Alvar Freude zu Ansgar Heveling "Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt!"

Von Marc Hippler 

Alvar Freude arbeitet mit Ansgar Heveling in der Internetenquête des Bundestags. Über dessen pauschale Netzkritik staunt Freude noch immer.  

Alvar Freude arbeitet in der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags. Foto: Privat 2 Bilder
Alvar Freude arbeitet in der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags.Foto: Privat

Stuttgart - Ein internetkritischer Beitrag des CDU-Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling im Handelsblatt hat am Montag für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. In der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags arbeitet der Stuttgarter Alvar Freude als Sachverständiger an Handlungsempfehlungen für die Politik mit. Auch Heveling ist Mitglied dieser Kommission. Über dessen Äußerungen kann Freude nur staunen.

Herr Freude, was war Ihr erster Gedanke, als Sie den Gastbeitrag von Ansgar Heveling im Handelsblatt gelesen haben?

Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt! Und: die Guten haben auf lange Sicht immer gesiegt. Das habe ich gedacht.

Sein Kommentar ist, vorsichtig ausgedrückt, ausgesprochen netzkritisch. Sie beide kennen sich aus der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft. Hat Sie der Beitrag in Ton und Inhalt überrascht?

Inhaltlich hat mich das wenig überrascht. Heveling gehört zu denjenigen, die sich keine Gedanken darüber machen, welche Art von Urheberrecht wir in der digitalen Gesellschaft brauchen, sondern zu denjenigen, die das bisherige Urheberrecht möglichst streng durchsetzen wollen. Dass er das Leben in der digitalen Welt als Modeerscheinung sieht, passt. Aber der Tonfall hat mich doch überrascht. Natürlich weiß er, welche Reaktionen es hervorruft, wenn man Unfug wie "das Web 2.0 wird bald Geschichte sein" von sich gibt.

Heveling spricht vom "Kampf zwischen der schönen neuen digitalen Welt und dem realen Leben". Was könnte er damit meinen?

Koservative wie Heveling sind empfänglich für die Klagen der Unterhaltungsindustrie, dass Umsätze durchs Internet massiv zurückgehen. Er spricht ja auch direkt die Urheberrechtsdiskussion an. Aber es geht um mehr. Er kritisiert das Web 2.0, das Mitmach-Internet, das nach Beteiligung und Transparenz ruft.

Ist Hevelings Auffassung ihrer Erfahrung nach exotisch oder doch eher verbreitet?

In der Enquête-Kommission vertritt er damit eine Minderheit.

Über Heveling ist am Montagnachmittag ein Shitstorm im Netz ausgebrochen. War das angemessen oder eher kindisch?

Im Wesentlichen war das alles friedlich. Man hat sich über ihn lustig gemacht - und das ist bei solchen Aussagen auch abzusehen. Das Internet ist eben vor allem ein Kommunikationswerkzeug, seine Aussagen haben die Reaktionen provoziert.

Von außen betrachtet scheint es schwer zu sein, in der Enquête-Kommission auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Insgesamt läuft es deutlich besser, als es nach außen hin scheint. Leider ist es aber so, dass die Koalition mehr und mehr versucht, ihre eigene von der Fraktion beschlossene Meinung durchzusetzen, das führt manchmal zu surrealen Diskussionen und das Ringen um einzelne Wörter.

Was sind die kritischsten Punkte?

Wir kommen immer wieder zur Frage, ob es der Markt alleine schafft oder ob die Politik Regeln vorgeben soll. Das ist bei der Netzneutralität ein großer Dissens zwischen Abgeordneten und Sachverständigen der Koalition und der Opposition gewesen. Bei der Frage der Netzsicherheit wird Änliches auch wieder auftauchen.

Es gibt auch kritische Stimmen zur Rolle der Sachverständigen wie Ihnen. Bis hin zu Rücktrittsforderungen.

Bei einem Rücktritt würde ich das Feld den anderen überlassen und diejenigen bestrafen, die mich gut behandelt haben. In der SPD-Fraktion werde ich wie jeder Abgeordnete behandelt, mit vollem Rederecht. Und wenn ich eine andere Meinung vertrete als die Fraktion, bekomme ich keinen Druck.

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1 Kommentar Kommentar schreiben

Heveling zeigt keine Einsicht: Ja, so kann es gehen: 'sich mit 'unvoreingenommener Neugier diesem Themenkomplex' anzunehmen' - der Dativ ist 'dem Genetiv sein Tod', wir wußten es schon immer. Aber das auch Bundestagsabgeordnete sich schwertun im Umgang mit dem, was man einstens 'Muttersprache' nannte, ist schon ein wenig traurig. Gerade wenn Frau Wöhrl aus Bayern kommt: Man traute früher vor allem dem Ruhrgebiet einen laxen Umgang mit dem Dativ und eine Abneigung gegen den Genetiv zu. Bayern 'holt auf'. Hat dat wat? Dat hat wat!

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