Amoklauf von Winnenden
Eine Stadt fragt nach dem Warum
Thomas Schwarz,
10.03.2010 18:09 Uhr
""Amokläufer sollen einen bestimmten Blick haben. Ist dir der bei Tim K. aufgefallen?""
TV-Moderator Lanz zu einer Schülerin
In den vergangenen Tagen sind Medienvertreter wieder aufgetaucht, höflich aber bestimmt haben die Psychologen Anne Niedermeier, Silke Köpple, André Ettl und Thomas Weber sie der Tür verwiesen. Das Team gibt sich Mühe, dass es nicht zu "Belästigungen" kommt, der Pavillon ist ein Schutzraum. Kurz vor dem Jahrestag des Amoklaufs steigt das öffentliche Interesse ins Unermessliche, aber parallel dazu steigt auch die Not und das Schutzbedürfnis der Betroffenen.
"Schon seit Wochen ist ein erhöhter Hilfebedarf zu spüren. Der Jahrestag ist mit Ängsten und Erwartungen behaftet", sagt Anne Niedermeier. Der Tod eines geliebten Menschen stellt für Angehörige eine Zäsur dar. Von diesem Moment an teilt sich das Denken, die Erinnerung in ein Davor und in ein Danach. Für Trauernde stellen diese Jahrestage notwendige Rituale dar, um den Verlust zu verarbeiten, sagen die Psychologen. Begangen werden sie normalerweise im engsten Kreis der Angehörigen. Dieser Wunsch nach Privatheit ist auch jetzt vorhanden, da sich der Winnender Amoklauf zum ersten Mal jährt, wird er sich schwer erfüllen lassen, da nun wieder alle Welt auf die Stadt nordöstlich von Stuttgart blickt. Zur offiziellen Gedenkfeier am Donnerstag werden bis zu 3000 Besucher erwartet, darunter der Bundespräsident und der Ministerpräsident des Landes. Von einem engen Kreis kann nicht die Rede sein.
Medien sollen Trauer der Betroffenen akzeptieren
"Für die Betroffenen wird der Tag, insbesondere die Tatzeit, zu einer Herausforderung, die wir sehr sensibel begleiten müssen", sagt Thomas Weber. "Wichtig ist, dass sich niemand zu etwas gezwungen sieht, alles ist freiwillig." Egal ob jemand zur Gedenkfeier gehen wolle oder nicht. "Es gibt kein richtiges oder falsches Verhalten." Das gelte vor allem, wenn jemand merke, dass es ihm zu viel wird und er die Veranstaltung verlassen möchte. "Wir haben uns im Vorfeld an die Eltern gewandt, um den Druck von ihnen und den Kindern zu nehmen", sagt Weber. "In der Weihnachtszeit hatten wir damit guten Erfolg", ergänzt Silke Köpple. Wer sich zurückziehen will, dem stehe der Pavillon am Donnerstag offen.
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