Alte IBM-Zentrale in Stuttgart Experten winken ab

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Auch ein Jahr nach der Vorlage neuer Pläne fehlt weiter ein Investor. Manche Immobilienexperten in Stuttgart geben dem Projekt keine großen Chancen mehr, weil die Lage des Eiermann-Campus schlecht sei und es mehr als genug Büroflächen gebe.

In Bezug auf die ehemalige IBM-Zentrale herrscht Stillstand, ein Investor ist immer noch nicht gefunden. Egal, was mit dem Komplex passiert – die denkmalgeschützten Eiermann-Gebäude sollen erhalten bleiben. Foto: Achim Zweygarth
In Bezug auf die ehemalige IBM-Zentrale herrscht Stillstand, ein Investor ist immer noch nicht gefunden. Egal, was mit dem Komplex passiert – die denkmalgeschützten Eiermann-Gebäude sollen erhalten bleiben.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Im Herbst 2013 hatte OB Fritz Kuhn (Grüne) beim Eiermann-Campus in Vaihingen den Befreiungsschlag versucht – doch seither ist nichts passiert, und nach Einschätzung von Immobilienexperten ist das Gelände mit der alten IBM-Zentrale trotz des neuen Konzepts kaum zu ­vermarkten. Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) bleibt dagegen zuversichtlich, einen Investor zu finden.

Zur Erinnerung: Kuhn hatte vor einem Jahr in einem Kolloquium, an dem auch die Gläubigerbanken und Insolvenzverwalter teilgenommen haben, ein Konzept entwickelt, das für Investoren wirtschaftlich interessant sein sollte. Auf dem etwa 20 Hektar großen Gelände am Autobahnkreuz Stuttgart dürften auf einer Fläche von etwa 120 000 Quadratmetern Wohnungen und Büros neu gebaut werden; es wäre das größte Baugebiet in Stuttgart. Im Gegenzug müsste sich der Investor verpflichten, die vier denkmalgeschützten Gebäude des bekannten Architekten Egon Eiermann aus den Jahren 1969 bis 1972 mit zusammen etwa 63 000 Quadratmeter zu sanieren. Der Stadt schwebt ein neuer Wirtschaftsstandort oder Universitätscampus vor.

Auf den Fildern gibt es genügend Büroflächen

Stuttgarter Immobilienexperten bleiben allerdings sehr skeptisch, was die Vermarktung des Areals angeht. Zwar sei ein Jahr noch keine Zeit, um das Projekt für tot zu erklären, sagt ein Mitarbeiter eines Stuttgarter Investors, aber das Gelände habe große Nachteile. So erschwere der Denkmalschutz die Vermarktung. Und die Lage sei miserabel: Das Gelände direkt an der Autobahn habe eine große Lärm- und Schadstoffproblematik; dennoch dauere es lange, bis man die Autobahn erreiche, weil eine direkte Auffahrt fehle. Wohnungen könnten dort nur für Studenten interessant sein, aber das sei für einen Investor unter Renditegesichtspunkten wenig attraktiv. „Wir kennen niemanden, der sich für den Eiermann-Campus interessiert“, resümiert der Experte.

Ein anderer Fachmann für Immobilien hebt auf den Büromarkt ab: Auf den Fildern gebe es mit dem Vaihinger Wallgraben, dem Fasanenhof oder mit den Flächen in Leinfelden-Echterdingen schon heute mehr als genug freie Büros. Jährlich würden in Stuttgart etwa 150 000 Quadratmeter an Büros vermietet – mit dem Eiermann-Campus kämen vielleicht 100 000 Quadratmeter zusätzlich auf den Markt: „Das kann zehn Jahre dauern, um diese Flächen zu vermarkten – da braucht der Investor einen langen Atem“, so der Experte.

Laut Föll gibt es Interessenten mit eigenem Konzept

Finanzbürgermeister Michael Föll widerspricht. Zum einen gebe es sehr wohl Interessenten, mit denen die Stadt im Gespräch sei. Manche hätten sogar bereits ein eigenes Konzept für die Nutzung entwickelt. Zum anderen seien die Pläne aus dem Kolloquium ja nur eine Möglichkeit für das Areal. Föll deutet damit wohl an, dass über die Art und den Umfang der Bebauung noch gesprochen werden kann. Beim Denkmalschutz will die Stadt dagegen bei ihrer Haltung bleiben: „Natürlich wäre die Vermarktung ohne Denkmalschutz einfacher. Aber wir wollen ja nicht die einfachste Lösung finden, sondern die beste“, so Föll.

Die Zurückhaltung der Investoren rührt womöglich auch von der anstehenden Zwangsversteigerung her. Das Amtsgericht ermittelt gerade den Wert des Geländes, das die Insolvenzverwalter im April aufgegeben haben, nachdem auch deren Versuche gescheitert waren, das Areal zu verkaufen. Ist dieser Wert klar, sind vielleicht auch die Investoren entscheidungsfreudiger. Dann könne es womöglich auch eine „freihändigere Lösung“ geben mit einem Investor, sagt Michael Föll, was immer das bedeutet. Womöglich findet die Zwangsversteigerung noch dieses Jahr statt.