Krimikolumne

Alfred Bodenheimer: „Der Messias kommt nicht“ Eine Menge um die Ohren

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Seelsorger als Ermittler – da schwingt immer ein bisschen die Gefahr mit, das ein betuliches Stück Krimi draus wird. Alfred Bodenheimer tappt nicht in diese Falle: sein dritter Rabbi-Klein-Fall ist ausgesprochen lesenswert.

Alfred Bodenheimer schildert sehr anschaulich das Leben in einer jüdischen Gemeinde – und das  so gar nicht wissenschaftlicheTreiben an einer Universität. Foto: Florian Kalotay
Alfred Bodenheimer schildert sehr anschaulich das Leben in einer jüdischen Gemeinde – und das so gar nicht wissenschaftlicheTreiben an einer Universität.Foto: Florian Kalotay

Stuttgart - Dass ein christlicher Seelsorger in seiner Freizeit Detektiv spielt, ist ein alter Hut. Um – im Blick auf Heinz Rühmann – nicht zu sagen: ein altmodischer Hut. Denn dem spitzbübelnden Pater Brown haben die Jahre nicht gutgetan, wenn er denn je auf der Höhe der Zeit war. Da wenden wir uns doch lieber Browns jüdischem Kollegen Gabriel Klein zu, den sein geistiger Vater Alfred Bodenheimer in verzwickte Ermittlungen schickt. „Der Messias kommt nicht“ heißt der Krimi, in dem uns der Autor, so ganz nebenbei, einiges zu erzählen hat.

Rabbiner Klein hat in seiner Züricher Gemeinde eine Menge um die Ohren. Jeder will was von ihm, jeder zerrt an seinen Nerven. Da kommt es ihm gerade zupass, dass ein Baseler Professor ihn für eine Forschungsarbeit gewinnen will. Klein beantragt – und bekommt nach einigem Hin und Her – ein Sabbatical.

Doch anstatt sich in Ruhe um einen zweisprachigen Text aus dem 16. Jahrhundert kümmern zu können, wird er in einen Mordfall verwickelt: das Opfer ist ein Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. Die Polizei tappt im Dunkeln, ein Kommissar, der Klein von seinen früheren Fällen kennt, bittet ihn um Mithilfe. Denn der Kreis der Verdächtigen ist ziemlich unübersichtlich: Waren es Neonazis? Oder vielleicht jemand aus der Gemeinde?

Sehr solide und mit souveränem erzählerischen Geschick dröselt Bodenheimer – im Hauptberuf Professor für jüdische Literatur- und Religionsgeschichte an der Basel Uni – den Kriminalfall auf. Was das Buch aber noch lesenswerter macht, sind die Beschreibungen des jüdischen Gemeindelebens, der gegenwärtigen und historischen Verhältnisse sowie des universitären Treibens, bei dem es keineswegs immer nur um die fröhliche Wissenschaft geht.

Bodenheimer verfügt über einen feinen Humor, Klamauk hat er nicht nötig. Und altbackene Schelmereien wie Pater Brown erst recht nicht.

Alfred Bodenheimer: Der Messias kommt nicht – Ein neuer Fall für Rabbi Klein, 208 Seiten, Nagel & Kimche, 19,90 Euro, auch als E-Book

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