Abriss des Nordflügels "Pure Demonstration der Macht"
Thomas Braun, Fotos: Zweygarth, dpa, ddp, AP, 25.08.2010 22:18 Uhr
Der Abrissbagger rammt das Gemäuer des nördlichen Seitenflügels am Hauptbahnhof nieder. Foto: dpa
Der Abrissbagger rammt das Gemäuer des nördlichen Seitenflügels am Hauptbahnhof nieder. Foto: dpa
""Drexler und seine Arbeitgeber heizen die Stimmung an.""
Werner Wölfle, Grünen-Stadtrat



Kurz zuvor hat er noch mit dem Projektsprecher Wolfgang Drexler fürs Fernsehen über die Notwendigkeit von Deeskalation in der Auseinandersetzung um Stuttgart 21 diskutiert – da muss Drexler schon gewusst haben, dass der Bagger sich in Marsch setzt. Dementsprechend entsetzt reagiert der Grüne: Der Abriss sei "reine Provokation". Die Projektbefürworter wollten damit "starrköpfig die Unumkehrbarkeit des Projekts suggerieren". Auch Drexler bekommt sein Fett weg: "Und dieser Sozialdemokrat macht sich noch Sorgen um die religiösen Züge des Protests, während er und seine Arbeitgeber eiskalt die Stimmung anheizen."

Während der so Gescholtene per Pressemitteilung an alle Demonstranten appelliert, "den Bauarbeitern ihre Arbeit nicht zu erschweren", empört sich auch das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 über den Beginn der seit Tagen erwarteten Abrissarbeiten. In einer Pressemitteilung heißt es, das umstrittene Bahnprojekt habe aufgrund des "imposanten Bürgerprotestes" kurz vor dem Aus gestanden. "Der heutige Abrissbeginn wird als letztes Aufbäumen eines auf dem Sterbebett liegenden Protzprojektes gewertet", so der Initiativensprecher Gangolf Stocker.



"Der Abrissbeginn wird nicht dazu führen, dass der enorme Widerstand gegen Stuttgart 21 in sich zusammenfallen wird, im Gegenteil, er wird ihn anheizen", kommentiert Irmela Neipp-Gereke, die Kreisvorsitzende der Grünen. Gerhard Pfeifer, der Geschäftsführer des BUND-Regionalverbandes, ergänzt: "Stuttgart 21 ist nicht gegen den überwältigenden Bürgerwillen im ganzen Bundesgebiet durchsetzbar."

Auch Befürworter von Stuttgart 21 haben sich vor dem Bahnhof eingefunden, um den aus ihrer Sicht historischen Moment mitzuerleben. Während die FDP-Fraktionschefin im Stadtparlament, Rose von Stein, mit erregten Demonstranten diskutiert, scheint ihr Parteifreund, der Stadtrat Michael Conz, den Augenblick zu genießen. "Ich bin froh, dass es mit Stuttgart 21 für die Menschen sichtbar und erlebbar endlich losgeht", gibt der Liberale zu Protokoll. Schon bei anderer Gelegenheit hatte Conz deutlich gemacht, dass ihm auch vor den hohen Kosten des Projekts nicht bange ist: Seine Äußerung, Stuttgart 21 könne auch eine Billion Euro kosten, und er wäre immer noch dafür, hatte ihm sogar in FDP-Kreisen Kopfschütteln eingetragen.

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Kommentare (130)
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AUG
28
Pfarrer Schurr, Reutlingen, 11:49 Uhr

Nur ein Zitat: Vergebt Ihnen, denn Sie wissen nicht was sie tun!

Nur ein Zitat: Vergebt Ihnen, denn Sie wissen nicht was sie tun!

AUG
28
Herr Schmidt, 11:19 Uhr

zu brav

Wenn die Demonstranten in Leipzig 1989 auch so brav geblieben wären, dann würden wir heute sicherlich immer noch in einem geteilten Deutschland leben. Daher: Mehr Mut beim Protest. Stichwort: Ziviler Ungehorsam!!

AUG
27
bahnfan, 23:46 Uhr

"Vorteile" von S21?

Hallo fakten, ob Sie nun einen "Experten" als solchen nach dem Alter, der Haarfarbe, dem Wohnort oder der Farbe ihres Türklingelschildes anerkennen ist prinzipiell egal. Mcih würde viel mehr interessieren, wie sie dazu kommen, dass S21 für den Nahverkehr insgesamt und für den Schienengüterverkehr Vorteile bringen soll? Schießen Sie (mit Informationen, nicht Worthülsen und Geflame) los, ich höre!

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