Amoklauf von Winnenden Prozess auf der Kippe?
dpa/lsw, 16.03.2010 12:51 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa
Stuttgart/Winnenden - Der geplante Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden steht auf der Kippe. Das Landgericht Stuttgart hat Nachermittlungen verlangt - und damit die Anklage gegen den Vater wegen fahrlässiger Tötung infrage gestellt. Somit ist um den einzigartigen Prozess ein juristischer Streit entbrannt. Gibt es am Ende doch nur einen Strafbefehl? Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart machte postwendend klar: Sollte das Landgericht Stuttgart das Hauptverfahren nicht eröffnen, werde die Anklagebehörde Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegen.

Die Anklage wirft dem Vater des Amokläufers Tim K. fahrlässige Tötung sowie fahrlässige Körperverletzung vor. Die Begründung: Der 17-Jährige ehemalige Realschüler hatte die Waffe, mit der er 15 Menschen und sich selbst erschoss, unverschlossen im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden. Opferanwalt Jens Rabe sieht die Hauptverhandlung trotz der Nachermittlungen nicht als gefährdet an: "Es ist jetzt Anklage erhoben. Das macht man ja auch nicht einfach so." Nachermittlungen vor Eröffnung des Hauptverfahrens seien "ein ganz normaler Vorgang".

Das Landgericht Stuttgart hatte die Staatsanwaltschaft um Nachermittlungen gebeten. Damit verzögert sich die Eröffnung des Hauptverfahrens. Insbesondere geht es der 3. Jugendstrafkammer um die Frage, ob Tim K. den Code des Waffenschrankes seines Vaters gewusst haben könnte, erläuterte eine Gerichtssprecherin. Anhaltspunkte dafür gebe es in den Akten. "Damit ist auch eine andere Bewertung des Fahrlässigkeitsvorwurfs denkbar." Gisela Mayer, Hinterbliebene eines Opfers reagierte am Dienstag entsetzt: "Ich kann das absolut nicht nachvollziehen."
Kommentare (17)
Anzeigen
APR
22
Yodiraqc, 11:36 Uhr

Erstaunlich...

...finde ich es als Rechtsanwalt, Jäger und Schusswaffenbesitzer, wieviele Kommentare hier für den Vater des Amokläufers Partei ergreifen. Aus meiner Sicht liegt der Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung auf der Hand und es ist völlig unerfindlich, mit welcher Begründung die Hauptverhandlung nicht eröffnet wird. Vergleicht man die Sachlage mit Strassenverkehrsrecht, bei dem kein Gericht auch nur Sekunden zögert, einen Autofahrer wegen geringster Überschreitung der angepaßten Geschwindigkeit unter Ignoranz aller Kausalitätserwägungen bei Unfällen wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen, sind die Bedenken des Landgerichts wirklich lächerlich. Die hiervon ausgehende Verzögerung hindert die Angehörigen der Opfer weiter an einer abschließenden Verarbeitung. Gerade wir Schusswaffenbesitzer sind aufgerufen, für solche gefährlichen Leute, wie den Vater des Amokläufers nicht auch noch Partei zu ergreifen. Was gibt das für ein Bild ab, wenn wir denjenigen zu entschuldigen versuchen, der tatsächlich vorwerfbar für die eigentliche Tat verantwortlich ist? Denn der Täter selbst dürfte aufgrund seiner psychischen Erkrankung wohl kaum schuldfähig gewesen sein, der Vater allerdings schon. Anstatt sinnloserweise die Waffengesetze ständig zu verschärfen ist es besser, diejenigen, die dagegen wie hier geschehen auf solch unglaubliche Weise verstoßen, auf das Strengste, nämlich tat- und schuldangemessen zu bestrafen. Etwas anderes als eine deutliche Haftstrafe ohne Aussetzung zur Bewährung wird der Sache und den erheblichen Folgen nicht gerecht. Man bedenke dabei, daß Strafen von einem Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung, für die oben erwähnten Verkehrsunfallangelegenheiten normal sind. Ich befürchte allerdings, daß dies unterbleiben wird...

MRZ
29
Nat. Rifle-Association, 14:34 Uhr

Support for Big-Gun Owners

Dear Anneliese S, dear Manne, dear Renate, dear Lysa, dear Eva-Maria aus Freudenstadt, dear Renate, and others. Thanks a lot for your contributions against the court-ruling on Tim K.'s father. It is very important to keep a progressive public opinion for the private rights on the possession of big guns and other weapons in Germany. These days many people in Germany want to get rid of private weapon-ownership, especially in the large-caliber-area. So your support in helping us against this is very wellcome and convincing the StZ-Readers about avoiding a trial in the Winnenden-case is a very good example. I must say, it is an excellent approach, to point out the "schicksal" of the family against the responsibility - arguments. If your media-activity has success, we must not fear the loss of our gun-business in Europe, especially in Germany. Thanks a lot & see you next time on Waffenmesse! Bye-Bye.

MRZ
29
Anneliese S., 12:09 Uhr

Prozess auf der Kippe

Man wird sich wohl oder übel damit abfinden müssen, daß Tim's Vater eben "nur" der Vater eines Mörders ist und nicht der Mörder selbst. Weil man an den Mörder nicht mehr herankommt, da er sich selbst gerichtet hat, kann man nicht einen anderen strafrechtlich büßen lassen. Ich denke da auch an andere Mörder, z.B.: die vom Remstal, die Yvan Schneider grausam umgebracht haben, die von München-Solln, die Dominik Brunner brutal totgeschlagen haben, oder die von Bad Buchau, die die Nachbarin kaltblütig für "nichts" ermordet haben. Man könnte auf die Idee kommen, daß auch diese psychische Probleme hatten. Ich habe nichts davon gelesen, daß da die Väter (mit-) angeklagt wurden, weil in der Erziehung ihrer Kinder "etwas falsch gelaufen ist".

Kommentar-Seite 1  von  6