Absage als OB-Kandidat Palmer kandidiert nicht in Stuttgart
Jörg Nauke, 09.03.2010 22:19 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Die Stuttgarter Grünen haben sich wohl zu früh gefreut: Obwohl er für viele in der Partei – auch wegen seiner klaren Haltung gegen das umstrittene und Wählerstimmen sichernde Bahnprojekt Stuttgart 21 – der logische Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl 2012 in der Landeshauptstadt war, hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer seinen Spekulationen über eine Kandidatur in Stuttgart nun ein Ende gesetzt. Diese hatte nicht zuletzt er selbst durch medienwirksame Auftritte in Stuttgart genährt.

Zuletzt war der Eindruck entstanden, die Entscheidung der Ökopartei über den Bewerber sei bereits auf Palmer fallen, der im vorigen OB-Wahlkampf in der Landeshauptstadt einen grünen Farbtupfer gesetzt hatte und auf dem dritten Platz gelandet war. Dem hat er nun durch entsprechende Äußerungen in der Lokalzeitung widersprochen. Nach den jüngsten Erfolgen trauen sich die Grünen, gemeinsam mit der SPD, durchaus zu, die CDU-Vorherrschaft an der Rathausspitze zu beenden.

Palmer sagte der StZ auf Anfrage, er habe in Tübingen vieles angefangen, das er nicht halbfertig liegen lassen wolle. Dafür brauche er mindestens die ganze Amtszeit bis 2014. "Wegen der Finanzkrise gehe vieles langsamer voran, als noch vor Jahresfrist erhofft. Ich möchte auch ernten, nicht nur säen." Tübingen könne zwar nicht im Etatvolumen, aber durchaus in der Lebensqualität mit Stuttgart mithalten. Auch privat steht bei Boris Palmer, dem Sohn des verstorbenen legendären Remstalrebellen und Geradstettener Obstbauers Helmut Palmer, eine Veränderung an. Der OB und seine Partnerin, die Grünen-Europaabgeordnete Franziska Brantner, erwarten im Mai die Geburt ihrer Tochter. "Zu dieser Familiensituation passen eine Kandidatur und ein möglicher Wechsel ganz schlecht", meint der werdende Vater.

Dabei schätzt er die Ausflüge in die Landeshauptstadt und den Wirbel, den er dabei erzeugt. So erregte zuletzt seine Beschwerde beim Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, über seine Ausladung zum Startschuss für Stuttgart 21 Aufsehen – ein Projekt, das er schon zu seiner Zeit als verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion ablehnte. Der Konzernchef hatte den Tübinger OB daraufhin auf seine persönliche Einladungsliste gesetzt. Kritische Kommentare zu Stuttgart 21 hat er sich dennoch nicht verkniffen. Die Demonstranten im Bahnhof feierten ihn dafür wie einen Heilsbringer, während sich der Amtsinhaber Wolfgang Schuster auspfeifen lassen musste.

Kommentare (36)
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MRZ
10
Stuttgarter, 19:35 Uhr

Ach wie Schade!!!

Schade, schade, eine zweite Niederlage für Boris Palmer wäre doch so schön gewesen. Tja, da muss Tübingen halt noch ein paar Jahre leiden.

MRZ
10
Interessierter, 18:35 Uhr

Jenseits des Charakters!

"K. Sandra, 10.03.2010 Vorschlag: Stuttgart wird in Tübingen eingemeindet. Man kann gegen den Tübinger Bürgermeister sagen was man will, eine derart desaströse Amtsführung wie in Stuttgart hat Boris Palmer nicht zu verantworten. Er hat Tübingen weder desaströse Cross Border-Deals aufgezungen noch den Tübingern in Sachen Bürgerbescheid die Hucke voll gelogen und er regiert schon gar nicht wie der Schwaben-Ceauscu Schuster gegen den erklärten Willen seiner Bevölkerung. Palmer braucht weder pro Monat einen neuen Pressesprecher noch eine Phalanx von Leibwächtern. Er regiert noch nicht mal auf Kosten von Kindern, denen man die viele Jahre bestens bewährte Verkehrserziehung stielt! Gegen OB Wolfgang Schuster ist OB Boris Palmer de facto eine ehrliche Lichtgestalt." Es gibt Grenzen in der Diskussion. Wenn da nicht dieser kleine Rechtschreibfehler wäre - dann wäre das für mich ein klarer Fall für den Staatsanwalt. Meinten Sie Schwaben-Ceau-se-scu??? Also ein Vergleich mit Nicolae Ceausescu????? Wow! Da könnte man eine Drohung gegen Wolfgang Schuster erkennen! Und zwar einer der übelsten Sorte! Den von Ceeausescu betriebenen Personenkult werden Sie nicht meinen? Das dieser Kinder in Waisenhäuser verrotten lassen hat, meinen Sie das? Oder meinen Sie das Ende des Ehepaares Ceausescu??? Ich halte von Boris Palmer nicht viel. Aber ihn in solch einen Zusammenhang zu vergleichen - das beleidigt auch Boris Palmer! Und die Aussage zu Wolfgang Schuster. Erschütternd! Die Teufel die ich rief, die werde ich nicht mehr los! Auch ein Punkt den ich Boris Palmer, Cem Özdemir und den Stuttgarter Grünen vorwerfe. Das war mit Sicherheit nicht gewollt - nur das sind Aussagen die auf der Projektgegner-Seite getätigt werden. Und da würde ich eine Distanzierung erwarten! Vielleicht gerade auch von Boris Palmer - mit seiner Familiengeschichte!

MRZ
10
Respekt Herr Palmer, 15:47 Uhr

Kluger Palmer ...

Man kann über Herrn P. sagen was man will - er ist ein kluger Kopf. Er hat nämlich schon erkannt, dass er mit seinen S 21 Aussagen nie mehr den vollen Rückhalt in Stuttgart bekommen würde. Ihm ist bewußt geworden, dass er die Erwartungen der S 21 Gegner nie erfüllen kann und damit bei einer Wahl recht schnell von allen abgeschrieben würde. Gerade auch von jenen, welche ihn kurz zuvor gefeiert hätten. Das ist fast kurios, dass gerade die S 21 Gegner nun seinen Entschluß bestimmt haben. Insofern ist seine Absage jetzt konsequent, denn niemand läuft gerne in ein offenes Messer und läßt sich gerne demontieren. Das er diese Erkenntnis hat und auch danach handelt verdient meinen Respekt. Das Ablenkungsmanöver mit Finanzen der Stadt Tü oder seiner Familie können wir hingegen gerne ins Reich der Fabeln verweisen... Ein Palmer würde sich nie wegen seiner Familie abhalten lassen zu tun, was er für richtig hält. Auch Tübingen wäre ihm - so er an eine Chance in Stuttgart glauben würde - völlig gleichgültig.

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