Seit Jahren darbt das Thema Vaihinger Band. Nun soll sich der Allianz-Konzern an den Kosten für einen Park beteiligen.

Vaihingen - Nach jahrelangem Stillstand scheint Bewegung in das Thema Vaihinger Band zu kommen. Das Areal, das parallel zum Vaihinger Bahnhof verläuft und seit Jahren zum Teil als Parkplatz genutzt wird, will sich aller Voraussicht nach die Stadt aneignen. Für die Finanzierung will sie den Versicherungskonzern Allianz ins Boot holen. Derzeit gehört die Fläche dem Immobilienentwickler Aurelis, der dort einst Großes vorhatte, inzwischen aber offenkundig das Interesse verloren hat. „Wir sind in Erwerbsverhandlungen“, sagt der Stuttgarter Finanzbürgermeister Michael Föll. Mit einer Einigung rechnet er auf jeden Fall noch in diesem Jahr, eventuell sogar schon vor der Sommerpause. „Es gibt Themen, die eine gewisse Zeit benötigen, Stichwort Altlasten“, sagt Föll. Aber „die Gespräche laufen konstruktiv“.

 

Durch den Dreiecks-Deal wollen die Beteiligten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da ist zum einen die Allianz, die gleich in der Nähe auf dem Gelände des Sportvereins TSV Georgii Allianz ihre neue Stuttgarter Zentrale bauen will. Rund 4000 Menschen sollen dort ab 2020 arbeiten.

Dem Immobilienentwickler ist das Gelände ein Klotz am Bein

Weil dafür aber ein Sportplatz weichen muss und durch die Umwandlung der Fläche in Bauland ein Planungsgewinn in Millionenhöhe entsteht, muss der Konzern an anderer Stelle zum Ausgleich viel Geld in die Hand nehmen. Die Rede ist zum Beispiel von einer neuen Halle für den Sport, einer möglichen Renaturierung des Schwarzbachs oder eben einer Parkanlage auf dem Aurelis-Areal.

Dem Immobilienentwickler wiederum ist das Gelände längst ein Klotz am Bein. Die ehemalige Bahn-Tochter Aurelis, die 2002 gegründet wurde und viele von dem Schienenkonzern nicht mehr benötigte Flächen übernahm, wollte dort Büros bauen. Doch machte die Stadt dem einen Strich durch die Rechnung, da für das Gelände erst noch ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss – was der Verwaltung ein Druckmittel in die Hand gab. Ein Aurelis-Sprecher sagte dazu vor einem halben Jahr, dass Forderungen gestellt wurden, die wirtschaftlich nicht akzeptabel seien.

Das Unternehmen, das sich bereits in der Vergangenheit wenig auskunftsfreudig zeigte, gibt sich zugeknöpft. Weder will es Gründe für den geplanten Verkauf der Fläche nennen, noch auf das weitere Verfahren eingehen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir grundsätzlich zu noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen keine Auskunft geben“, teilt eine Aurelis-Sprecherin schriftlich mit. Und weiter: „Im Falle Vaihingen ruhen die Verhandlungen mit der Stadt.“ Man warte zu einigen offenen Punkten noch auf Rückmeldung der Stadt.

Diese sieht die Möglichkeit, alte Forderungen umsetzen zu können: weniger Bebauung, mehr Grün sowie eine großzügige Unterführung vom Vaihinger Bahnhof in das Gewerbegebiet. Grundlage soll ein Szenario sein, das im Rahmen einer Planungswerkstatt im Jahr 2010 entwickelt wurde, das zu Gunsten einer dichteren Bebauung seinerzeit aber verworfen wurde.

Allianz unterstützt die Pläne der Stadt

„Wir wollen überwiegend eine öffentliche Parkfläche anlegen“, sagt der Finanzbürgermeister Föll. Darüber hinaus könnte er sich dort ein Wohnheim für Studenten vorstellen sowie ein Mobilitätszentrum, das in der Nähe des Bahnhofs den dortigen Zugverkehr mit Fahrrad und Elektroautos verknüpfen könnte. Wie genau die Allianz dafür bezahlen soll, ist unklar. Aber „sie wird maßgeblich für einen finanziellen Ausgleich sorgen müssen“, sagt Föll.

Das bestätigt Anna Sleegers, die Sprecherin der Allianz. Dass der Planungsgewinn des Konzerns grundsätzlich von der Stadt abgeschöpft wird, sei so abgesprochen. Und dies auf diese Weise zu tun, biete Vorteile. „Die Idee finden wir gut“, sagt Sleegers. Das Versicherungsunternehmen will langfristig vor Ort bleiben.

Nicht nur sollen die Mitarbeiter dazu bewegt werden, auf das Auto zu verzichten, weshalb das Mobilitätszentrum von Interesse ist. Auch die Parkanlage findet die Unterstützung von Allianz. „Es liegt im Interesse unserer Mitarbeiter, die sich dort wohlfühlen sollen“, sagt Sleegers. „Wir wollen, dass Vaihingen attraktiv bleibt oder noch attraktiver wird.“