale Präsenz des Unternehmens sowie die strengere Abgasnorm EU 6 für Nutzfahrzeuge, die dann in Kraft tritt.

Bis jetzt sind die Esslinger vor allem in Europa unterwegs. In Deutschland werden rund 42 Prozent des Gruppenumsatzes erzielt; auf die EU (ohne Deutschland) entfallen weitere 29 Prozent. In den Wachstumsregionen Asiens erzielt Eberspächer gerade mal zwei Prozent der Erlöse. In den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) habe sich das Wachstum im vergangenen Jahr sogar abgeschwächt. Heinrich Baumann hält dies nicht für ungewöhnlich. Dieses Geschäft befinde sich in der Aufbauphase; „wenn dann ein Projekt ausläuft, hat das wesentliche Auswirkungen“, sagt der zweite geschäftsführende Gesellschafter der Eberspächer-Doppelspitze. Die Firma hofft, l vom künftig wachsenden Markt für hochwertige Abgastechnik in der Volksrepublik zu partizipieren.

In Europa rechnet die Geschäftsführung mit einem Umsatzschub

Zufrieden dürfte Peters dagegen mit der Entwicklung in Nordamerika sein. Um 44,8 Prozent wuchs dort das Geschäft; ganz Amerika trägt mittlerweile 20 Prozent zum Umsatz bei. Dabei hat Eberspächer auch von der strengeren US-Abgasnorm für Nutzfahrzeuge profitiert. In den USA soll ein neues Montagewerk entstehen; derzeit sei man auf der Suche nach einer Halle im Südosten des Landes. Am Anfang sollen dort etwa 30 Mitarbeiter tätig sein.

In Europa rechnet die Geschäftsführung mit einem Umsatzschub durch die strengere Abgasnorm für Nutzfahrzeuge. In Wilsdruff bei Dresden wurde 2011 ein Werk gebaut. Peters machte deutlich: die Hersteller verlagern ihre Produktionskapazitäten zu den Wachstumsmärkten – „auch wir werden unsere zukünftigen Planungen verstärkt daran ausrichten“. Dies bedeutet, dass es in Deutschland „bestenfalls Stagnation“ geben wird. Mit Auswirkungen auf die Beschäftigung. 7300 Mitarbeiter standen Ende März auf der Gehaltsliste. 300 Beschäftigte werden gesucht – 140 davon vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung in Esslingen.

Eberspächer könne nicht auf Zeitarbeit verzichten, so Peters – „um flexibel auf die Anforderungen des Marktes reagieren zu können“. Damit spielte er auf das Geschäft mit Standheizungen an, die vor allem im Winter gefragt sind. Um die Senkung der Lohnkosten gehe es ihm dabei nicht. So habe Eberspächer freiwillig den Stundenlohn für etwa 100 Zeitarbeiter in den Bereichen Produktion und Logistik auf etwa elf Euro pro Stunden angehoben; das Zeitarbeitsunternehmen wollte gut acht Euro zahlen.

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