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Alkoholverbot Ärger und Bestechungsversuche

dpa, vom 07.03.2010 14:50 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Samstagabend, 22.00 Uhr. Nachtschwärmer sind auf dem Weg zu einer schillernden Party, Nachwuchsmanager kommen gerade aus dem Büro, und für schräge Vögel aller Art beginnt jetzt erst der Tag. Eigentlich ein ganz normaler Samstag - wäre da nicht das Schild vor dem Alkoholregal innerstädtischer Tankstellen. "Achtung! Verkaufsverbot für Alkohol ab 22.00 Uhr!!!" ist dort in großen Lettern zu lesen. Das Schild steht für ein neues Gesetz in Baden-Württemberg. Ein Gesetz, das bundesweit einzigartig ist und mit dem Innenminister Heribert Rech (CDU) "nächtlichen Alkoholgelagen" ein Ende setzen will.

Seit dem 1. März dürfen danach nun Tankstellen, Kioske und Lebensmittelgeschäfte am späten Abend keinen Alkohol mehr verkaufen. Einzige Ausnahme sind Tankstellen, die ein Bistro führen. In Stuttgart sind das sechs von insgesamt 86. Die Landespolitiker wollen so dem übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen und der häufig damit verbundenen Gewalt Herr werden. Das Gesetz ist im vergangenen November mit Stimmen von CDU, FDP und SPD vom Landtag beschlossen worden.

Bei Nachtschwärmern stößt es auf Unverständnis: "Was soll das denn? Ich komme gerade aus dem Büro und wollte noch ein Feierabend- Bier holen", beschwert sich einer der Kunden in einer Tankstelle in der Stuttgarter Innenstadt. Gehört habe er von dem Verkaufsverbot noch nie etwas.

Vergleichbare Szenen wiederholen sich im Laufe des Abends. Obwohl die neue Richtlinie immer wieder auf Unverständnis stößt, bleiben die Kunden meist ruhig. "Nur wegen einer Kundin mussten wir am Freitagabend die Polizei alarmieren", berichtet ein Angestellter. Die schon leicht angetrunkene Dame wollte nach 22.00 Uhr noch eine Flasche Sekt kaufen. Als der Mann sie ihr nicht verkaufen wollte mit Verweis auf das neue Gesetz, öffnete sie kurzerhand die Sektflasche und trank sie einfach im Laden. "Mein Kollege hat dann die Polizei gerufen, die nach einer Stunde hier eintraf und die Frau verwarnte." Ähnliches berichtet eine Mitarbeiterin eines Lebensmittelgeschäfts in der Nähe der Stuttgarter Innenstadt: "Manche Gäste sind ganz schön unverschämt und auch böse darüber, dass es nach 22.00 Uhr keinen Alkohol mehr gibt."

Nach Angaben der Polizei gab es jedoch keine besonderen Vorkommnisse. "Eigentlich waren alle Kunden sehr kooperativ", sagte ein Sprecher am Sonntag. Die Tankstellenbetreiber protestieren umso lauter. "Das neue Gesetz wird uns noch ganz schön zu schaffen machen", meint ein Angestellter. Der Verkauf von Alkohol sei am Wochenende die Haupteinnahmequelle. Das Verbot würde für große finanzielle Einbußen sorgen.

Es ergeben sich aber auch ungeahnte Einkommensquellen: "Mich haben Kunden schon versucht zu bestechen", berichtet der Mitarbeiter. Natürlich habe er das unmoralische Angebot nicht angenommen.
Kommentare (8)
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MRZ
08
11:58 Uhr, geschrieben von her mit dem schönen leben
netter versuch nur der falsche
Man fragt sich in was für eine realitätsfernen Welt unsere verantwortlichen Politiker eigentlich leben, um Gesetze wie diese, die die eigentlichen Probleme vollkommen außer Acht lassen und nur Neue schaffen zu verabschieden. Restriktion statt Information. Das ist der Grundsatz nach dem die heutige Drogenpolitik gemacht wird. Anstatt nach Ursachen zu Suchen werden die Auswüchse mit dem Gesetzes Hammer zerschlagen so, dass sie sich in andere Bereiche verlagern, wo sie dann in 1 oder 2 Jahren durch neue schwachsinnige Gesetze eingedämmt werden müssen.
MRZ
08
11:37 Uhr, geschrieben von bekien
Alkoholverbot und Gewaltbereitschaft
Es ist ein Trauerspiel was wir erleben. Viele unserer Mitbürger tarnen sich mit einer überheblichen Arroganz und unterstüzten die Jugendlichen nicht im geringsten. Keiner nimmmt die Jugendlichen erste. Haben sie sich schon einmal an eine Jugendgang herangetraut oder sich schon einmal gefragt, woher kommt´s? So viele desintersierte Eltern, das man buchstäblich heulen könnte. Wegschauen, anstatt hingehen und aufklären und vor allem dasein! Das braucht aber Zeit und die will keiner mehr haben. Was für Vorbilder sind wir? Lassen wir 50 Cent den Vortritt, der macht das schon!
MRZ
08
11:18 Uhr, geschrieben von Kerstin Schmidt
Wieder dermaßen an der Sache vorbei...
Dieses Verbot ist wieder ein trauriger Versuch, Probleme durch Verbote zu lösen. Anstatt dass man versucht, die Ursachen für nächltiche Saufgelage der Jugendlichen zu beheben oder den Jugendlichen Alternativen aufzuzeigen, geht man wieder mit der groben Kelle vor. Gerade die Jugendlichen werden sich zukünftig frühzeitig mit ausreichend Alkohol eindecken anstatt darauf zu verzichten. Und was gekauft wird, wird meist auch getrunken, im Zweifelsfalls also sogar mehr als vor dem Verbot. Aber jeder der einen gesunden Umgang mit Alkohol pflegt und sich spontan ein Bier oder eine Flasche Wein kaufen will, wird für die Unfähigkeit der Gesellschaft im Umgang mit Jugendlichen und Alkohol bestraft. Was haben wir denn gelernt aus der Alkopos Besteuerung? Die Jugendlichen kaufen sich keine teuren Mischgetränke mit verhältnismäßig geringem Anteil an Alkohol sondern mischen sich Wodka und Eistee selbst um dann vollkommen unkontrollierbare Mengen an Alkohol zu konsumieren. Hat es das tatsächlich gebracht? Ich kann nur den Kopf schütteln bei soviel Ignoranz und Dummheit der Politiker! Armes, Deutschland, armes Baden-Württemberg.
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