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Politik
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Aktuelle Umfrage Im Südwesten bläst der Wind des Wechsels

Andreas Müller, vom 08.09.2010 18:44 Uhr
Winfried Kretschmann dürfte sich über die Umfragewerte freuen. Foto: dpa
Winfried Kretschmann dürfte sich über die Umfragewerte freuen. Foto: dpa
""Es gibt keinen Grund abzuheben. Wir bleiben auf dem Teppich.""
Silke Krebs, Grüne Landesvorsitzende

Stuttgart - In sieben Monaten kann sich verdammt viel ändern in der Politik. Vor sieben Monaten, im Februar dieses Jahres, war die landespolitische Welt für Stefan Mappus noch in bester Ordnung: In einer Umfrage von Stuttgarter Zeitung und Südwestrundfunk (SWR) kam seine CDU bei der Sonntagsfrage noch auf 43 Prozent; zusammen mit den elf Prozent für die FDP bedeutete das eine satte Mehrheit.

Nach dem geräuschlosen Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten schien die Dauerherrschaft der Schwarzen in Baden-Württemberg weiter gesichert. Auch mit seinen persönlichen Werten konnte der frischgebackene Premier hochzufrieden sein: Fast die Hälfte der Befragten erwartete, dass er den Job besser machen würde als sein Vorgänger Günther Oettinger. Kurzum: es herrschte eitel Sonnenschein für die CDU im Land.

Politische Großwetterlage ändert sich


Seither hat sich die Großwetterlage für sie kontinuierlich eingetrübt. Nun, sieben Monate später, hängen dicke schwarze Wolken über Mappus und den Seinen. Die jüngste Umfrage von StZ und SWR sieht einen Trend bestätigt, ja sogar verstärkt, der sich spätestens seit dem Sommer abzeichnet: Wäre jetzt Landtagswahl, dann hätten CDU (35 Prozent) und FDP (5 Prozent) keine Mehrheit mehr.

Die Liberalen müssten sogar um den Wiedereinzug ins Parlament bangen - eine Sorge, die sich im Südwesten seit mindestens anderthalb Jahrzehnten endgültig erledigt zu haben schien. SPD (21 Prozent) und Grüne (27 Prozent) hätten dagegen gemeinsam eine klare Mehrheit, selbst wenn die Linkspartei (5 Prozent) in den Landtag käme. Von einer rot-grünen Koalition könnte man bei diesen Kräfteverhältnissen allerdings nicht mehr sprechen: Es wäre ein grün-rotes Bündnis, den Ministerpräsidenten würde nach allen demokratischen Gepflogenheiten die stärkere Partei stellen, also die Grünen.

Ihr Spitzenkandidat Winfried Kretschmann kurz vor der Eroberung der Villa Reitzenstein - bei diesem Szenario hätten sich vor sieben Monaten noch alle landespolitischen Akteure(vermutlich einschließlich Kretschmann) an die Stirn getippt. Träumt mal schön, hätte noch einer der milderen Kommentare von Schwarz und Gelb an die Adresse von Rot und Grün gelautet.

Grüne erleben demoskopischen Boom


Doch inzwischen sind es die Regierungsparteien, die aus schönen Träumen aufschrecken. Eine einzelne Umfrage ließe sich ja noch ignorieren. Aber inzwischen sind es mehrere mit dem gleichen, sich verstärkenden Trend: In Erhebungen der Zeitschrift "Stern" (Anfang September) und der SPD (Ende Juli) lag die CDU bereits bei 37 Prozent, die SPD dümpelte bei 24 beziehungsweise 25 Prozent vor sich hin, die FDP zwischen 6 und 7 Prozent. Die Flughöhe der Grünen nahm derweil stetig zu: 20 Prozent, 24 Prozent, nun schon 27 Prozent - selten hat eine Partei einen solchen, zumindest demoskopischen Boom erlebt.

Ausgerechnet Stefan Mappus, bei dem anfangs alles so glatt lief, könnte nach fünf Jahrzehnten die CDU-Macht im Land verspielen. Aber es gibt für ihn auch tröstliche Zahlen. Bei den über 60-Jährigen schneidet seine Partei mit 52 Prozent noch ab wie in guten alten Zeiten. Das ist jene Altersklasse, die besonders eifrig wählen geht.

Bei jungen Wählern schneidet die CDU schlecht ab


Am schlechtesten kommt die CDU mit 25 Prozent bei den Jungen zwischen 25 und 34 Jahren weg. Mappus' persönliche Werte erscheinen einigermaßen passabel: Ein Prozent der Befragten ist mit seiner Arbeit sehr zufrieden, 36 Prozent sind immerhin zufrieden. Ihnen stehen 44 Prozent gegenüber, die weniger oder gar nicht zufrieden sind. In der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen sind es sogar 55 Prozent.

35 Prozent Zustimmung für die CDU, 37 Prozent für ihren Ministerpräsidenten - das erschwert zumindest die Lesart, schuld an der schlechten Stimmung sei vor allem die Performance der Berliner Koalition. In sieben Monaten Amtszeit hätte Mappus seine persönlichen Werte eigentlich ausbauen müssen - doch das Gegenteil scheint der Fall.

Vielleicht sind es einfach zu viele Themen, bei denen er sich gegen beachtliche Gruppen der Bevölkerung stellt: seine Vorreiterrolle im Kampf für die Kernkraft ("Atom-Mappus") wird offenbar ebenso wenig goutiert wie sein stures Nein zum Kauf von Steuerdaten - mit dem der Südwesten inzwischen selbst unter den schwarz-gelb regierten Ländern isoliert ist - oder das Festhalten an Stuttgart 21 (siehe gesonderter Bericht).

Kretschmann vertraut Umfragehoch nicht


Sein potenzieller Nachfolger Kretschmann scheint dem Umfragehoch indes weiterhin nicht so recht zu trauen. Der Fraktionschef überließ es den Landesvorsitzenden Silke Krebs und Chris Kühn, die Zahlen zu kommentieren. Es gebe keinen Grund zum Abheben, "wir bleiben auf dem Teppich", versprach Krebs. Ihr Kollege Kühn freute sich über die "schallende Ohrfeige" für die Landesregierung.

Der FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke, dessen Liberale weniger als ein Viertel der Grünen-Stimmen erhielten, machte sich Mut: Noch sei vielen Bürgern gar nicht bewusst, dass 2011 Landtagswahlen anstünden. Man habe daher noch "alle Chancen", die Stimmung zu wenden.

Sportlich nahm der SPD-Generalsekretär Peter Friedrich den Vorsprung der Grünen: Derzeit profitierten sie vom Thema Stuttgart 21, "das sei ihnen gegönnt". Aber bei der Landtagswahl gehe es um mehr. Im Wahlkampf werde man die Grünen nicht schonen, aber am gemeinsamen Ziel ließ Friedrich keine Zweifel: "Klar ist, dass wir das zusammen machen können."

So sehen alle Parteien der Wahl mit Spannung entgegen - die einen mit dem Wunsch, dass sich die Wechselstimmung verfestige, die anderen in der Hoffnung, dass sich verdammt viel ändern möge.

Die Ergebnisse der Sonntagsfrage als PDF. »

Details zur Zufriedenheit mit Mappus als PDF. »
Kommentare (16)
Kommentarregeln
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SEP
10
00:52 Uhr, geschrieben von jorgd38
Im Südwesten bläst der Wind des Wechsels
Die Stuttgarter Zeitung lügt, wenn sie schreibt, dass der FDP - Fraktionschef Rülke meint, vielen Bürgern sei noch gar nicht bewusst, dass 2011 Landtagswahlen anstünden. Das kann der Mann, sollte er wenigstens über halbwegs durchschnittliche Intelligenz verfügen, doch nie und nimmer gesagt haben, wo die Wahlen 2011 tagtäglich auf der Straße, im Radio, im Fernsehen und sogar in der Stuttgarter Zeitung thematisiert werden. Oder glaubt Herr Rülke ernstlich, alle Baden-Württemberger seien taub und blind? Dann ist er in der FDP ja richtig gut aufgehoben.
SEP
09
14:23 Uhr, geschrieben von Stuttgarter
Keine Grüne Welle
Ich bin Ausländer und darf daher nicht wählen gehen, aber aus welchem Grund sollte man die Grüne Fraktion denn überhaupt wählen? Aus Stuttgart braucht man nach München etwa 2 Stunden mit der Bahn; demnach gibt es keine zeitlichen Vorteile gegenüber dem Auto. S21 steht für die bessere Anbindung an das vorhandene deutsche und europäische Schienennetz. Es kann also davon ausgegangen werden, dass noch mehr Menschen in Zukunft die Bahn nutzen werden. Und außerdem gewinnt die Stadt Stuttgart eine riesige Parkfläche mitten in der City. Welche deutsche Großstadt kann das vorweisen? Wofür oder wogegen protestieren demnach die Grünen? Seit rund 15 Jahren hatten die Grünen die Möglichkeit, gegen das Projekt S21 vorzugehen. Erst jetzt, da einige potentiellen Wähler auf die Straße gehen, setzen sie sich an die Spitze der Proteste.
SEP
09
12:06 Uhr, geschrieben von Bürger-S21
Der grüne Hype vergeht...
Wölfle und seine Grünen haben das Projekt S21 als Feindbild entdeckt und aufgebaut,um endlich mal gegen die sehr erfolgreiche Politik der CDU/FDP hier im Lande einen Stich machen zu können. Nicht umsonst ist Baden-Württemberg seit Jahrzehnten das „Musterländle“ mit dem höchsten Lebensstandart, Einkommen, der geringsten Verbrechensrate, usw. Nicht umsonst zahlen wir neben Bayern mit am meisten in den Länderfinanzausgleich, an den Bund und damit auch an die EU. Wölfle, Stocker & Co. treiben hier aus persönlichem und politischem Kalkül einen tiefen Graben durch die Bevölkerung und verunsichern damit viele Bürger in Bezug auf ihre Zukunft und die ihrer Stadt. Auf der K21-Homepage wird mit Zahlen und Meinungen operiert, die bestenfalls persönliche Meinungen sein können und durch keinerlei Fakten unterlegt sind, aber als blanke Tatsachen dargestellt und bewertet werden. Die für das Projekt S21 Verantwortlichen werden als Lügner und Betrüger mit unlauteren Motiven dargestellt, als Mafia, Maultaschen-Connection, usw. defamiert. Während auf der K21-Seite nur aufrechte Bürger und Politiker sind, die dem verbrecherischen Treiben der S21-Macher mutig und mit zivilem Ungehorsam heldenhaft entgegen treten. Wer glaubt denn so einen Schwachsinn ? Als das Projekt vor 20 Jahren geplant wurde, waren die heute Verantwortlichen noch gar nicht im Amt. Warum sollten sie eine Entscheidung ihrer Vorgänger mittragen, wenn diese in allen Punkten so negativ für die Stadt und Bahn wäre, wie von den S21-Gegnern heute dargestellt ? Ach ja, die Kosten die hier immer aufgeführt werden. Wir haben über 100 Milliarden Steuergeld bei den Banken vergraben, mindestens nochmal so viel für Griechenland+Co. gegeben. Alles ohne den geringsten Gegenwert für die Bürger und Steuerzahler unseres Landes. Bei einem Infrastrukturprojekt jedoch, wo man für jeden Euro den Gegenwert in Stahl und Beton bekommt und alle Bürger für die nächsten 50-80 Jahre davon einen Nutzen haben, wird wegen ein paar Milliarden hin oder her nun das Ganze in Frage gestellt ? Außerdem sollte jedem klar sein, für S21 gibt es Geld von der Bahn, vom Bund und von der EU. Für K21 oder was auch immer gibts nichts ! Geld das sonst wo anders investiert wird, wir in B-W aber durch unsere Wirtschaftsleistung erbracht haben und uns via Länderfinanzausgleich wieder abgenommen worden ist. Deshalb Pro-S21 für die Stadt, die Region und das Land. Für Lebensraum statt Gleise, Arbeitsplätze und mehr Grünanlagen in der Stadt und eine moderne Verkehrsinfrastruktur bei Bahn, S-Bahn und SSB. Bitte baut S21 so schnell wie möglich. Oben Leben - Unten fahren !
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