Ärzte-Pfusch Büroklammer bei OP vergessen

Von Jürgen Löhle 

Eine von Ärzten übersehene Büroklammer in ihrem Unterleib hat Christine Rapps Leben radikal verändert. Jetzt geht sie vor Gericht.

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Wangen - Wenn Christine Rapp beschreiben soll, wie es ihr gerade geht, braucht sie dazu nur fünf Worte. "Ich kann bald nicht mehr." Fünf Worte, die im Herbst 2011 doch nicht mehr sind als der Zwischenbericht eines neunjährigen gesundheitlichen und beruflichen Martyriums. Eine lange Leidenszeit, die eine damals gesunde, austrainierte Marathonläuferin, eine 49-jährige Mutter zweier Kinder und eine beruflich erfolgreiche Frau zu einer chronisch kranken und arbeitslosen Kämpferin in eigener Sache gemacht hat. Und bei all dem geht es um eine kleine Büroklammer.

Es ist der 15. September 2002, ein Sonntag, als Christine Rapp heftige Bauchschmerzen bekommt. Der ärztliche Notdienst vermutet eine Blinddarmentzündung und ruft den Rettungswagen, als die Patientin ohnmächtig wird. Die Sanitäter bringen sie in die Notaufnahme der Oberschwaben-Klinik in Wangen, wo ein Röntgenbild des Bauchraums gemacht wird. Auf der Aufnahme sind deutlich zwei weiße Linien zu erkennen - die Umrisse einer aufgebogenen Büroklammer.

Doch nichts passiert

Darum wird man sich aber erst knapp vier Monate später kümmern. Vier qualvolle Monate für die Patientin Rapp. Der diensthabende Arzt erkennt jedenfalls nichts, der Radiologe schaut sich das Bild erst drei Tage später an, schlägt aber wegen des Fremdkörpers keinen Alarm.

Christine Rapp bekommt an diesem 15.September zunächst einen Einlauf. Als sie sich danach noch schlechter fühlt, wird sie auf die Gynäkologie verlegt, der Auftakt einer medizinischen Odyssee mit etlichen Operationen, lebensbedrohlichen Zuständen und vielen weiteren Röntgenaufnahmen. Auf einer jeden ist der Fremdkörper deutlich zu sehen. In einem späteren Gutachten steht dazu, es sei "im klinischen Alltag nichts Ungewöhnliches, dass außen am Körper anliegende Fremdkörper auf Übersichtsaufnahmen mitabgebildet werden". Übersetzt: die Linien hätten auch ein Piercing sein können. "Danach hat mich überhaupt niemand gefragt", sagt Rapp, die kein Piercing trägt.