Alternativer Kraftstoff Wunder-Diesel macht Autoindustrie Hoffnung

Von Klaus Dieter Oehler 

Ein synthetisch hergestellter Kraftstoff könnte eine Konkurrenz zum Elektroantrieb werden. Er wurde in Norwegen entwickelt.

Grüner Diesel, das wäre doch was. Deutsche Autoingenieure hoffen auf den neuen Kraftstoff. Foto: dpa-Zentralbild
Grüner Diesel, das wäre doch was. Deutsche Autoingenieure hoffen auf den neuen Kraftstoff. Foto: dpa-Zentralbild

Frankfurt - Die deutschen Auto-Ingenieure haben sich noch nie so richtig für eine rein elektrische Antriebsart für die Fahrzeuge der Zukunft begeistern können. Daher kommt ihnen nun eine Initiative, die ausgerechnet aus dem nicht unbedingt als Autoproduktionsland bekannten Norwegen kommt, gerade Recht.

Die Pläne für den Aufbau einer breit angelegten Produktion synthetischer Kraftstoffe in Norwegen sollte Deutschland Fingerzeig sein, meint der Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Der nur von Deutschen als „Wunder-Diesel“ bezeichnete Kraftstoff ist auch in Deutschland schon länger Gegenstand von Forschung und Entwicklung, es gibt bereits zwei kleine Fabriken. Die Aktivitäten rund um den synthetischen Treibstoff gelte es auszubauen, denn sie böten Chancen für den Innovationsstandort Deutschland, betont der VDA.

Die erdölunabhängigen „E-Fuels“ könnten zusätzlich zu alternativen Antrieben eine weitere Option für eine klimaneutrale Mobilität der Zukunft sein. Wenn die Entwicklung hier weiter voranschreiten würde und die Kosten bei der Herstellung sinken, könnten synthetische Kraftstoffe künftig eine CO2-neutrale Mobilität beim Verbrennungsmotor sicherstellen, weil diese Kraftstoffe bei ihrer Produktion genau so viel Kohlendioxid binden, wie sie bei ihrer Verbrennung abgeben, meint der Automobilverband. „Dazu kommt: Weil sie mit der bisherigen Infrastruktur und Motorengeneration kompatibel sind, wirken die E-Fuels direkt im Bestand und damit deutlich schneller als eine Flottenerneuerung durch Elektrofahrzeuge.“

Beim Wandel weg vom Verbrennungsmotor spielt auch das Thema Jobs eine wichtige Rolle. Der elektrische Antriebsstrang wird auch deshalb kritisch beäugt, weil das Ende des Verbrennungsmotors viele Arbeitsplätze gefährden könnte. Warum das so ist, sehen Sie im Video:

 

 

Image der Verbrennungsmotoren leidet

Seit Monaten geht es für Dieselfahrzeuge bergab. Abgasskandal, Fahrverbote und Nachrüstungen für Autofahrer haben das Image des Verbrennungsmotors beschädigt. Zuletzt kündigte Volvo den Ausstieg aus der Technik an. Dennoch kommt die vermeintliche Rettung des Verbrennungsmotors ausgerechnet aus einem Land, in dem die Regierung bereits den Ausstieg beschlossen hat, von 2025 an ist in dem nordischen Land die Produktion von Neuwagen verboten, die ausschließlich auf Verbrennungsmotoren setzen. „Wir haben schon mit Konstruktionsarbeiten begonnen“, erklärte Nordic-Blue-Crude-Chef Gunnar Holen dem Manager-Magazin. Zunächst will das Unternehmen 70 bis 80 Millionen Euro in eine Fabrik im südnorwegischen Porsgrunn stecken. Zentraler Partner ist die sächsische Firma Sunfire, die bereits eine kleine Produktion in Dresden betreibt.

Eine kurzfristige Lösung für die Dieselkrise stellt der neue norwegische Treibstoff aber nicht dar. Denn die Anlage in Südnorwegen nimmt erst von 2020 an ihre Arbeit auf. Dort sollen zunächst zehn Millionen Liter in Produktion gehen – diese Menge reicht in etwa für 13 000 Autos. „Als nächsten Schritt planen wir zehn derartige Fabriken“, sagte Holen. Eine Milliarde Liter sollen dann pro Jahr aus Norwegen kommen. Sollten sich die Mengen wie erwartet stetig erhöhen, könnten die Kosten für einen Liter „Wunder-Diesel“ gegenüber dem heutigen Kraftstoff halbiert werden.

In der Autoindustrie hofft man darauf, dass der Sensations-Treibstoff den Durchbruch schafft. „Wenn synthetische Kraftstoffe kommen, können wir die Plugin-Hybride abschalten“, meint der Chef der Audi-Antriebsentwicklung, Nikolai Ardey. Bessere Abgasreinigungssysteme werden auch mit dem Wunderdiesel nötig sein – auch wenn der norwegische Treibstoff zehn bis 20 Prozent weniger Stickoxid und Feinstaub als der klassische Diesel ausstößt.

Zehn Fakten zum Thema Feinstaub in unserem Video-Überblick:

 

Ende des Kraftstoffs in etwa 20 Jahren

Auch für die Ölindustrie ist der synthetische Kraftstoff interessant. Sie könnten in etwa 20 Jahren den Kraftstoffmarkt bedienen, heißt es in der Branche. Peter Kasten vom Öko-Institut dagegen mahnt: E-Fuels können aus seiner Sicht unter ökonomischen Gesichtspunkten erst nach dem Jahr 2030 interessant werden, wenn die erneuerbaren Energien hierzulande und anderswo einen Anteil von 60 Prozent und mehr am Strommix hätten. Dann erst falle billiger Überschussstrom in der benötigten Menge und Häufigkeit an. Kasten hält daher weitere Forschungen für nötig. Dies gelte auch für Anwendungen über die Autoindustrie hinaus. Die großen Vorteile von synthetischem Sprit seien seine hohe Energiedichte und die gute Transportierbarkeit. Das prädestiniere ihn für zwei wichtige Einsatzfelder: für den Flugverkehr und die Seeschifffahrt.

Audi bietet bereits Autos mit Gasantrieb an und erzeugt seit 2013 im niedersächsischen Werlte E-Gas mittels Windstrom. Der Konzern speist dort genauso viel des flüchtigen Öko-Treibstoffs ins Gasnetz, wie die verkaufte Fahrzeugflotte insgesamt an Erdgas verbraucht. So können die Besitzer eines gasgetriebenen Audis rein rechnerisch klimaneutral fahren.

 

11 Kommentare Kommentar schreiben

Diesel hat fertig: Ich würde das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die aktuelle Diskussion ist ausschliesslich wegen der Diesel-Antriebe und deren manipulierter Werte in Gang gekommen. Zurecht. Die Konsequenzen sollen die Hersteller ruhig tragen. Haben ja auch fast ausnahmslos die Modellpaletten auf den subventionierten Treibstoff zugeschnitten. Aber es gibt ja noch den Benziner. Zum Glück. Das ist der geschmeidige und leise Motor, der das deutsche Auto überhaupt erst zu dem Objekt der Begierde gemacht hat. Kein Mensch fährt freiwillig Diesel. Gleicht man die Treibstoffpreise wieder aus, ist er ohnehin chancenlos. Und ich muss nicht mehr so oft die Fenster putzen.

Wunderdiesel: Ob die Zukunft dem reinen Elektromobil gehören wird, bezweifele ich. Norwegen mit seinem Projekt Erzeugung von synthetischem Kraftstoff aus überschüssiger oder gespeicherter Energie, zeigt einen Weg raus aus den fossilen Energieträgern und das ohne flächendeckende Elektroladestationen, samt der Hoch-, Mittel- und Niederspannungs-Versorgungsnetze welche erst gebaut werden müssen. In ihrem Artikel Mitte Juni „Ohne Ausbau bricht das Netz zusammen“, haben Sie beschrieben was in Stuttgart geschehen müsste, sollte ein Großteil des Kfz- Bestandes jede Nacht aufgeladen werden. Das sind Probleme, die nicht ernst genommen werden. In anderen Quellen lese ich, dass es sogenannte Schnellladestationen geben müsste mit 350 kW, damit die Fahrt nach einer Kaffeepause mit dem Elektromobil weiter gehen kann. Das wären dann bei einem normalen Ortsnetz von 230/400 V mehr als 500 Ampere. Wer soll das notwendige Kabel am Fahrzeug stecken? Der nicht sachkundige Fahrer? Wenn das Kabel etwas „handlicher“ werden soll, erhöhen wir dann die Spannung? Dann ist das Gefahrenpotential nicht mehr weit von Wasserstoff/Brennstoffzelle entfernt. Ich halte die Ankündigung von Volvo für eine Marketing Aktion. Vor allem wenn ich mir die derzeitige, sehr diesel lastige Motorenpalette anschaue, die Volvo vertreibt. Sie sind mehr als andere Hersteller im Druck, trotz chinesischem Investor. Die Entwicklungskosten sind sehr hoch und die Stückzahlen der produzierten Volvo Fahrzeuge eher klein. Ich denke, wenn Norwegen sowohl auf Elektromobilität als auch auf synthetische Kraftstoffe setzt, dann zeigt das , dass Otto- und Dieselmotor so schnell nicht tot sein werden. Es wird sowohl rein elektrische Antriebe für kurze Strecken geben, als auch Verbrennungsmotoren oder die Brennstoffzelle für mittlere und lange Distanzen geben.

Bin überrascht: , wenn ich mir das Produktportfolio anschaue, wie eine Pressemitteilung aus Volvo einfachst ein grünes Unternehmen macht. Dagegen bieten die ewig gestrigen deutschen OEMs ein viel breiteres Portfolio alternativer Antriebe an.

Mal drüber nachdenken.: Das Ende der fossilen Brennstoffe bedeutet ein Ende der Verkehrspolitik wie wir sie kennen. Das sollte jedem bei der Diskussion um welchen Ersatztreibstoff auch immer klar sein. Zwei Autos pro Familie oder Tendenz 1 Fahrzeug pro Kopf ist mit keinem technisch erzeugten Treibstoff realisierbar. Elektromobilität für jeden Einzelnen? Undenkbar. Die Dichte der Windkraftwerke ist heute bereits unerträglich. Wer von Wasserstoff als alternativem Kraftstoff faselt, hat in Physik und Chemie nicht aufgepasst. Die Menschen werden mittelfristig ihren Bewegungsradius in Sachen Urlaub, Arbeit und Freizeitgestaltung gewaltig anpassen müssen.

Zukunft Wasserstoff: Im neuesten ADAC-Heft steht ein schöner Bericht über eine problemlose Fahrt mit einem Wasserstoff-E-Mobil durch Europa: Wasserstoff wird hier durch eine Brennstoffzelle zu elektr. Energie umgewandelt. Alles schon entwickelt, Wasserstoff z.T. solar produziert, im Gegensatz zu Batterie-Autos wird deutlich weniger an Rohstoffen verbraucht. Bei einem Unfall verbindet sich der Wasserstoff schnell mit Sauerstoff zu - Wasser! Einziges Problem der Fahrt - kaum Wasserstoff-Tankstellen ... Wasserstoff-Busse fahren seit 10 Jahren , diese Technologie kann schon heute problemlos auf LKW und Schiffe übertragen werden. "Wunder-diesel" (dessen Energiebilanz nicht veröffentlicht ist !) ist unnötig!

Ist schon ein kleines Problem,: "Bei einem Unfall verbindet sich der Wasserstoff schnell mit Sauerstoff zu - Wasser!" wenn man die Energie berücksichtigt, die innerhalb "kürzester Zeit" frei wird.

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