Abtreibungsklinik Stapf in Stuttgart Gegner-Demo vor dem Rathaus stößt auf Gegenwehr

Von SIR/dpa 

Die größte Abtreibungsklinik im Südwesten sucht eine neue Bleibe. Dabei wird sie von der Stadt Stuttgart unterstützt. Radikale Abtreibungsgegner machen Stimmung gegen die Einrichtung. Bei einer Demo vor dem Rathaus stießen sie jetzt auf laute Gegenwehr.

Die Abtreibungsklinik Stapf zieht innerhalb von Stuttgart um. Das ruft etliche Abtreibungsgegner auf den Plan, die ihren Unmut auf der Straße kundtun. Die Stadt zeigt sich davon unbeeindruckt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 13 Bilder
Die Abtreibungsklinik Stapf zieht innerhalb von Stuttgart um. Das ruft etliche Abtreibungsgegner auf den Plan, die ihren Unmut auf der Straße kundtun. Die Stadt zeigt sich davon unbeeindruckt.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die einen demonstrieren für das Lebensrecht des ungeborenen Kindes, die anderen für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung - Abtreibungsgegner kamen am Freitag vor dem Stuttgarter Rathaus zu Protesten gegen die wohl größte Abtreibungsklinik im Südwesten zusammen. Linke Gruppierungen reagierten mit eine Gegendemonstration. Die Polizei hielt beide Seiten auf Abstand. Unter den Abtreibungsgegnern waren auch Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) und der CDU. Zeitweise kamen auf knapp 100 Abtreibungsgegner rund 30 junge Gegendemonstranten, die pfiffen und johlten.

Hintergrund des Protests der Abtreibungsgegner ist ein geplanter Umzug der Stuttgarter Klinik Stapf, die bis Ende Februar ihre Räume verlassen muss. Klinikgründer Friedrich Stapf hat einen potenziellen neuen Vermieter gefunden, die Stadt muss eine Nutzung des Hauses als Klinik genehmigen. Diese nimmt nach eigenen Angaben 2200 Abtreibungen im Jahr vor, dies wäre rund jeder fünfte Abbruch im Land. Die Klinik gibt es in der Landeshauptstadt seit rund 20 Jahren.

„Diese Kinder haben ein Lebensrecht und der Gesetzgeber ist dazu da, dieses Lebensrecht zu schützen“, sagte der Landesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben, Josef Dichgans. Die CDL ist eine Unterorganisation der CDU. Auch der Pforzheimer Kreis, ein informeller Zusammenschluss von Christen in der AfD, will den Umzug der Klinik in neue Räume verhindern. Die linken Gruppierungen, darunter das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region sowie die Grüne Jugend, skandierten „Kein Recht auf rechte Propaganda“. Sie kritisierten die Abtreibungsgegner auch wegen Holocaust-Vergleichen im Internet.

Wölfle zeigt sich unbeeindruckt vom Protest

Die Abtreibungsgegner richten sich in E-Mails und im Internet gegen den bekannten Klinikgründer Stapf und die Stadtverwaltung. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien will Anfang Dezember entscheiden, ob sie gegen eine Internetseite von Abtreibungsgegnern vorgeht.

Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) zeigte sich am Freitag vom Protest unbeeindruckt: „Wir als Stadt wollen, dass Frauen, die dieses Angebot brauchen, das auch in Stuttgart vorfinden.“ Wölfle erhält pro Tag bis zu 15 E-Mails von Abtreibungsgegnern. Auch seine Mitarbeiter und Stadträte werden angeschrieben. Allerdings betont Wölfle, dass letztlich lediglich die Verwaltung darüber entscheidet, ob die baulichen Voraussetzungen für die Klinik vorliegen.

In der Landeshauptstadt gab es bisher nach Angaben der Stadt und von Stapf keine größeren Demonstrationen gegen die Klinik. „In Stuttgart stand nie jemand vor der Tür“, sagte Stapf - im Gegensatz zu seiner Klinik in München. Dort ist Stapf juristisch gegen die Demonstranten vorgegangen.

Nach eigenen Angaben hat sich der Mediziner dabei auch erfolgreich gegen den Betreiber einer Webseite gewehrt. Dieser Mann steht nun wieder im Fokus der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Dies sagte die Leiterin der Bundesprüfstelle, Elke Monssen-Engberding, am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“. Am 4. Dezember will die Einrichtung entscheiden, ob sie gegen die Webseite vorgeht. Bereits vor Jahren hatte die Behörde ein Internetangebot des Mannes auf den Index gesetzt.

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5 KommentareKommentar schreiben

Abtr.Klinik Stapf - Demo: Warum berichten Sie derart tendenziös? Ich war auch dort und habe keinen einzigen "radikalen" Abtreibungsgegner gehört und gesehen, wohl aber radikalisierte junge Menschen. Ihre Berichterstattung wird der Demo nicht gerecht - das ist höchst undemokratisch. Schade, die Stuttgarter Zeitung wird durch solches Verhalten Leser verlieren. Was ICH jedenfalls mitbekommen habe: bei Herrn Stapf handelt es sich nicht um einen Fachmediziner, er hat bei der Abtreibung seines eigenen Kindes einen Ohnmachtsanfall erlitten, mir als Mitarbeitern eines Psychiaters erklärt das Stapfs Verhalten. Es stimmt doch auch gar nicht, dass "die Stadt" Stuttgart Herrn Stapfs Pläne stützt, das tut lediglich der Gründe Wölfe und da kann ich als Frau nur anmerken: man merkt die Absicht und ist verstimmt. Sofie Rebholz

Meine ganz persönliche Meinung: Um für das "Recht auf Leben" zu demonstrieren, muss man keiner Partei angehören. Wenn Menschen friedlich auf einen gravierenden Mißstand hinweisen, verdienen sie meinen Respekt. Soweit ich es beobachten konnte, verhielten sich die Demonstranten, von den Gegnern abgesehen, korrekt. In unserem GG. Art. 2, ist zu lesen: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit." Das gilt auch für das ungeborene Lebenund ich finde es gut, dassdie Stutgarter Zeitung darüber berichtet hat. Freundliche Grüße von Johanna Baier

@Kopp Nur weil jemand, Abtreibungen ablehnt, steht er noch lange nicht "ganz rechts außen". Das ist noch eine durch nichts zu rechtfertigende Pauschal-Verurteilung von Menschen! Was soll ihr Kommentar denn eigentlich.

Eine Frage der Relevanz! Muss man in Stuttgart auch noch über Kleinstdemos berichten? In anderen deutschen Regionalzeitungen wäre das vermutlich nicht einmal eine Meldung wert. In Stuttgart wird daraus ein Großereignis.

AfD. Jetzt sollte jeder wissen, wo diese vermeintlichen Weltenretter stehen. Ganz, ganz rechts außen. Vielleicht sollten sich die Medien noch kritischer mit dieser Partei auseinandersetzen.

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