AfD-Politiker lehrt in Karlsruhe Wirbel an der Hochschule für Gestaltung

Von Stefan Jehle 

Der AfD-Politiker und Philosophie-Dozent Marc Jongen, ein Zögling des früheren Präsidenten Peter Sloterdijk, lehrt an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Das gefällt dort nicht allen – der Asta plant eine Vollversammlung.

Peter Sloterdijk (oben), der frühere Präsident der Hochschule für Gestaltung


, distanziert sich von AfD-Mitglied und Zögling Marc Jongen. Foto: dpa (2), Jehle
Peter Sloterdijk (oben), der frühere Präsident der Hochschule für Gestaltung , distanziert sich von AfD-Mitglied und Zögling Marc Jongen.Foto: dpa (2), Jehle

Karlsruhe - Bis vor kurzem hing am Ostportal der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) das Transparent „AfD & Kargida not welcome“. Denn Karlsruhe ist seit einem Jahr Ort von Aufmärschen der rechtsgerichteten Pegida-Ableger – und seit Wochen wird in der Stadt über den Philosophie-Dozenten Marc Jongen diskutiert, der auch Mitglied der AfD ist. Jongen arbeitet nach eigener Angabe an einer „philosophischen Grundlegung seiner Partei.“ Und besagtes Transparent wurde just an dem Tag aufgehängt, als der Philosoph Peter Sloterdijk zu seiner neuen Vorlesungsreihe „Geschichte des Denkens“ einlud. Das Transparent am Ostportal sollte Besucher offenbar auf den Zwiespalt an der HfG aufmerksam machen. Eine Gruppe von Professoren, alles Autoren der Schriftenreihe „HfG Forschung, bekundete im Dezember die enge Verbundenheit mit der HfG, forderte aber zugleich in einem Offenen Brief das Rektorat auf, zur Causa Jongen Stellung zu beziehen. Herausgeber der Schriftenreihe ist niemand anderes als Jongen, der 2003 bei seinem Doktorvater Peter Sloterdijk promoviert hatte.

Man wehre sich dagegen, „die neue Rechte salonfähig zu machen“, schrieben die Verfasser des Briefes. Explizit störten sich die Autoren, die teils selbst früher in Karlsruhe gelehrt hatten, daran, dass Jongen sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene bei der AfD in der Programmkommission mitarbeite. Und dass er dort auch „reaktionäre, fremden- und frauenfeindliche Positionen“ vertrete. Professoren der Hochschule meldeten sich zu Wort. So sagte der Kunstwissenschaftler Beat Wyss, Jongen lasse sich von der AfD „als akademisches Feigenblatt“ missbrauchen. Er mache mit dem Namen der HfG politische Werbung „für eine rechtsnationale Splitterpartei“. Wyss sagt, er sei für diese Äußerung „Denunziant“ geheißen worden, und zwar vom früheren Rektor Professor Peter Sloterdijk.

Ex-Präsident Sloterdijk spricht von „Hysterisierung“

Sloterdijk, der Ende Juli 2015 nach 14 Jahren an der Spitze der Hochschule öffentlich verabschiedet wurde, sagt derweil, der „Konfliktwert des Problems“ werde „überschätzt“. Der Rest sei „Hysterisierung, betrieben von ehemaligen Kollegen und Alumni des Hauses, die ihrer Alma Mater Schaden zufügen, unter dem Vorwand, solchen von ihr abzuwenden.“

Auch der kommissarische Rektor der HfG, Volker Albus, lässt mitteilen, in dieser Sache gebe es „nichts Neues zu sagen“. Die Tatsache, dass ein Mitarbeiter des Hauses Mitglied der AfD ist, sei dem Rektorat bekannt. Diese werde als verfassungskonforme Partei eingestuft. Im Übrigen sei „die Mitgliedschaft eine Privatangelegenheit.“

Jongen, der in der „FAZ“ jüngst die offen rassistisch anmutenden Thesen des Thüringer AfD-Mannes Höcke zum „Fortpflanzungsverhalten der Afrikaner“ verteidigte und ansonsten gerne einen „Avantgarde-Konservativismus“ propagiert, wurde jetzt zudem von einem Leserbriefschreiber verteidigt, der behauptete, Jongen sei „primär ein vollkommen unpolitischer Mensch.“ Der 47-Jährige hatte sich außerhalb Karlsruhes gerne mal als „ein Apostel“ von Peter Sloterdijk bezeichnet.

Jongens Anstellungsvertrag wurde bereits „entfristet“

Der frühere Rektor, der mit Marc Jongen bis 2013 gemeinsam Vorlesungen im Fachgebiet „Philosophie und Ästhetik“ abhielt, scheint der Nachfragen wegen seines einst engen Vertrauten inzwischen überdrüssig: „Mit dem AfD-Ideen-Müll habe ich nichts zu tun“, ließ er wissen. Er sähe es lieber, Jongen führte „seine seit langem überfällige“ Habilitationsschrift zu Ende, so der 68-Jährige.

Auch Sloterdijk sagt, Jongen sei „im Grunde ein völlig unpolitischer Mensch“. Auf Anfrage der „Stuttgarter Zeitung“ präzisiert der Philosoph sein Unbehagen, dass jede Nennung seines Namens in diesem Zusammenhang „auf Prominenz-Ausbeutung hinauslaufe.“ Er wolle „mit dergleichen nichts zu tun haben“, betont er. Was ihn, den einstigen Rektor und Chef von Marc Jongen, offenbar nicht hinderte, den Anstellungsvertrag des Akademischen Mitarbeiters der Hochschule zu „entfristen“.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Hochschule, bei dem der Fall Jongen ebenfalls kontrovers diskutiert wird, plant zu dem Thema eine Vollversammlung der Studierenden, doch ein Termin steht noch aus. Jongen selbst möchte sich zu den atmosphärischen Störungen an der HfG nicht äußern, er spricht von „anstehenden internen Gesprächen.“ Für Siegfried Zielinski, den neuen Rektor der Karlsruher Hochschule, der jetzt seinen Dienst angetreten hat, dürfte das keine einfache Gemengelage sein. Der 64-Jährige ist Professor für Medientheorie und wirkte bisher an der Universität der Künste in Berlin. Zumindest prädestiniert ihn sein Fachgebiet für Kommunikationsfragen.

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7 Kommentare Kommentar schreiben

Jongen/Sloterdijk: Grüße aus Leipzig, bei dem Geschrei auf den Straßen hier kann ich mir gut vorstellen, was für eine Rendite den Einzahlern auf ihre neue Zornsammelstelle vorschwebt. Zorn einzahlen und Rendite durch gesteigerte Selbstachtung durch erfolgreiche Projekte (Projektile?). Den homo teutonicus nicht de-kon-struieren wollen, zeigt, dass er, Herr Jongen, weiß, was er tut. Herr Sloterdijk täte gut daran, seinem Kollegen oder Freund (ich weiß es nicht, hoffe zweites) beiseite zu nehmen und ihm die Steinbrüche in der Provence zu zeigen. Sitzen, sehen und ein Selbstbewusstsein, das ohne Überheblichkeit auskommt und sich nicht von einem solchen wählen lässt... und einfach mal still sein (wollte erst: einfach mal Fresse halten schreiben), bzw. zwischen Innen und Außen, was wohl Grenze heißt, schweben. Viel glück in Karlsruhe ach ja, oh ja

Tja,: achtzig Jahre ist es her, da gab es schon einmal Bedenken gegen Menschen in lehrenden Funktionen. Die hatten auch - vermeintliche - persönliche oder politische Mängel aufzuweisen, weshalb dieser unser Staat - "unser" Staat? - sie, ganz peu à peu, aus dem Staatsdienst entfernt hat. Es täte mir wahnsinnig Leid, wenn die AfD es mit ihrer Weigerung, der Kaiserin zu den schicken neuen Klamotten zu gratulieren, so weit getrieben hätte, dass ihren im Staatsdienst beschäftigten Mitgliedern "politische Unzuverlässigkeit" unterstellt würde. Es ist schon komisch: anscheinend ist an den Warnungen, dass Deutschland aus den Ereignissen vor 80 Jahren nur bedingt schlau geworden ist, mehr dran, als ich bis vor kurzem noch für möglich gehalten hätte.

ich würde niemals afd wählen: also solange sie wo weit rechts und fremdenfeindlich agieren. aber die afd ist nicht verboten und somit darf ein hochschullehrer mitglied in der afd sein. wieviele mitglieder des asta unterstützen die antifa? muss man diese auch aus der hochschule entfernen? man sollte doch die kirche im dorf lassen.

Und jetzt?: Ein Mitarbeiter einer Hochschule ist also Mitglied der AfD - und jetzt? Was will man genau erreichen von Seiten des Asta und der anderen genannten Personen, die sich daran stören? Das Herr Jongen öffentlich Abbitte für die Abscheulichkeit leistet, Mitglied einer derzeit noch legitimen Partei zu sein? Oder möchte man ihn von seinem Posten entfernen - und damit einen AfD-Märtyrer par excellence aufbauen? Ich sehe schon die Schlagzeilen: Dozent wegen Mitgliedschaqft in der AfD entlassen! Da dies praktisch einem Berufsverbot gleich käme - denn wo würde er ales böser AfDler noch Arbeit bekommen - gleich ergänzt um 'Berufsverbot für AfD-Mitglieder!' Hysterisierung ist hier ein treffender Ausdruck!

Wie steht dieser Hochschul-Mitarbeiter zum Schießbefehl-Wunsch seiner Vorsitzenden? : Dass die AfD das Grundgesetz mehr und mehr negiert und die Überheblichkeit ihrer Funktionäre sogar surreale Rahmen sprengt, darf niemandem verborgen bleiben. Wenn ein Staatsdiener wie dieser Jongen unfähig ist, seine Habilitationsschrift anständig zu beende, dann darf er auch nicht auf Steuerzahlers Kosten in Karlsruhe schmarotzen.

So ein unsinniger: Beitrag. Wenn ein Minister wie Bonde nicht in der Lage ist, ein Studium erfolgreich abzuschließen, dann darf er auch nicht auf Steuerzahlers Kosten in Stuttgart schmarotzen. Und außer Bonde fallen mir aus dem links grünen Lager noch ein paar mehr Schmarotzer ein.

Grundgesetz?: Vielleicht sollte sich der ASTA in Karlsruhe mal überlegen, dass nicht nur das Recht auf Asyl im GG steht.

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