Mit gezielten Aktionen will die Gewerkschaft Verdi das Weihnachtsgeschäft von Amazon an verschiedenen Standorten in Deutschland stören. Dahinter steht die Anerkennung des Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel. Amazon lehnt Verhandlungen weiter ab.

Berlin - Mit Streiks an verschiedenen Standorten will die Gewerkschaft Verdi den Druck im Dauerkonflikt um einen Tarifvertrag auf Amazon erhöhen, der Versandhandelsriese zeigt sich aber weiter unbeeindruckt.

 

Trotz einer erneuten Welle von bundesweiten Protesten und Ausständen versicherte Amazon: "Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen." Die Streiks hätten "keinerlei Auswirkungen" auf pünktliche Lieferungen, sagte Unternehmenssprecherin Anette Nachbar.

Die allermeisten der mehr als 10.000 Beschäftigten und weiteren Saison-Aushilfen arbeiteten regulär, nur ein geringer Teil beteilige sich an den Streiks. Zudem verfüge das US-Unternehmen über ein europaweites Logistik-Netzwerk, dass die Streiks kompensieren könne.

Verdi rief an sieben Standorten zum Streik auf: Leipzig (Sachsen), Koblenz (Rheinland-Pfalz), Bad Hersfeld (Hessen), Graben (Bayern), Rheinberg und Werne (beide NRW) sowie beim DVD-Verleiher und Video-Dienst in Elmshorn (Schleswig-Holstein). Der Streik soll bis zum Ende der Spätschicht dauern, in Koblenz bis Dienstagfrüh, wie Verdi in Berlin mitteilte. Die Gewerkschaft setzt in dem Tarifstreit auf kurzfristig angesetzte Streiks.

Verdi fordert die Anerkennung des Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel. Amazon lehnt Verhandlungen darüber ab. Deswegen kommt es seit dem Frühsommer 2013 immer wieder zu Streiks. Das Unternehmen sieht sich als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen.

Verdi: Beschäftigte sind unzufrieden

"Wir sind der Meinung, dass wir jeden Tag zeigen, dass man auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber sein kann", betonte die Amazon-Sprecherin. An allen Standorten werde ein Stundenlohn von mindestens 10 Euro gezahlt. Der Durchschnitt liege bei 10,40 Euro. Hinzu kämen noch Sozialleistungen. Das Unternehmen arbeite auch an allen Standorten vertrauensvoll mit Betriebsräten zusammen.

Stefanie Nutzenberger, Bundesvorstandsmitglied bei Verdi, betonte indes: "Die Beschäftigten sind unzufrieden und fordern ihr Recht auf einen Tarifvertrag ein. Amazon hingegen mauert und stellt damit erneut seine Gewerkschaftsfeindlichkeit unter Beweis."

Zudem schildert Verdi schlechte Arbeitsbedingungen: Beschäftige beklagten unzumutbare Arbeitshetze, Leistungskontrollen und Gesundheitsbelastungen. Dies führe zu ungewöhnlich hohen Krankenständen. Und: Ein tarifliches Weihnachtsgeld läge für die Versandmitarbeiter bei 1337 Euro, Amazon zahle derzeit 400 Euro.

Auch im polnischen Breslau (Wroclaw) wollten Beschäftigte "gegen schlechte Arbeitsbedingungen" bei Amazon protestieren.