Altersdiskriminierung Mehr Freiheit für Ältere

Von  

Warum dürfen Schöffen nicht über 70 Jahre alt sein, fragt eine Kommission der Antidiskriminierungsstelle. Sie macht Vorschläge für eine Lockerung der Regeln.

Warum dürfen Schöffen nicht älter sein als 69 Jahre, fragt eine Kommission. Foto: dpa, dapd
Warum dürfen Schöffen nicht älter sein als 69 Jahre, fragt eine Kommission.Foto: dpa, dapd

Berlin - Die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingesetzte Kommission gegen Altersdiskriminierung fordert, Altersgrenzen im Beruf und bei Ehrenämtern abzubauen. Es sei „schlicht dumm“, etwa bei der Besetzung von Schöffen keine über 70-Jährigen zu berücksichtigen, sagte der Vorsitzende der Kommission, der ehemalige Bremer Bürgermeister, Henning Scherf (SPD), in Berlin. Auch Menschen, die jünger als 25 Jahre sind, dürfen nicht Schöffe sein. Die ehrenamtliche Tätigkeit müsse unabhängig vom Alter honoriert werden, betonte Scherf. Wegen des demografischen Wandels sei man auf ältere Ehrenamtliche angewiesen.

Wer über 65 ist, soll freiwillig weiterarbeiten dürfen

Die Kommission verlangt auch die Beseitigung von Hinzuverdienstgrenzen bei Frührenten, und sie fordert Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, die tarifvertraglich vereinbarten Altersgrenzen zu überprüfen, wonach mit dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters automatisch auch das Arbeitsverhältnis ende. „Wer über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten will, soll dies auch können“, sagte Scherf. Viele Betriebe würden gerne die Berufs- und Lebenserfahrung älterer Mitarbeiter nutzen. Der Dortmunder Altersforscher Gerhard Naegele verwies jedoch darauf, dass 60 Prozent der Ruheständler die gesetzliche Rentengrenze erst gar nicht erreichten und früher ausschieden. Für sie müsse es mehr Weiterbildung, den Abbau von Belastungen im Job und eine „lebenszyklusorientierte“ Personalpolitik der Wirtschaft geben.

Der Wissenschaftler rügte, dass über 55-Jährige bei beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen oft ausgegrenzt würden. Wer dann früher ausscheide und Rentenabschläge hinnehmen müsse, dürfe bis zum Erreichen des 65. Lebensjahres nur 400 Euro - im nächsten Jahr 450 Euro - hinzuverdienen, kritisierte Scherf. Diese Älteren seien doppelt benachteiligt.

Unsinniges Alterslimit bei Sportvereinen und Feuerwehr

Dass in Sportvereinen und bei vielen freiwilligen Feuerwehren ein Alterslimit gilt, wird von der Kommission ebenfalls kritisiert. So hatte in diesem Jahr ein 61-jähriger Hamburger vergeblich dagegen geklagt, dass er nicht mehr in der freiwilligen Feuerwehr dienen dürfe. Solche Regelungen im Ehrenamt, die sich in den Vereinssatzungen widerspiegeln, seien nicht nachvollziehbar, erklärte Sebastian Bickerich, der Sprecher der Behörde. „Mit einer Gesundheitsprüfung könnte man feststellen, ob der Feuerwehrmann noch einen aktiven Dienst machen kann.“ Noch mehr als Senioren fühlen sich jüngere Menschen aufgrund ihres Alters diskriminiert. Bei den Schülern und Studenten war dies laut einer Forsa-Umfrage bei jedem Dritten der Fall (34 Prozent), auch bei den 18- bis 29-Jährigen fühlten sich viele benachteiligt. Am geringsten fühlten sich die Rentner diskriminiert (17 Prozent). Mitarbeiter in jüngerem Alter litten oft unter dem Senioritätsprinzip in ihrem Betrieb, heißt es.

Henning Scherf nutzte den Anlass, um auf eine Ungleichbehandlung in der Pflege hinzuweisen. Es dürfe keinen Unterschied machen, ob Menschen wegen eines Unfalls oder wegen ihres Alters pflegebedürftig seien. Derzeit reichten die Pflegeleistungen nach einem Unfall am weitesten. Pflegeleistungen für alte Menschen deckten dagegen nur körperbezogene Hilfeleistungen ab, kritisierte er. Scherf forderte ein Gesamtkonzept für Pflegebedürftige, Behinderte und ältere Menschen.

  Artikel teilen
1 KommentarKommentar schreiben

'Bis ins hohe Alter arbeiten': Ist es doch auch die Voreingenommenheit Älteren gegenüber, denen man keine Leistungen mehr, in welcher Form auch immer, zutraut. Aber auch die Gesetzgebung des vergangenen Jahrhunderts, tut hier ihr übriges dazu beitragen. Ist doch mit Sicherheit auch so mancher über 60er den einen wie anderen im besten Alter 30-40 jährigen, beiderlei Geschlechts, in körperlicher wie auch geistiger Hinsicht überlegen. Und solange ein Mensch noch bis ins 'hohe' Alter körperlich wie auch geistig fit ist, und es sich auch zutraut, warum soll er dann nicht arbeiten dürfen? Das gleiche ist doch auch bei der Blutspende der Fall, wo der Gesetzgeber vorschreibt, dass Menschen nur bis zur Vollendung ihres 67.Lebensjahres spenden dürfen, obwohl sie danach noch kerngesund sind.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.