Krimikolumne

Adrian McKinty: Rain Dogs Der Erfolg zerbröselt wie ein Mürbgebäck

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Wer war der Mörder? Und warum? Adrian McKinty schickt seinen Superschnüffler Sean Duffy wieder in einen verzwickten Fall. Eine Rolle in den „Rain Dogs“ spielt auch eine ganz besonders üble Figur der jüngeren britischen Geschichte: der BBC-Moderator Jimmy Savile.

Laut Scotland Yard war Jimmy Savile „der schlimmste Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“. Entsprechend wenig schmeichelhaft ist denn auch die Nebenrolle, die Adrian McKinty ihm zugedacht hat. Foto:  
Laut Scotland Yard war Jimmy Savile „der schlimmste Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“. Entsprechend wenig schmeichelhaft ist denn auch die Nebenrolle, die Adrian McKinty ihm zugedacht hat. Foto:  

Stuttgart - Mit der Musik ist es bei Adrian McKinty so eine Sache. Einerseits spielt sie in seiner Sean-Duffy-Reihe eine mindestens so wichtige Nebenrolle wie die Joints, die der katholische Bulle reinzieht, und die Pints, mit denen er nachspült. Andererseits verursacht der Autor ab und an auch kognitive Dissonanzen, etwa wenn er beiläufig erzählt, sein Held, obwohl pianistisch nicht in Übung, könne mal so eben Franz Liszts „Campanella“ hinlegen. Das ist etwa so realistisch wie wenn ein Freizeitjogger einen 100-Meter-Lauf auf Landesebene schaffte.

Doch genug genörgelt. Denn auch in seinem jüngsten Fall Rain Dogs überzeugt der sture Bulle Duffy auch Leser, die mit den herkömmlichen Wer-war’s?-Und-warum-bloß-Krimis sonst nicht so viel am Hut haben. Den erstens ist der Fall - eine Journalistin liegt tot im Innern einer hermetisch verschlossenen Festung - so verzwickt, dass man einfach wissen möchte, was da passiert ist.

Zweitens spielt McKinty wieder sehr geschickt mit der Frage von Schuld und Sühne, mit dem Rechtsempfinden des Lesers, der den Täter zur Rechenschaft gezogen haben will. Und dann ist da noch die politisch-zeitgeschichtliche Komponente, in der es am Rande um den BBC-Moderator Jimmy Savile (1926-2011) geht, der laut Scotland Yard der „schlimmste Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“ war. Was freilich erst nach dem Tod des Mannes an die Öffentlichkeit kam. Zu Lebzeiten nämlich verkehrte er unter anderem mit Frau Thatcher – und wusste, diesen Kontakt zu seinem persönlichen Schutz weidlich auszunutzen.

Auch wenn Savile in diesem Fall nur eine Randfigur bleibt, geht es in den Rain Dogs um eine Sache, in der sich dieser DJ aufs Übelste hervortat: Vergewaltigung von Kindern. Aber die Tragik Duffys liegt darin, dass sein Fahndungserfolg zerbröselt wie ein Mürbgebäck, weil die andere Seite doch ganz andere Mittel und Wege als die des Rechtsstaates kennt und nutzt.

Immerhin: ein kleines Happyend hält McKinty dann doch noch bereit. Eines, mit dem nun wirklich nicht zu rechnen war.

Adrian McKinty: Rain Dogs, deutsch von Peter Torberg, Suhrkamp Taschenbuch, Klappenbroschur, 404 Seiten, 14,95 Euro, auch als E-Book