| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 11. Februar 2012
Kultur regional
Artikel weiterempfehlen

Adam-Green-Konzert Wer sich müht, wirkt oft bemüht

Ulrich Bauer, vom 03.09.2010 16:15 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa
Stuttgart - Dass Felice Bauer seine Uroma und er somit eine Art Urenkel von Franz Kafka ist, scheint gerade beim Bildungsbürgertum in Deutschland gut anzukommen. Hier wird Adam Green ja als König der Verse und das Großtalent gesungener Lyrik gepriesen, was freilich auch der Verständlichkeit seiner Verse geschuldet sein mag. Den etwas schrulligen Humor des New Yorker Struwwelpeters zu verstehen, dafür mögen schon die Englischkenntnisse eines durchschnittlichen Abiturienten ausreichen: ein Bonus, der die Freunde des offensichtlich Subversiven und Subtilen wohl einen kann. Beliebt ist auch sein Song "No Legs" vom Debütalbum, in dem er den Geschlechtsverkehr mit beinlosen Damen preist: Das ist exzentrisch, das ist stark, das ist ja fast wie Kafka, so heißt es gerne.

Jetzt will er aber mal etwas anderes machen und nicht immer nur den Star des sogenannten Anti-Folk geben, der dem alten Folk mit leicht verändertem Instrumentarium und anderem Habitus einen Anti-Anspruch geben will. Jetzt, nach fünf Soloalben und einer achtjährigen Solokarriere beim Auftritt im Theaterhaus, will er unbedingt den Rockstar spielen. Seine vierköpfige Band versucht, vor dreihundert Besuchern so richtig stadionmäßig reinzuhauen, wozu er selbst etwas tollpatschig auf der Bühne einherspringt und im Bariton singt. Ja ja, er hat viel vom legendären Scott Walker gehört und mag sich von dessen warmem Bariton beeinflusst fühlen. Aber den halbgaren Zappelphilipp hat Walker auf der Bühne nie gegeben.

Eine Parodie oder Persiflage?


Greens Bariton ist zeitweise ja durchaus schön, ermüdet aber bald mit den immergleichen Phrasierungen, wozu die Band auf gehobenem Gymnasiastenniveau rumpelt: Die Akustikgitarre als eines seiner Anti-Folk-Markenzeichen hat er gleich ganz beiseitegelassen. Sie findet nur bei drei Unplugged-Songs im Mittelteil Verwendung.

Seine Verse mögen von den haltlosen Außenseitern und den Absurditäten des Lebens handeln, seine angetäuschten Gutenacht- und Kinderlieder mögen gelegentlich auch den Charme der Dekonstruktion ausstrahlen: allein der Künstler scheint eher das Dilettantische und Lächerliche in seine Darbietung mit eingebaut zu haben. Das ist nett, das ist sympathisch. Gegen Ende des 75-minütigen Auftritt geht der ehrgeizige Heißsporn auch noch aus sich heraus und lässt sich so richtig stagedivingmäßig vom Publikum auf Händen tragen. Was ist das denn? Eine Parodie oder Persiflage? Eine uneingestandene Sehnsucht? Oder eine aufgeladene Kunstbemühung?
Weitere Artikel
Kommentare (1)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
SEP
05
16:16 Uhr, geschrieben von Mic
Rockstar-Versuch?!
Wer den Auftritt Greens in die Kategorie Möchtegern-Rockstar steckt hat Greens Wesen und die Art seiner Auftritte nicht verstanden. Des Weiteren hatte ich auch von der Band nicht den Eindruck, dass diese versuchen stadionmaessig zu spielen sondern eher New Yorker Understatement an den Tag legen. Der Vergleich mit Scott Walker lahmt zusätzlich...
 
Anzeige
 

Sie suchen ein neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement