Aktionstag auf dem Schlossplatz in Stuttgart Frauenhäusern fehlt das Geld

Von Peter Buchholtz 

Unter dem Motto „Gewalt gegen Frauen beenden! Frauenhaus-Finanzierung bundesweit sichern!“ haben die Autonomen Frauenhäuser am Mittwoch einen Aktionstag auf dem Stuttgarter Schlossplatz organisiert.

16 Stühle für 16 Bundesländer. Keines erreicht die vom Europarat empfohlene Quote von einem Frauenhausplatz pro 7 500 Einwohnern. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
16 Stühle für 16 Bundesländer. Keines erreicht die vom Europarat empfohlene Quote von einem Frauenhausplatz pro 7 500 Einwohnern.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Unter dem Motto „Gewalt gegen Frauen beenden! Frauenhaus-Finanzierung bundesweit sichern!“ haben die Autonomen Frauenhäuser am Mittwoch einen Aktionstag auf dem Stuttgarter Schlossplatz organisiert.

Zu wenig Plätze in den Frauenhäusern

18 000 Frauen flüchten in Deutschland jährlich alleine oder mit ihren Kindern in ein Frauenhaus. Die Gründe dafür sind vielfältig: Drohungen und Misshandlungen durch Ehemänner, Lebenspartner und Väter machen eine Flucht für viele Frauen unausweichlich – Leib und Leben sind in Gefahr. „Mit dem Aktionstag wollen wir den Druck auf die Landesregierung erhöhen und fordern, den beschlossenen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen ernstzunehmen“, so Sylvia Haller vom Autonomen Frauenhaus in Heidelberg.

Eine Ausstellung und verschiedene Informationsstände wiesen auf die besonders problematische Situation in Baden-Württemberg hin. So gibt es im Südwesten eine Platzquote von 1:14 542, das heißt, für 14 542 Einwohner steht ein Platz in einem Frauenhaus zur Verfügung. In Schleswig-Holstein dagegen, dem einzigen Land mit einer landesgesetzlichen Regelung, kommen 8 926 Einwohner auf einen Frauenhausplatz. Die vom Europarat empfohlene Quote von einem Frauenhausplatz pro 7 500 Einwohnern wird in keinem Bundesland annähernd erreicht.

Im Ländle gibt es acht autonome Frauenhäuser

Weiter erschwere die sogenannte Tagessatzfinanzierung in Baden-Württemberg den Zugang zu Schutz und Unterstützung. „Die Frauen selbst müssen für ihre Unterbringung aufkommen. Wir fordern dagegen eine bundesgesetzliche oder landesgesetzliche Regelung und eine einzelfallunabhängige Finanzierung“, sagte Eva Risse von der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser. Studentinnen, Flüchtlingsfrauen und Frauen ohne Sozialleistungsanspruch wird der Zugang zu Hilfe durch die Tagessatzfinanzierung erheblich erschwert. Darauf machten die Organisatoren des Aktionstages auch mittels eines einstudierten Telefonats aufmerksam, das über Lautsprecher vorgetragen wurde. Hilfesuchende Frauen ohne finanzielle Mittel oder mit ungesichertem Aufenthaltsstatus mussten am Telefon abgewiesen werden. Im Arbeitsalltag der Mitarbeiter komme das oft genug so vor, erzählt Risse.

Derzeit gibt es in Baden-Württemberg acht autonome Frauenhäuser. Die Fördermittel des Landes für die Einrichtungen liegen bei 7 Cent pro Einwohner. Vor der Landtagswahl am 13. März wolle man nochmals auf die schwierige Lage bei der Frauenhaus-Finanzierung hinweisen. Schuld sei der „fehlende politische Wille“, so Risse. Ursprünglich habe man große Hoffnungen in die grün-rote Landesregierung gesetzt.

Der Bus der Autonomen Frauenhäuser tourt seit Mitte Februar durch Deutschland, um auf die Finanzierung von Frauenhäusern aufmerksam zu machen, die seit 40 Jahren ohne gesetzliche Grundlage ist.

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