Allgäu-Orient-Rallye Auf den Sieger wartet ein Kamel

Von Jens Noll 

Lothar Stäbler aus Harthausen hat ein Team zusammengestellt, das am 28. April zu einer abenteuerlichen Rallye startet. Sie führt 6000 Kilometer durch Europa.

Das Team: Danijel Makaus, Markus Reigl (vorne) mit Alexander Schwan, Lothar Stäbler, Stefan Totzl und Christian Stäbler (von links). Foto: z
Das Team: Danijel Makaus, Markus Reigl (vorne) mit Alexander Schwan, Lothar Stäbler, Stefan Totzl und Christian Stäbler (von links).Foto: z

Filder - Man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man sich mitten in der Nacht für eine Rallye anmeldet, bei der nicht der gewinnt, der als erster ankommt, bei der der Hauptpreis wieder verschenkt wird, und bei der man so viel wie möglich in sein Auto packt, um alles nach und nach abzugeben.

Vor sieben Jahren, so wird erzählt, soll bei einer Stammtischrunde in Oberstaufen die Idee für die Allgäu-Orient-Rallye geboren worden sein. Vor zwei Jahren hat Lothar Stäbler aus Harthausen davon erfahren. Er war sofort Feuer und Flamme und suchte nach fünf Mitstreitern, die wie er selbst „ein bisschen Verrückte“ sind. Er hat sie gefunden. Am 28. April wird der 38-Jährige mit dem „Durst-Blaster-Racingteam“ in Oberstaufen an den Start gehen.

Die Allgäu-Orient-Rallye führt quer durch Europa nach Baku in Aserbaidschan. Auf dem Weg in das vorderasiatische Land legen die Teilnehmer 6000 Kilometer zurück. „Drei Wochen sind wir unterwegs“, erzählt Stäbler. Neben den Urlaubstagen müssen er und seine Teamkameraden, allesamt Arbeitskollegen bei Daimler, jeweils 2500 bis 3000 Euro für die Teilnahme investieren.

Teams müssen sich selbst um ihre Route kümmern

„Bei der Rallye Paris-Dakar wird alles organisiert“, berichtet der zweite Fahrer Christian Stäbler, „hier bei der Allgäu-Orient-Rallye so gut wie gar nichts“. Jedes Team muss sich selbst um die Route sowie um seine Fahrzeuge kümmern und schauen, wo es übernachten kann. Die Allgäu-Orient-Rallye ist eine Low-Budget-Rallye. Es gibt klare Vorgaben, wie viel die Fahrzeuge kosten dürfen, das Benutzen von Autobahnen und Navigationssystemen ist nicht erlaubt. Nach Ankunft am Zielort werden alle Fahrzeuge veräußert. Die Rückreise erfolgt im Flugzeug.

„Die Rallye hat einen wohltätigen Zweck“, erklärt der 30-jährige Christian Stäbler aus Leinfelden-Echterdingen. Die vier weiteren Fahrer des Teams kommen aus Esslingen, Stuttgart-Wangen und Fellbach. Sie nehmen auf ihrer Tour so viel Material wie möglich mit – Spielzeug, Medikamente und Werkzeuge – die sie an Kinderheime und eine Berufsschule verschenken, die auf ihrem Weg liegen.

Vieles nehmen die Teams freiwillig mit, es gibt aber auch eine offizielle Sonderprüfung . „Dieses Jahr muss jedes Fahrzeug ein Musikinstrument mitnehmen“, sagt Lothar Stäbler. Auf der Fahrt muss damit ein türkisches Volkslied einstudiert werden, das alle Teilnehmer gemeinsam in Istanbul vortragen. Dort wird der Rallye-Tross einen Zwischenstopp einlegen.

Ein Buch voller Sonderaufgaben

In einem Roadbook, das die Fahrer kurz vor dem Start erhalten, sind noch weitere Sonderaufgaben aufgelistet, die unterwegs erfüllt werden müssen. Wer die Aufgaben am besten meistert, gewinnt die Rallye, egal ob er als erster in Baku ankommt oder nicht. Der Hauptpreis ist ein Kamel, das einer Familie vor Ort geschenkt wird.

Der Wohltätigkeitsgedanke, der hinter der Rallye steht, und der Spaß am Abenteuer haben den Familienvater Lothar Stäbler zur Teilnahme an der Rallye motiviert. „Und man durchfährt Länder, in die man sonst nie kommen würde“, ergänzt Christian Stäbler.

Mit zwei Mercedes, Baujahr 1985 und 1991, sowie zwei Motorrädern geht das Team ins Rennen. Die Autos haben die Techniker und Kfz-Meister über das Internet gekauft, selbst repariert und bunt lackiert. Auf einem haben sich Spender und Unterstützer des Teams mit einer Unterschrift verewigt. „Viel Erfolg und gutes Ankommen“ hat jemand auf die Motorhaube geschrieben.

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