ExklusivAbstellbahnhof Untertürkheim Bahn will bei Stuttgart-21-Kosten sparen

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Die Bahn will bei Stuttgart 21 Kosten sparen. Dazu soll das Konzept für den Abstellbahnhof in Untertürkheim abgespeckt und Einsparungen in Höhe von 130 bis 150 Millionen Euro erzielt werden. Minister Hermann sieht diese Pläne mit Skepsis.

Fernzüge wie dieser ICE fahren bei Untertürkheim durch das Neckartal. Künftig sollen sie dort abgestellt werden. Zum neuen Tiefbahnhof geht es unterirdisch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Fernzüge wie dieser ICE fahren bei Untertürkheim durch das Neckartal. Künftig sollen sie dort abgestellt werden. Zum neuen Tiefbahnhof geht es unterirdisch.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Bahn überarbeitet ihre Planungen im Zuge des Projekts Stuttgart 21 für den Abstellbahnhof Untertürkheim. Die sowohl in der Zuführung als auch in der Ausstattung geänderten Pläne sollen die Kosten verringern. Es ist von Einsparungen zwischen 130 und 150 Millionen Euro die Rede. Wie viel der Abstellbahnhof kostet, sagt die Bahn nicht. Vor Jahren war insgesamt von mehr als 500 Millionen Euro die Rede. Offenbar will die Bahn künftig einige Fernzüge auch in den bestehenden kleineren Bahnhöfen in Münster und in Obertürkheim abstellen.

Allerdings gibt es Zweifel, ob die Bahn mit dem „optimierten Betriebskonzept“, so der Bahn-Vorstand Volker Kefer, die Züge in gleicher Qualität verkehren lassen kann. „Wir haben erhebliche Bedenken“, sagte der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nach der jüngsten Lenkungskreissitzung, „wir wollen auf keinen Fall, dass die Leistungsfähigkeit reduziert wird.“

Nach diesem ersten Schlagabtausch auf der Lenkungskreissitzung über die geänderten Planungen erklärte der S-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich, dass „die Bahn hierzu derzeit in Abstimmung mit den Projektpartnern“ sei. Das betreffe vor allem die betriebliche Simulation der künftigen Zu- und Abfahrten auf dem Abstellbahnhof. „Die modifizierte Planung sieht gegenüber der Planung aus dem Jahr 2009 eine geänderte Zuführung zum Abstellbahnhof vor“, erklärte Dietrich schriftlich auf eine Anfrage der Stuttgarter Zeitung, „der Abstellbahnhof soll dabei über die gleichen Parameter verfügen.“ Durch den Wegfall von zwei Überwerfungsbauwerken sehe die Bahn aber die Möglichkeit, „Kostenvorteile zu realisieren“. Überwerfungsbauwerke sind dazu da, sich überschneidende Gleise auf unterschiedlichen Ebenen über eine Kreuzungsstelle zu führen – in Form von Brücken oder Unterführungen.

Bahn geht von 8856 Meter Abstellgleisen aus

Im Betriebskonzept könnte es zu Problemen kommen, weil Züge, die den Abstellbahnhof nutzen, auf den unterirdischen Schienenstrang geleitet werden müssen, der vom Hauptbahnhof ins Neckartal führt und bei Obertürkheim auf die bestehende Trasse schwenkt. Zudem kann die Abstellanlage nicht von allen Gleisen des neuen Tiefbahnhofs erreicht werden. In Stuttgart anfahrende oder endende Züge können in dem Durchgangsbahnhof nicht mehr bereitgestellt werden wie im bestehenden Kopfbahnhof, sondern müssen in die Zugabfolge auf den einzelnen Bahnsteigen ein- und ausgefädelt werden.

Zieht man die Unterlagen des Lenkungskreises zurate, sollen gegenüber der Ursprungsplanung nicht nur zwei Überwerfungsbauwerke wegfallen. Die Punkte „Komplettumbau des alten Güterbahnhofs“ und „Technischer Servicepunkt“ tauchen nicht mehr auf. Statt zwei ist noch eine Innenreinigungsanlage vorgesehen. Auf eine Tankstelle wird verzichtet, eine Werkstatthalle ist neu aufgeführt. Neu ist auch, dass die „vorhandene Infrastruktur in Münster und Obertürkheim“ für das Abstellen genutzt werden soll. Nun geht die Bahn von 8856 Metern an Abstellgleisen aus, in den auf Untertürkheim konzentrierten Planungen waren es 7429 Meter.

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35 KommentareKommentar schreiben

Wo die DBahn definitiv NICHT spat - : an der Verspätung - den die ist "Zwischen 2004 und 2013 seien die "Verspätungsminuten" hier um 30 Prozent angestiegen" - Man gönnt sich ja sonst nichts.

130 bis 150 Mio. sparen: Geplant waren 500 Mio. ich Wette dass dieser Abstellbahnhof mindestens 1 Milliarde kostet!!!

Sparen bei der DB-AG: Hiermit lade ich zu einem fotografischen Spaziergang zwischen Bad Cannstatt und Obertürkheim direkt an der Bahntrasse ein. In der vegetatsionsarmen Zeit werden Sie staunen wo die Bahn bisher gespart hat. Man sieht es ja sonst nicht oder fährt darüber weg.

was für ein Schwachsinn: Ein Blick auf die Karte genügt, um festzustellen, dass das Abstellen von Zügen in Stuttgart Münster absoluter Schwachsinn ist. Dr. Volker Kefer kennt wohl nicht mal die Infrastrutkur, für die er verantwortlich ist. Um zum Hauptbahnhof zu gelangen müssen die Züge nämlich erstmal über den Viadukt nach Untertürkheim fahren, um dort wenden zu können. Erst dann können diese zum Hbf fahren. Was war noch gleich die Argumentation der Pro-Schreiber, wieso ein Kopfbahnhof veraltet wäre? Diese Murkslösung wäre dann quasi ein Abstellkopfbahnhof Untertürkheim... und der soll nun plötzlich ganz toll und leistungsfähig sein? Meine Güte, es wird ja immer absurder, dieses Quatschprojekt.

Das kann man machen.: Weil der Kopfbahnhof S betriebsbedingt auch nach der Inbetriebnahme von S21 bestehen bleiben muss und damit die DB-Infrastruktur in S durch S21 insgesamt erweitert wird, ist eine durch S21 geplante Rationalisierungsmaßnahme im Abstellbahnhof Untertürkheim hinnehmbar.

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