Ampelschaltung Kritische Radfahrer sehen Rot

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Radler beklagen auf ihrer offiziellen Hauptroute lange Wartezeiten an der Kreuzung vor dem Tagblattturm. Die wäre nur per Umbau verkürzbar, aber der ist vertagt.

So lässt sich die Wartezeit verkürzen – allerdings nicht legal. Foto: red
So lässt sich die Wartezeit verkürzen – allerdings nicht legal.Foto: red

S-Mitte - Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, kurz ADFC, führt die Kreuzung seit 2012 auf seiner roten Liste, mit der Behinderungen des Radverkehrs angeprangert werden. Nun hat sie auch die Critical Mass entdeckt, jene Gemeinschaft von Radfahrern, die vor allem mit Gruppenausfahrten bezweckt, die Straße für die umweltfreundliche Fortbewegung in Anspruch zu nehmen.

Die Kreuzung ist die der Tor- und Stein- zur Eberhardstraße, die vor dem Tagblattturm. An deren Ampel müssen Pedaleure bis zu 90 Sekunden warten, hat die kritische Radlermasse gestoppt und diesen Umstand als Skandal enttarnt. Zwar sind die Wartezeiten auch für Autofahrer nicht kürzer, aber die Kreuzung ist Teil der Hauptradroute durch die Innenstadt. Und zumindest auf der möge freie Bahn für freie Radler gelten, reklamieren die Radler.

Die Ampel wird nicht fallen

Ein Stoppschild an der Tübinger Straße, ebenfalls Teil der Hauptroute, hatte die Bewegung mit Protestaktionen zu Fall gebracht. Nun soll die Ampel folgen. Die allerdings wird nicht fallen, jedenfalls nicht in den nächsten Jahren. Denn aus Sicht eines Signaltechnikers ist die scheinbar unscheinbare Kreuzung ein vertrackter Fall. Eben wegen der Radfahrer, denn die „behindern sich vereinfacht gesagt gegenseitig“, sagt Wolfgang Hertkorn, der im Rathaus die Abteilung Verkehrsmanagement leitet.

Autos sind an jener Kreuzung vergleichsweise wenige unterwegs, Radfahrer vergleichsweise viele, überdies dürfen sie Wege wählen, die Autofahrern verboten sind. „Die Wartezeit von maximal 90 Sekunden ist richtig“, sagt Hertkorn, „wir haben da eine unglückliche Situation“. Die ist, dass der Verkehr aus drei Straßen auf die Kreuzung fließt und die Auswahl aus bis zu drei Fahrtrichtungen hat. Was für den Gegenverkehr selbstverständlich genauso gilt. Zusätzlich sind drei Fußgängerampeln zu berücksichtigen, und der Bus fordert gemäß dem Leitsatz Vorrang für den öffentlichen Nahverkehr für sich Grün an.

Auf den Straßen abseits der Hauptroute „sind sicher keine Massen an Radfahrern unterwegs“, sagt Hertkorn, „aber ich muss sie alle trennen“, der Sicherheit wegen. Wenn Radfahrer A wartet, während erst für Radfahrer B, dann für C freie Fahrt gilt, „entsteht der Eindruck, ich stehe ewig, und nichts passiert“. Schlicht, weil B und C nur theoretisch unterwegs sind. Die Ampel sei überprüft, die Wartezeit minimal verkürzt worden, „aber die Geometrie der Kreuzung kann ich nicht ändern“, sagt Hertkorn. Dazu wäre ein Umbau nötig.

Der Umbau taugt weit eher zum Skandal als die Ampel

Der ist seit Jahren versprochen und taugt weit eher zum Skandal als die Ampel. Die einst versuchsweise, längst endgültig für den Autoverkehr gekappte Straße wollte der ehemalige Baubürgermeister Matthias Hahn zwischen Wilhelmsplatz und Tübinger Straße zu einem großstädtischen Boulevard umbauen lassen. Vor vier Jahren entschied das Architekturbüro Behnisch einen Wettbewerb für sich, mit dem das Vorhaben befördert werden sollte. Teil der Pläne war, die Kreuzung zu einem Kreisverkehr umzubauen. Hahn erklärte, die Arbeit könne im Jahr 2014 beginnen.

Allerdings ist bis heute kein Baubeginn in Sicht. Eine schwarz-grüne Mehrheit im Gemeinderat hat die Verwirklichung bei den jüngsten Haushaltsberatungen erneut in die ferne Zukunft verschoben. „Leider“, sagt Stephan Oehler, der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamts, „wir bedauern das auch, die Kreuzung ist wirklich verbesserungswürdig“.

Allerdings wird sie keinesfalls vor 2018 verbessert und keinesfalls so, wie die preisgekrönten Planer es vorgesehen hatten. Von ihren Vorschlägen blieb nach dem Amtsumlauf wenig. Ganze Baumreihen wichen schlichten Pflanztrögen. Der Kreisverkehr ist ebenfalls gestrichen. Die aktuelle Lösung der Wahl ist eine Art viereckige Kreuzung – die wäre immerhin nahezu ampelfrei. Nur noch der Bus soll den Verkehr stoppen können. Geblieben sind breitere Gehwege und: statt der roten Streifen auf dem Gehweg echte Radwege.

Auf die hätte die Stadt aus Sicht der kritischen Radlermasse als erstes verzichten können. In deren zehn Geboten für sicheres Radfahren ist an dritter Stelle zu lesen: „Fahre möglichst nicht auf Radwegen.“ Das sei zu gefährlich.

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12 Kommentare Kommentar schreiben

Lächerlich. : Ich bin ja auch Hobbyradfahrer, aber das ist doch alles Schwachsinn. 90 Sekunden kann jeder warten, auch mal ein Radfahrer. Und vor allem, wenn die Stadt es schlüssig erklären kann, warum das so ist (Sicherheit) . Davon abgesehen bin ich der Meinung, dass gerade an dieser Kreuzung die Autos doch deutlich in der Überzahl sind, die Radfahrer sich also mal verbal etwas zurückhalten sollten. Trotz grün-roter Landesregierung (noch) gehört denen nicht die Straße allein.

Zustimmung!: Sie haben 150 % recht. So langsam kann man es nicht mehr hören und die STZ glaubt auch sie muss jeden 2. Tag dem ADCF und sonstigen Radlobbysten eine Plattform bieten.

Keine Aufregung : wir haben nur zu viele Autos iin der Innenstadt. Deshalb müssen Maßnahmen getroffen um werden damit Menschen auch ohne Auto mobil sind. Eine davon ist das Radfahren so attraktiv zu machen, daß mehr Fahrten mit dem Rad gemacht werden. Also immer den Ball flach halten.

Verkehrsversuch: Die Kreuzung ist für mich eine der zahlreichen, an denen die Ampel, jedenfalls außerhalb der Spitzenzeiten, abgeschaltet gehört. Vertrauen wir doch mal darauf, dass die Verkehrsteilnehmer Augen und ein meist sogar ein Hirn haben. Dann kann man auch ohne Vollverampelung sicher eine Kreuzung überqueren, egal ob auf dem Rad oder im Auto. WIr machen doch andauernd irgendwelche sogenannten Verkehrsversuche. Warum bestehen die eigentlich immer darin, alle hundert Meter neue Ampeln aufzustellen, anstatt mal welche abzustellen? Ich bin gestern gegen 22.00 Uhr durch die Stadt gefahren. Wenig los. Aber bestimmt zehnmal an einer roten Ampel gestanden und leere Straßen betrachtet. Sollen die Spezialisten in ihrer tollen Leitstelle doch wenigstens einmal nachts oder sonntags mal ein paar ihrer Lichtorgeln abstellen. Da wird es dann schon keine Massenunfälle mit Radfahrern oder Schulkindern geben. Und auch ein Vorrang für Busse braucht es nicht mehr, wenn sowieso kaum mehr einer unterwegs ist. Oder muss da wieder irgeneine Verwaltungsabteilung ihre eigene Unverzichtbarkeit unter Beweis stellen?

Warten an der roten Ampel?: Die meisten Radfahrer fahren dort doch sowieso durch, ganz egal, ob die Ampel rot oder grün zeigt. Einfach sich mal ein paar Minuten dort hinstellen und die Szenerie beobachten...

Das ist der Beweis: Wenn es tatsächlich so ist, dass die *meisten* Radfahrer die Ampel auch bei Rot passieren und trotzdem nicht täglich tote Radler dort zu beklagen sind, ist das doch der beste Beleg, dass man auf die Ampel verzichten kann. Wenn die Stadt ganz demokratisch den Radleranteil von 7% auf 20% erhöhen will (schon seit OB Schuster), dann muss auch mal was gemacht werden, um die Radler zu bevorzugen. Die faktisch parallele Hauptstätter Straße ist für die Autos reserviert, dann wäre es nur fair, die Tübinger Str. und die Eberhardstraße als bevorrechtigte Durchganbsstraße für Radler einzurichten.

Einfach abschalten: Manchmal sind die einfachsten Lösungen auch die besten. Wenn der wichtigste Grund für die Ampel der ist, dass sich die Radler gegenseitig behindern, muss ich schmunzeln. Radler sind viel umsichtiger, als die meisten glauben. Schlimmstenfalls wird entlang der Hauptradroute eine Vorfahrtstraße eingerichtet und eine Bedarfsampel, die von den Bussen angeschaltet wird, hilft dem öffentliche Verkehr.

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