Amokprozess Winnenden
Mutter des Amokläufers befremdet Gericht
Frederike Poggel,
18.01.2011 18:51 Uhr
Ute K.s Äußerungen stehen im Widerspruch zu der belastenden Aussage einer Betreuerin von Tim K. Foto: dapd
""Tim war nicht psychisch krank, er hatte keine
Depressionen."
"
Ute K. über ihren Sohn
Die drei Beamten, die Ute K. damals vernommen haben, sind dazu am Dienstag als Zeugen vor dem Landgericht befragt worden - obwohl die Staatsanwaltschaft bereits vergangene Woche plädiert hatte. Aber jetzt stimmte Ute K. der Verwertung ihrer Aussagen überraschend zu. Daher gebiete es die Aufklärungspflicht, wieder in die Beweisaufnahme einzutreten, so Richter Reiner Skujat: "Auch wenn das bedauerlich ist, was die zeitliche Abfolge betrifft."
Denn mit der Vernehmung von Ute K. und auch der Schwester des Amokläufers hatte das Gericht längst abgeschlossen. Im Prozess gegen Jörg K. waren im Oktober zwei volle Tage für die beiden reserviert worden. Doch beide machten wenig überraschend von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Keinesfalls wollten sie vor Gericht, vor den Augen der Angehörigen Getöteter aussagen. Eine zentrale Frage stellte sich daraufhin: Dürfen die Aussagen gegenüber der Polizei dennoch verwertet werden? Erschöpfend wurde das seinerzeit diskutiert, mit negativem Ergebnis. Umso überraschter zeigte Skujat sich jetzt vom Sinneswandel der Ute K., ebenso wie Staatsanwältin Eva Hanss: "Ich begrüße das, finde es aber befremdlich."
Wussten die Eltern von Tims Mordfantasien?
Auch wenn der Eindruck vermieden werden solle, es sehe doch so aus, als sei der Schritt mit der Verteidigung abgesprochen. Nicht zuletzt, da Ute K.s Äußerungen im Widerspruch zu der belastenden Aussage einer Betreuerin stehen. Diese hatte berichtet, die Therapeuten des Klinikums Weinsberg hätten Tims Eltern sehr wohl über dessen Mordfantasien unterrichtet.
Stimmt nicht: solche Hinweise der Ärzte hätten sie ernst genommen, sagte Ute K. bei einer Vernehmung am 25. März 2009. Sie seien pflichtbewusste Eltern. Keinesfalls hätte ihr Mann Tim unter diesen Umständen in den Schützenverein mitgenommen. Schon zuvor, am 14. März, hatte sie sich gegenüber einem Beamten ungehalten über "unverschämte Presseberichte" gezeigt: "Tim war nicht in stationärer Behandlung, es handelte sich nur um Gespräche." Später sei man nur auf das Klinikum zurückgekommen, um sich eines "Tricks" zu bedienen. Mit einer diagnostizierten Depression habe man das Kreiswehrersatzamt täuschen wollen, damit Tim weder zum Bund gehen noch Zivildienst leisten müsse. Eine Nachfrage nach Depressionen in der Familie, offenbar litten Tims Oma und sein Cousin daran, wiegelte sie ab.
Ihr Sohn, das einst "fröhliche, wuselige Kind", habe sich immer mehr zurückgezogen. Doch sein Verhältnis zu den Eltern sei normal gewesen, ebenso wie Tim sich kurz vor seinem Amoklauf normal verhalten habe. Am Morgen habe er noch im Schlafanzug mit seiner Mutter am Frühstückstisch gesessen, vor sich Kuchen und Kakao. Einen völlig verwirrten, zerrissenen Eindruck machte Ute K. auf die Beamten, als sie nur Stunden später auf der Polizeidirektion Waiblingen saß.
An der Einschätzung der Staatsanwaltschaft ändert sich durch Ute K.s Aussage nichts: "Alles spricht dafür, dass die Betreuerin die Wahrheit gesagt hat", so Eva Hanss. Schon zum Zeitpunkt der Vernehmung sei bei Ute K. ein Problembewusstsein vorhanden gewesen. Die Ankläger fordern weiterhin, Jörg K. unter anderem wegen 15-facher fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung zu verurteilen. Am Donnerstag, 27. Januar, plädieren die Vertreter der Nebenklage.
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Fragen über Fragen
Hat denn bei Tim K. der "Trick" mit dem Kreiswehrersatzamt geklappt ? Oder wehrt man sich dort standardmäßig gegen die (vermutlich häufigen) Täuschungsversuche, indem man psychisch Kranke nur im Einzelfall aussortiert, nämlich wenn sie ein besonders qualifiziertes Attest vorlegen ? Sprich: Nimmt man dort billigend in Kauf, dass unter z.B. 100 Schwindlern / Übertreibern ein echter, gefährlicher Kranker gegen seinen Willen zu den Waffen gerufen wird? Der zwar sein psychisches Problem dem Amt vorträgt, dessen Attest aber nicht vorliegt oder dem Amt nicht gut genug ist ? Die Familie K. hatte den Abschlussbericht der Fachklinik mehrfach angemahnt, aber erst sechs Monate nach Tims letzter Vorsprache wurde der Bericht erstellt. Und zwar 9 Tage nach dem Amoklauf, als schon allein aus Gründen des Eigenschutzes das Fachpersonal hastig klarstellen musste, nichts von einer vorhersehbaren Eigen- und Fremdgefährdung durch Tim K. gewusst zu haben. Tim K. hatte also keine guten Karten (Atteste), um dem Wehrdienst zu entgehen. Und nur wenige Monate trennten ihn von der Volljährigkeit und einer evtl. Einberufung. Dann hätte nicht ein fürsorglicher Vater ihn zum (vereins-)Schießstand mitgenommen, sondern ein brüllender Feldwebel hätte ihn zum (Kasernen-)Schießstand marschieren lassen. Dann müssten nicht Staatsorgane mühsam ermitteln, ob irgendwelche (Klassen-)Kameraden ihn hänselten oder nicht. Denn bei den uniformierten Kameraden von Deutschlands größtem, staatlichen Schützenverein zählen Hänseleien zu den eher harmlosen, aber selbstverständlichen "Basics" eines Rituals, das noch ganz andere Schikanen auf Lager hat. Dann müsste man nicht fragen, ob zwischen Schulstress und Schützenverein sich bei ihm Tötungsfantasien eingestellt haben. Denn nicht das sportliche Wettkampf-Erlebnis ist Fernziel jeder Schießausbildung in einer Armee, sondern das Erlernen eines möglichst treffsicheren Tötens von Menschen . Wäre erst in der Kaserne der Impuls zum Amoklauf gekommen, wen würde dann der Staatsanwalt vor die Schranken des Gerichts zerren, um ihn - stellvertretend für den toten Täter - zu einer Freiheitsstrafe wegen fehlender Hellsichtigkeit verdonnern zu lassen ?
an die Nebenkläger
Vor vielen Jahren, als unsere Tochter 9 Jahre alt war, hat sie trotz Verbot, an diesem Tag mit dem Fahrrad zu fahren , eine alte Frau von der Nachbarschaft angefahren und diese so schwer verletzt, dass die Frau ins Krankenhaus kam und tagelang auf der Intensivstation behandelt werden mußte. Dies war für uns Eltern so "unsagbar furchtbar" wir haben jeden Tag gebetet, dass diese Frau den Sturtz überlebt. Gott sei Dank, diese Frau war nach vielen Wochen wieder ganz geheilt. Versetzen Sie sich in die Lage, der armen Eltern von Tim. Diese arme Eltern würden mit Sicherheit alles geben, wenn sie das " Geschehene" ungeschehen machen könnten. Glauben Sie mir, ich weiß von was ich rede. REICHT DIESEN ELTERN DIE HAND UND QUÄLT SIE NICH LÄNGER !!!
Winnenden-Prozess
Ich hoffe nur , dass die zuständigen Richter diese, bereits hartbestrafte Familie von Tim K., nicht noch tiefer ins Unglück stürzen und den Vater NICHT für die Tat seines Sohnes verantwortlich machen!!!!! Diese Meinung vertreten alle , mit denen wir bereits schon über diesen Prozess gesprochen haben. Von den Nebenklägern erhoffe ich überhaupt nichts mehr, diese haben ihr wahres Gesicht in den letzten Monaten offen genug gezeigt!