Nowosibirsk - Frühlingsgefühle sind nicht nur gut für die Stimmung, sondern auch für die Gesundheit. Bei Mäusemännchen jedenfalls. Der verführerische Duft eines Weibchens versetzt die Nager-Romeos in Paarungslaune und kurbelt zudem ihr Immunsystem an – mit messbaren Folgen: Die so angetörnten Tiere sind weniger anfällig für Grippeinfektionen, berichten russische Forscher im Fachjournal "Plos One".
Wie eine Zeitungsseite voller Kontaktanzeigen
Das Team um Ekaterina Litvinova vom Institut für Systematik und Ökologie der Tiere der Russischen Akademie der Wissenschaften in Nowosibirsk hatte Gruppen von Mäusemännchen zunächst für ein paar Wochen ohne jeden Kontakt zum anderen Geschlecht gehalten. Etwa die Hälfte der Tiere blieb zu Kontrollzwecken auch während des restlichen Versuchs isoliert.
Den anderen aber streuten die Forscher Sägespäne in den Käfig, die zuvor einer Gruppe von Weibchen als Nestmaterial gedient hatten. Für männliche Nager entspricht das in etwa einer Zeitungsseite voller Kontaktanzeigen. Der Geruch von Kot und Urin verrät ihnen genau, welche Artgenossinnen gerade paarungsbereit sind. Entsprechend eifrig kontrollieren sie solche Spuren.
Und sobald ihnen der richtige Duft in die Nase steigt, machen sie sich unverzüglich auf die Suche nach der Urheberin. Dieses Verhalten ist indes nicht ohne Risiko. Denn in Kot und Urin kann ein Heer von Bakterien, Viren und Würmern lauern. Wer da seine Nase hineinsteckt, fängt sich leicht eine Infektion ein. Weitere Gefahren drohen, wenn das Männchen eine mögliche Partnerin gefunden hat. Denn dann wird sie erst einmal ausgiebig an Nase und Genitalien beschnüffelt. Auch dabei können Krankheitserreger in die Atemwege gelangen.
Weiblicher Duft macht Mäuseriche stärker
Doch die Mäusemännchen haben offenbar ein wirksames Rezept dagegen entwickelt. Die entscheidende Rolle scheint dabei der lockende Geruch des anderen Geschlechts zu spielen. Als die Forscher ihre Versuchstiere mit Grippeviren konfrontierten, waren die Folgen jedenfalls sehr unterschiedlich. Mäuseriche mit weiblichen Sexsignalen in der Nase erwiesen sich als deutlich robuster als ihre nur von männlichen Dünsten umgebenen Geschlechtsgenossen. Sie verloren weniger stark an Gewicht und starben viel seltener an der Krankheit.