Adis Edelmann Wo Fritten Edelmänner sind

Frank Armbruster, 20.08.2012 13:48 Uhr

Stuttgart - Schmeckt sauguad!“, entfuhr es spontan meinem siebenjährigen Co-Test­esser, als er die ersten Adis Edelmann-Pommes verspeist hatte, und seine Begeisterung kannte kaum noch Grenzen, als der Kellner auf die Bitte nach Ketchup einen Korb diverser Heinz-Saucen servierte. Man erlebt es ja häufig, dass sich auch gehobene Restaurants mit Kinderessen wenig Mühe geben, insofern ist die Bezeichnung „Gesalzene Edelmänner“ (3,80 Euro) für die handgeschnittenen, knusprig gebräunten und mit Meersalz gewürzten Fritten durchaus angemessen. Vor einem Jahr wurde das Adis Edelmann eröffnet, und bei unserem abendlichen Besuch ist sein großer, über 200 Plätze fassender Biergarten gut gefüllt. Man sitzt hier gemütlich zwischen Linden und Kastanien, die sauberen Holztische sind mit Kräutertöpfchen dekoriert, eine Relaxecke mit Liegestühlen lädt zum Abhängen ein. Das Restaurant selbst ist im Lounge-Stil gehalten, mit schwarzen Ledersesseln und orangefarbener Beleuchtung – ein schicker Laden, der auch der SKG Gablenberg als Vereinslokal dient.

Kein Biergarteneinerlei

Dass das Konzept des Lokals aufgeht, liegt aber vor allem daran, dass man hier einen überzeugenden Weg zwischen Bodenständigkeit und kulinarischem Anspruch gefunden hat, der den Ansprüchen des unterschiedlichen Publikums gerecht wird. Die Sommerkarte, so wurde uns erklärt, sei dabei schlichter als die außerhalb der Gartensaison, hebt sich aber trotzdem ab vom üblichen Biergarteneinerlei. Die Alb­leisa (4,10 Euro) sind leicht angeröstete Brote mit einer Curry-Linsen-Creme – nichts Spektakuläres, aber von ebenso tadelloser Produktqualität wie das mit frischen Tomaten und Parmesanspänen belegten Bruschetta (4,20 Euro). Auch Standardgerichten wie Maultaschen oder Wiener Schnitzel gewinnt man hier noch neue Facetten ab: Die Bezeichnung „Ta-Schen“ ist eine Anspielung auf die in Wan-Tan-Manier ausgebackenen, mit köstlichem Brät gefüllten Maultaschen, die den bunten Salat (9,80 Euro) trefflich zieren. Das Parmesanschnitzel mit Preiselbeeren (11,90 Euro) bringt eine italienische Note in den Klassiker aus Omas Küche.

Weinkarte könnte besser sein

Vegetariern sei die Auberginenlasagne (8,90 Euro) ans Herz gelegt, Fleischliebhabern der Zwiebelrostbraten (17,80): ein mürbes, saftiges Trumm von Rindfleisch auf einem leichten, mit Rotwein abgelöschtem Fond, dazu Rosmarinkartoffeln. Dass diese, einer weit verbreiteten Unsitte gemäß, ungeschält sind, lässt sich verschmerzen, zumal, wenn man danach noch an der Mangocrème im Gläsle (4,90 Euro) samt Schokoladeneis naschen darf. Der Service ist auf Zack, verbessern lässt sich dagegen die Weinkarte: nicht nur was die Deklaration, sondern auch was die Auswahl der Weine anbelangt, könnte eine Beratung von kompetenter Seite das Niveau des Adis Edelmann noch deutlich heben. Man will hier schließlich mehr sein als bloß ein gewöhnlicher Biergarten.

Küche: ****

Service: ****

Ambiente: ****

***** = herausragend

**** = überdurchschnittlich

*** = gut

** = Luft nach oben

* = viel zu verbessern