| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 04. Februar 2012
Stuttgart 21
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Abriss des Nordflügels "Pure Demonstration der Macht"

Thomas Braun, Fotos: Zweygarth, dpa, ddp, AP, vom 25.08.2010 22:18 Uhr
Der Abrissbagger rammt das Gemäuer des nördlichen Seitenflügels am Hauptbahnhof nieder. Foto: dpa
Der Abrissbagger rammt das Gemäuer des nördlichen Seitenflügels am Hauptbahnhof nieder. Foto: dpa
""Drexler und seine Arbeitgeber heizen die Stimmung an.""
Werner Wölfle, Grünen-Stadtrat

Stuttgart - Um Punkt 14.25 Uhr hat am Mitwoch der Abriss des nördlichen Seitenflügels am Stuttgarter Hauptbahnhof begonnen. Wenige Minuten, nachdem sich das Gebiss des Baggers erstmals ins Mauerwerk gefressen hat, ist der in der Nachbarschaft des Bonatz-Baus wohnende langjährige Bahnhofsvorsteher Egon Hopfenzitz vor Ort – und mit ihm rund 300 Demonstranten, die bereits ahnen, dass sie noch deutlich mehr werden würden. Am Ende des Tages sollen es zwischen 6000 (Angaben der Polizei) und 30.000 Menschen (Angaben der Veranstalter) gewesen sein, die gegen den Abriss protestierten.



"Ich bin entsetzt", sagt Egon Hopfenzitz. Der Abbruch des Nordflügels zu diesem Zeitpunkt sei zudem vollkommen unnötig, da die Bahn das unterirdische Technikgebäude im östlichen Teil des Parkplatzes vor dem Nordausgang bauen will und es somit keine Notwendigkeit gebe, den Flügel jetzt zu beseitigen.

Hopfenzitz macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Das ist eine pure Demonstration der Macht. Egal, wie viele Tausend Menschen dagegen protestieren, die Verantwortlichen haben sich eingebunkert und bleiben stur." Auch der Regionalvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Axel Wieland, kritisiert, mit welcher Brachialität der von der Bahn als "schonender Rückbau" verkaufte Abriss vonstatten geht. "Die Bahn will Fakten schaffen, aber der Protest wird dadurch noch zunehmen." Die Hoffnung der Projektträger, dass bald wieder Ruhe am Bahnhof einkehrt, werde sich nicht erfüllen.

Conradi: Wir lassen uns nicht einschüchtern


Vor den rund 6000 Demonstranten bei der Kundgebung erklärt der SPD-Alt-Linke Peter Conradi, man werde sich von den Stuttgart-21-Machern nicht einschüchtern lassen. Er verweist auf Überlegungen in der Berliner Regierungskoalition, den Bau noch nicht begonnener Schienenneubauvorhaben zu verschieben oder zu strecken: Wenn davon auch die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen betroffen sei, wäre auch Stuttgart 21 tot, so Conradi. Demgegenüber lässt Oberbürgermeister Wolfgang Schuster zwei Stunden nach dem Beginn der Bauarbeiten via Pressemitteilung verlauten, er sei sich bewusst, "dass durch die Beseitigung der beiden Seitenflügel der Hauptbahnhof sichtbar verändert wird". Die Entscheidung dafür sei getroffen worden, "nachdem alle Interessen ausführlich abgewogen wurden". Weiter heißt es in der Verlautbarung: "Das eindrucksvolle Hauptgebäude bleibt Bestandteil des künftigen Hauptbahnhofes, den die Deutsche Bahn qualitätsvoll saniert."

Derweil wird bei den Demonstranten darüber spekuliert, wer genau den Startschuss für den Bagger gegeben hat. Die einen meinen, Bahn-Chef Rüdiger Grube persönlich habe den Abriss angeordnet, andere sehen in Chefplaner Hany Azer den "bösen Buben". Werner Wölfle, der Chef der Grünen-Fraktion im Gemeinderat, erfährt auf der Zugfahrt nach Konstanz von den Ereignissen.

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Kommentare (130)
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AUG
28
11:49 Uhr, geschrieben von Pfarrer Schurr, Reutlingen
Nur ein Zitat: Vergebt Ihnen, denn Sie wissen nicht was sie tun!
Nur ein Zitat: Vergebt Ihnen, denn Sie wissen nicht was sie tun!
AUG
28
11:19 Uhr, geschrieben von Herr Schmidt
zu brav
Wenn die Demonstranten in Leipzig 1989 auch so brav geblieben wären, dann würden wir heute sicherlich immer noch in einem geteilten Deutschland leben. Daher: Mehr Mut beim Protest. Stichwort: Ziviler Ungehorsam!!
AUG
27
23:46 Uhr, geschrieben von bahnfan
"Vorteile" von S21?
Hallo fakten, ob Sie nun einen "Experten" als solchen nach dem Alter, der Haarfarbe, dem Wohnort oder der Farbe ihres Türklingelschildes anerkennen ist prinzipiell egal. Mcih würde viel mehr interessieren, wie sie dazu kommen, dass S21 für den Nahverkehr insgesamt und für den Schienengüterverkehr Vorteile bringen soll? Schießen Sie (mit Informationen, nicht Worthülsen und Geflame) los, ich höre!
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