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Aichwald Genugtuung über O2-Rückzug

Wolfgang Berger, vom 24.08.2011 09:00 Uhr
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Der Mobilfunkbetreiber O2 hat angekündigt, seinen Mast wieder abzubauen.  Foto: Steinert
Der Mobilfunkbetreiber O2 hat angekündigt, seinen Mast wieder abzubauen. Foto: Steinert

Aichwald - Wegen der guten Nachricht tritt Nicolas Fink erst recht entspannt seinen Urlaub an. "Ich bin froh, dass unser gemeinsames Handeln belohnt wurde", sagte der Bürgermeister von Aichwald (Kreis Esslingen), nachdem der Mobilfunkbetreiber O2 angekündigt hatte, seinen Mast auf dem Gasthaus Löwen im Ortsteil Aichelberg wieder abzubauen. Einen Ersatzstandort werde es nicht geben, hieß es.

Der angekündigte Abbau bis zum Jahresende ist zumindest ungewöhnlich. Gerhard Mauch vom Städtetag ist jedenfalls kein weiterer solcher Fall bekannt. Seit sich im Jahr 2002 die großen Mobilfunkanbieter freiwillig verpflichtet hätten, ihre Standortentscheidungen eng mit den Kommunen abzustimmen, gebe es kaum noch Konfliktpotenzial bei dem Thema Mobilfunk. Ausschließen, dass früher in anderen Städten und Gemeinden Antennen nach Protesten wieder abmontiert worden sind, kann Mauch aber nicht. Auch ein Sprecher des Landesumweltministeriums weiß nicht, ob der Vorgang auf dem Schurwald einmalig ist oder es ähnliche Fälle gab.

O2 hatte im vergangenen September die Anlage gegen den Willen der Gemeinde installiert. Dafür brauchte der Mobilfunkbetreiber keine baurechtliche Genehmigung, da die Antenne nicht höher als zehn Meter ist. Größere Anlagen hingegen sind genehmigungspflichtig. Nach der Installation der Antenne nahe der Grundschule, der Ganztagesbetreuung und des Kindergartens formierte sich eine Bürgerinitiative. Immer montags setzte sich in Aichelberg fortan ein Demonstrationszug in Marsch.

"Unser Protest hat sich gelohnt"

Der Initiativensprecher Reinhard Bescherer führt den Rückzug der Firma O2 auf diesen Widerstand zurück. "Unser engagierter Protest hat sich gelohnt. Das partnerschaftliche und gute Miteinander von Bürgerinitiative, Bürgermeister und Gemeinderat war beispielhaft", meint er. Fink sieht es ähnlich: "Ich glaube, O2 hat den langen Atem der Aichwalder unterschätzt." Hinzu komme, dass der Betreiber die von der Gemeinde vorgeschlagenen Alternativstandorte als nicht wirtschaftlich eingestuft habe.

Die Wirtschaftlichkeit nennt das Unternehmen selbst als ausschlaggebend für seine Entscheidung. "Leider genügten auch die geprüften Alternativstandorte nicht den hohen funktechnischen und wirtschaftlichen Anforderungen", erklärt O2. Die Gemeinde hatte dem Unternehmen mehrere Ausweichstandorte angeboten. Als möglicher Ersatz war unter anderem der Mast einer Hochspannungsleitung am Ortsrand im Gespräch gewesen. Um O2 auf die Sprünge zu helfen, hatte das Rathaus ein Büro beauftragt, um eine Mobilfunkkonzeption auszuarbeiten. Die Ergebnisse der rund 4000 Euro teuren Studie sei dann dem Konzern übermittelt worden, erklärt Fink. Die Anlage auf dem Strommast "wäre gegangen."

Auch in Aichelbergs Nachbargemeinde Baltmannsweiler hatte O2 Ärger: Die Firma hatte dort im Jahr 2009 ebenfalls mitten im Ort einen Mast aufstellen wollen. Wegen heftiger Proteste und des Einspruchs des Bürgermeisters wurde die Antenne außerhalb des Ortes errichtet.

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Kommentare (16)
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JAN
14
11:09 Uhr, geschrieben von Mett
Gibt einen ähnlichen Fall
Anfang 2000 gab es in Steinenbronn den Fall, dass D1 eine Anlage auf der Volksbank installiert hat. Nach massiven Protesten wurde die Anlage durch die Volksbank wieder demontiert. @Tom: Ja, und wenn dann für Antennen auf dem Dach eine Genehmigung eingeholt werden muss wünsche ich dir viel Spaß dabei, eine Satelittenschüssel auf deinem Dach zu installieren.
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AUG
26
00:29 Uhr, geschrieben von Yo
Telefonieren ohne Handy
Vergessen wird bei vielen Kommentaren, dass in Aichelberg-oh Wunder- mit einem Festnetzanschluss telefoniert werden kann und das sogar mit einem kabelgebundenen Telefon und nicht mit einem DECT-Telefon. Somit wird man auch keiner Strahlung ausgesetzt. Wahrscheinlich weiß so mancher nicht mehr, dass es so etwas überhaupt noch gibt!
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AUG
25
18:07 Uhr, geschrieben von Bimaner
Klimaverbesserung
Es ist erfreulich, wie sehr dieses Thema immer wieder zur Diskussion anregt. Ich möchte die Aufmerksamkeit hier aber auf paar ganz andere Punkte legen, denn die Beiträge, die ich 'mal vereinfacht 'pro-Mobilfunk' nenne, sind natürlich Stereotypen, die man immer zahlreich zu hören bekommt, sobald man in das Thema einsteigt. Sie zeugen i.d.R. nicht gerade von einer tiefergehenden Beschäftigung mit dem Thema - vielleicht aus Selbstschutzgründen oft charakteristisch für Menschen, die viel mobil telefonieren (müssen). Der ausführliche Kommentar von Gleiszähler weicht da ein bisschen davon ab. Es ist allerdings so, dass uns die technischen Zusammenhänge klar sind. Deswegen halte ich es auch für etwas unsinnig von einem Phyrrusieg zu reden, wenn eine effektive Dauer-Emission gesenkt werden konnte. Die im Kommentar genannten Punkte gelten ja nur dann, wenn das Mobil-Telefonieren über den speziellen Anbieter erfolgt, der nun in Aichelberg seinen zentralen Sendemast (übrigens aus eigener Entscheidung) abbaut und den wir wegen seines vorhergehenden Geschäft-Gebarens sowieso nicht empfehlen können. Davon unabhängig regelt ein Handy seine Leistung übrigens nach einem erfolgreichen Verbindungsaufbau wieder herunter (die Batterie soll ja lange halten). Zum Thema 'Belastung' sei darauf hingewiesen, falls noch nicht bekannt, dass die WHO das mobile Telefonieren inzwischen als ebenso gesundheitsgefährdend, wie etwa Blei oder Autoabgase, einstuft, sich also von Verstrahlungstheorie, was auch immer das sein soll, weit entfernt. Und wer genau hinschaut, erkennt, dass das Motto der Aichwalder BIMA 'für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mobilfunk' lautet und genau dieses verantwortliche Denken hat bei Vielen hier inzwischen über dieses Thema hinweg angefangen. Was ich aber für einen mindestens ebenso wichtigen Effekt des Ganzen halte, ist, dass sich das Gemeindeklima durch die Geschichte deutlich sichtbar verbessert hat. Eine Solidaraktion gegen einen zunächst rücksichtslos auftreten Mobilfunkkonzern, die nach einem knappen Jahr zu einem Erfolg führt - welches bessere Beispiel für die Möglichkeiten, die im bürgerlichen Engagement stecken, sollte es geben?
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