Adam Green wieder zu Gast in Stuttgart
Das beste Gefühl des Lebens
Jan Ulrich Welke,
30.08.2010 15:03 Uhr
Foto: dpa
""Ich bin glücklich mit meiner Musik. Ihr Einfluss ist mir nicht wichtig.""
Adam Green über die Bedeutung seiner Songs
Adam Green, wo erwischen wir Sie?
In Amsterdam. Wir sind auf Tournee und haben gerade ein paar Tage Pause. Also haben ich und die Band entschieden, sie in Amsterdam zu verbringen.
Und nun sitzen Sie den ganzen Tag in Coffeeshops?
Ja, genau. (lacht)
Macht es Ihnen Spaß auf, Tour zu sein?
Es gehört dazu. Du machst Alben und gehst auf Tour. Es ist eine symbiotische Beziehung, eine Hand füttert die andere. Live zu spielen gibt mir ein Gefühl, das ich nirgendwo sonst in meinem Leben bekomme. Du sitzt am Abend da, nimmst ein paar Drinks, bereitest dich auf die Show vor - es ist, als würde sich etwas in mir wandeln. Es unterscheidet sich sehr von dem Gefühl, das ich habe, wenn ich morgens aufwache.
Ihr aktuelles Album "Minor Love" ist wieder einmal nicht mehr als eine halbe Stunde lang. Warum sind Ihre Alben häufig so knapp gehalten?
Nun, wer sitzt da und hört sich ganze Alben komplett an? Ich selbst mag es, nur bestimmte Songs zu hören. Und meine Alben haben eine Menge Songs, aus denen man auswählen kann. Außerdem bringe ich ja viele heraus. Schauen Sie sich zudem mein vorletztes Album "Sixes & Sevens" an: da sind zwanzig Songs drauf. Kurz war das Album also nicht. Sogar meine Plattenfirma war wenig erfreut, dass so viele Stücke darauf sind. Wenn jemand natürlich Fan der Musik eines bestimmten Künstlers ist, kann er nicht genug bekommen. Denen kannst du ein Doppelalbum mit vierzig Songs vorlegen, und sie sind zufrieden. Aber mal ehrlich: so lange Alben sind selbst für die zu viel, sie hören die nie am Stück bis zum Ende. Insofern macht es Spaß, ein Album von nur dreißig Minuten Länge zu machen - in der Hoffnung, dass die Menschen es so wenigstens komplett hören.
Das heißt, Sie glauben auch nicht, dass es auf Alben so etwas wie ein Konzept gibt?
Natürlich dürfen Alben ein Konzept haben. Und gewiss ist es auch schön, wenn ein Album eine gewisse Stringenz ausstrahlt. Aber gute Songs sind auf einem Album wichtiger als eine durchgängige Linie.
"Minor Love", Ihr aktuelles Album, hat es nach seinem Erscheinen in die deutschen Top-100-Charts geschafft. Exakt zwei Wochen blieb es dort. Ist das für sie ein Triumph oder eine Niederlage?
Ach, wissen Sie, für die Leute vom Plattenlabel mag das interessant sein. Umgekehrt hätte ich niemals erwartet, dass "Gemstones" (Anm. d. Red.: Greens kommerziell bisher erfolgreichstes Album) mit Goldenen Schallplatten augezeichnet werden würde. Du kannst dir wirklich nicht aussuchen, wer deine Musik hört. Ich bin glücklich mit meiner Musik, und ich maße es mir nicht an zu beurteilen, was welche Leute unter Erfolg verstehen. Aber wenn ich mal tot bin, kann jeder jeden Song, den ich geschrieben habe, nehmen und analysieren, feststellen, dass die einen populär und die anderen Schrott waren und dann ein Urteil über meinen Einfluss fällen.
In einer Woche kommen Sie nach Stuttgart. Können Sie sich noch an das letzte Mal erinnern, als Sie hier in der Gegend waren?
Ja, ich war vor einem Jahr in Tübingen. Wir haben die Musik zur Bühnenfassung von Paul Austers "Timbuktu" geschrieben.
Genau. War das eine gute Erfahrung?
In gewisser Weise schon. Ich hatte noch nie Instrumentalstücke geschrieben, aber es lief dann wie selbstverständlich für mich. Ich würde es gewiss auch noch mal machen, wenn mir jemand einen Grund dazu gäbe. Aber ich denke, es gibt gar keinen Grund für Instrumentalstücke, weil es keine Nachfrage gibt...
...aber es gibt doch sogar einige sehr gute Instrumentalbands, Mogwai zum Beispiel.
Das ist richtig. Es macht mich vielleicht einfach ein bisschen nervös, mich in diesem Dunstkreis zu bewegen. Vielleicht bin ich auch nur deshalb verunsichert, weil ich zweifle, ob die Menschen Instrumentalmusik im gleichen Maße zuhören wie Songs mit Gesang.
Als Sie vor acht Jahren das erste Mal bei uns in der Region auftraten, waren Sie mit Ihrer tollen Band Moldy Peaches hier. Wie steht es um die Gruppe?
Nun...(zögert lange)...Wir machen eine Pause - seit acht Jahren. Es gibt keine Wiedervereinigungspläne.
Die Moldy-Peaches-Mitgründerin Kimya Dawson sagte jüngst "wir sind inaktiv, aber nicht tot".
Eine Chance gibt's immer.
Das letzte Mal sprachen wir miteinander vor Ihrem ersten Solokonzert hier in der Schorndorfer Manufaktur vor sieben Jahren. Fünfzig Zuschauer kamen damals...
...oh, das ist ganz schön lange her...
...ja, es hat sich eine Menge für Sie getan seither. Damals erzählten Sie, dass Sie von Ihrer Musik nicht leben können. Das dürfte sich geändert haben, oder?
Ja, das ist lustig, weil ich mir seinerzeit gar nicht viele Gedanken darüber gemacht habe. Ich habe es als eine Möglichkeit unter vielen betrachtet, mit Musik meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Voller Hoffnung war ich nicht und sicher erst recht nicht, ich wartete einfach auf den Beweis, dass ich nicht völlig verblendet war. Insofern war ich für die Erfahrung sehr dankbar, insbesondere in Deutschland zu erleben, dass ich für alle diese Ideen, die ich in meinem Kopf hatte, ein Feedback erhalte.
Konzert Adam Green tritt am Donnerstag, 2.September, im Stuttgarter Theaterhaus auf.
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ziehsohn
cooles Interview, cooler Typ. du gefällst mir.