Al Lahab Der schönste Hengst der Welt

Von Lisa Maria Hagen 

Vor einem Monat ist Al Lahab, der im Schwarzwald wohnt, am Persischen Golf zum schönsten Hengst der Welt gekürt worden.

Ein Wunderknabe: keiner ist so begehrt wie Al Lahab. Foto: Filsinger
Ein Wunderknabe: keiner ist so begehrt wie Al Lahab. Foto: Filsinger
Stuttgart - Seine Schönheit ist Millionen wert. Der Körper ein silberner Himmel, auf dem wie Sterne braune Sprenkel funkeln. Er geht nicht, er schreitet. Er galoppiert nicht, er schwebt. Grazil, federnd, schwerelos. Al Lahab, die Flamme.

Scheichs und Prinzessinnen verfolgen in der Halle des Dubai World Trade Centers jeden Schritt des Vollblutaraber-Hengstes. Auf ein einziges Zeichen seines Trainers hin steht er perfekt: die kleinen Ohren aufgestellt, die Muskeln angespannt, den langen Hals anmutig gebogen. Seine Besitzer, Inge und Hansjürgen Friedmann, schwitzen auf der Tribüne. Al Lahab muss gewinnen, noch einmal, ein letztes Mal. Seinen gefährlichsten Konkurrenten, Banderos vom königlichen Gestüt Saudi-Arabiens, hat er wie 200 andere bereits hinter sich gelassen. Fünf der sechs Kampfrichter stimmen für ihn. Nur der Marokkaner nicht. Al Lahab, der einzige Europäer der Schau, verteidigt seinen Titel. Er ist der schönste Araberhengst der Welt.

Einen Monat später blühen auf dem Lunzenhof bei Zell im südlichen Schwarzwald die letzten Apfelbäume. Ein paar Wolken bauschen sich am Himmel. Von der Straße her hechelt und rüttelt die Holzfabrik. Die Pferdewirtin Verena Grüninger karrt den Mist zum Haufen. Der Rausch der Aufregung um Al Lahab weicht so langsam wieder dem Alltag auf dem Arabergestüt der Friedmanns. Nur die Extrabox des Weltchampions in der Mitte des Hofes zeugt vom Starstatus, den der elfjährige Araberhengst schon seit jeher hat.

"Die Leidenschaft für den Araber ist ein Virus"


Im Alter von zehn Monaten flog Al Lahab von Israel nach Deutschland. Im Stall des Trainers Frank Spönle sollte er ausgebildet werden. Dort entdeckten ihn Inge Friedmann und ihre Tochter Esther bei einem Schnupperkurs. Das Charisma, die stille Schönheit des Jungtiers faszinierten die Frauen. Beim Abendessen schwärmten sie von dem Schönling, so dass Hansjürgen Friedmann am Tag darauf beim Trainer anrief. Ob der Hengst wirklich so toll sei, wie seine Frauen behaupteten. "Noch besser", sagte der Trainer. Ein paar Stunden später gehörte Al Lahab den Friedmanns.