Analyse S-21-Schlichtung als Objekt der Wissenschaft

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In einem disziplinenübergreifenden Projekt werten Forscher der Uni Konstanz die Schlichtungs-Protokolle zu Stuttgart 21 aus dem Jahr 2010 aus. Staatsrätin Erler lobt das Projekt – und sieht sich in ihrer Arbeit auf einem guten Weg.

Staatsrätin Gisela Erler lobte im Bahnhofsturm die Beteiligungspolitik der grün-roten Landesregierung. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Staatsrätin Gisela Erler lobte im Bahnhofsturm die Beteiligungspolitik der grün-roten Landesregierung.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Bahnhofs- statt Elfenbeinturm: Hoch über den Gruben für Stuttgart 21 ist am Donnerstag und Freitag wissenschaftlich nochmals jene Veranstaltung beleuchtet worden, die aus der Historie des Bahnprojekts nicht wegzudenken ist: Die Schlichtung mit Heiner Geißler, die im November 2010 im Rathaus stattfand.

Die bundesweit beachtete Gesprächsrunde unter der Leitung des vormaligen CDU-Generalsekrektärs dient den Wissenschaftlern allerdings nur als Vehikel. Gefördert durch das Bundesforschungsministerium haben sich Politikwissenschaftler, Linguisten und Informatiker der Universität Konstanz drei Jahre lange Gedanken darüber gemacht, wie die „Analyse und Visualisierung von politischen Verhandlungen“ gelingen könnte. So lautet der Untertitel des Projekts „VisArgue“, zu dessen Abschlussworkshop sich die Wissenschaftler hoch über den Baugruben von Stuttgart 21 zusammenkamen. Anders als bereits vorhandene Verfahren setzt das Konstanzer Projekt auf automatisiertes Vorgehen. Dass die Schlichtung in den Fokus wissenschaftlichen Forscherdrangs geriet, liegt auch am vergleichsweise profanen Umstand, dass die Diskussionsrunden gut dokumentiert sind.

9900 Redebeiträge in 65 Stunden Sitzungszeit

An neun Sitzungstagen im November 2010, lieferten rund 70 Sprecher in 65 Stunden Diskussionszeit gut 9900 Redebeiträge. Ein Konvolut an Protokollen, das kaum zu sichten ist. Hier setzten die Forscher an. Allerdings bedienten sie sich nicht der offiziellen Protokolle. Die seien um die unvermeidlichen Füllworter bereinigt, erklärt die Linguistikprofessorin Miriam Butt. Doch auch aus diesen Zwischentöne lesen die Wissenschaftler etwas heraus – wenn es beispielsweise darum geht, wie ausgefeilt einzelne Redebeiträge waren. So gibt etwa Geißlers ausdauernd verwendete Bekräftigungsformel „nicht wahr“, einen Hinweis auf des Schlichters Bemühung, eine gemeinsame Ebene zu schaffen. Auf rund 50 Kriterien klopft das Team von Butt und ihrer Kollegen Katharina Holzinger (Politikwissenschaft) und Daniel Keim (Informatik) die wortgetreuen Protokolle, die im Internet zu finden sind, ab. Aus wissenschaftlicher Sicht, sei die Schlichtung eine gelungene Sache gewesen, resümiert Butt.

Landesregierung sieht sich bei Beteiligung auf gutem Weg

Damit liegt sie auf der Linie von Gisela Erler, baden-württembergische Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung. Auch wenn Erlers Grüne aus der nachfolgenden Volksabstimmung als Verlierer hervorgegangen sein, so wertet sie die Umsetzung des Ergebnisses doch als „Mutter allen Vertrauens in die Landesregierung“. Vehement verbat sie sich, Elemente der Bürgerbeteiligung wie etwa den Filder-Dialog „als Alibi-Veranstaltungen zu desavouieren“. Es gehe um „Verfahrensakzeptanz und nicht um Ergebnisakzeptanz“, sagte Erler und zitierte einmal mehr Winfried Kretschmanns Sentenz ,wonach „gehört werden nicht automatisch auch erhört werden“, bedeute.

81 Kommentare Kommentar schreiben

Selbstjustiz: Erschütternd was sich alles so abspielt in einer Schlichtung , welche auch noch ein fundamentales Ergebnis hervorbrachte. Das Schöne daran ist , ist das Schöne darin.

Ein Fall für das Strafgericht!: Lügen, Lügen und nochmals Lügen! falsche Versprechungen machten die Engagierte Bevölkerung stink sauer. Dilettantismus statt Professionalität bei Politik Bahn und Teilen der Wirtschaft. Das Ding aus einer anderen Welt namens "Stuttgart21" bringt 20 Jahre nichts als Ärger danach Schulden der öffentlichen Haushalte. und Reibach im Immobiliengeschäft. Die Sache ist nix neues, das gab es schon im alten Rom. Auch damals wurden unnütze Sachen Gebaut wie z.B die ganzen Bauten des Kaisers Nero. Angesichts des Anspruchs den Deutschland in die Welt trägt ein Vorbild in Demokratie, Wirtschaftlichkeit und Sozialwesen zu Sein ist das Ganze ein Gigantisches Trauerspiel voller Eitelkeiten der Mächtigen. Niemand denkt aber an diejenigen die den Preis dafür zahlen. Die die die Verkehrskatastrophe ertragen oder den Lärm oder den Dreck oder die wirtschaftlichen Einbußen. Es sind wirklich nur wenige die Profitieren werden.

Ein Fall für das Strafgericht!: ________: oder das Königlich Bayrisches Amtsgericht !

Für das Strafgericht!: Bin mir da sicher Herr Anselm, denn die Provinzposse ist Stuttgart21 nicht der berechtigte Protest dagegen. Die "Projektpartner "Stuttgart21" beweisen diesen Sachverhalt täglich aufs neue!

berechtigter protest...: protestieren darf jeder nur ob er Ernst genommen wird, hängt auch vom Stil ab.

Was soll uns Ihre Werbesendung sagen?: Mögen Sie lieber den Stil von Hern Mappus?

Glaskugel: Sind Sie mit Ihrer Glaskugel wieder auf dem Frühlingsfest anzutreffen oder erst im Herbst beim Volksfest?

Herr Peter, der mit der Glaskugel sind doch Sie, der behauptet heute schon zu wissen, was die von der Stadt gekauften Grundstücke 2021 wert sein werden. --- Auf der anderen Seite sind Sie auch Realitätsverweigere, welcher die von 2012 stammenden Kostenberechnungen der Bahn als einzig richtig darstellt, aber die genau auf diesen Bahnzahlen von 2012 aufbauende Kritik an der Kostenrechnung der Bahn im Zeit-Artikel vom 25.07.2013 als "nur tauglich für den Papierkorb." bezeichnet. Herr Peter, Sie sollten schon wissen was Sie wollen. Entweder sind die Zahlen der Bahn von 2012 gültig und damit auch die Kritik von 2013 daran, oder weder das eine noch das andere gilt heute noch. Oder aber, und das wird wohl am ehesten auf Sie zutreffen, Sie schaffen sich Ihre persönliche S21-Realität, so wie Sie sie brauchen. Mit der realen Realtität hat Ihre persönliche S21-Realität aber nichts mehr gemein.

Wurschtbahn: ob man hier wohl den Tatsachen wirklich mal ins Gesicht schaut. Man darf gespannt sein. Das Schlichtungsergebnis spielt schließlich für die Bahn so gut wie keine Rolle, die macht weiter ihren Stiefel. Das Unternehmen hat sich noch nicht sehr daran gewöhnt, dass es sich hier in einem Rechtsstaat befindet.

Die Bild-Zeitung weiß es schon heute: Die sogenannten Grünen gewinnen die Landtagswahl haushoch. Denn was in der Bild-Zeitung steht, stimmt schließlich immer!!! Ich selbst glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe und keiner Umfrage, die ich nicht selbst in Auftrag gegeben habe. Wer hat diese ach so entscheidende Umfrage der Bild eigentlich in Auftrag gegeben? Wer ist befragt worden? Bild-Zeitungs-Leser? Fragen über Fragen.

Fragen sie : einfach Herr Knabe ,der stellt diese Umfragen je in alle Artikel und bricht in Vorjubel aus !

Bl....ö...nn: Mehr gibt es dazu nicht zu sagen

S21 als Studienobjekt....: es wird immer noch zu viel verklärt, die wirklich wichtigen Fragen stehen noch aus; wieso ein Bhf in der Lage ist, Familien zu spalten. Wieso Menschen unversöhnlich werden? Wieso das Recht haben wichtiger wird, als Versöhnung und Miteinander? .... ? ---------------------------------------------------------------------------------------------------------- Als Befürworter muss man da noch Geduld haben, so wird der Lügenzaun noch eine gewisse Zeit im Stadtmuseum verklärt werden. Es wird noch so lange dauern bis "Gras auf dem Deckel" gewachsen ist. Erst dann werden wir realistische unverklärte historische Debatten haben. Die werden kein Selbstläufer, doch Sie werden kommen, warum die Gegner haben es übertrieben, hätten sie nach der VA aufgehört bzw. angefangen, das Beste aus der Situation zu machen, sehe es vielleicht anders aus. -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Für Bürgerbeteiligungen schlage ich vor eine Empörungsgruppe einzuberufen oder zumindest einen Raum zu schaffen indem man wilde Parolen an Flipcharts schreiben kann, ganz anonym wie der Lügenzaun ...

Da das Originalzitat: nicht gedruckt wird, hier die Übersetzung: Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du ein Philosöphchen geblieben. Teilfachbereich: Friede-Freude-Eierkuchen-Systematik.

Herr Jakob: warum beherzigen Sie ihr Zitat eigentlich nicht?

Na ja: Sie waren auch schon besser. Nichts Eigenes eingefallen heute ? Oder ist das die Esslinger Philosophenschule- der vermeintlich schlagfertige Einzeiler ? Da meine Fakultäten nichts primär mit den Philosophen zu tun haben, kann ich nicht mit philosopholus dienen. Redigieren Sie eigentlich die Ergüsse des M.B. , weil der neuerlich sich sogar zunehmend erfolgreich an der Interpunktion übt ?

Herr Jakob, zu viel der Ehre: im Gegensatz zu Ihnen habe ich nur EINEN akademischen Abschluss, in der Hinsicht bin ich Ihnen hoffnungslos unterlegen. Auch hat mein Abschluss weder mit Philosophie noch mit Journalismus zu tun, da liegen Sie mit Philosophenschule und mit redigieren genausoweit daneben wie auch mit Esslingen. - - - Und das mit dem Einfallen, da hoffe ich, dass mir das in meinem Leben auch weiterhin erspart bleibt, aber danke der Nachfrage.

Sie brauchen ihr Licht : nicht ironisch unter den Scheffel stellen mit Ihrem akademischen Abschluß. Den glaube ich Ihnen sogar angesichts Ihres Duktus und Ihrer ansonsten gehäuft ernsthaften und meist sachlichen Argumentation aufs Wort. Die Qualität eines solchen Abschlusses zählt , nicht Quantität, Wenn beides zusammenkommt, hat man einerseits zumeist mehr Blickwinkel, andererseits aber auch mehr Aufwand und Ärger, da sich vermeintlich Einfaches nicht als solches entpuppt und in kurze Schlagzeilen packen läßt. Da Sie ja aber auch nicht erst seit vorgestern hier mitposten, dürften Sie den Wink mit der Esslinger Einzeiler-Philosophenschule schon verstanden haben. Oder ist Ihnen noch nicht AUFGEFALLEN, was Mancher So EINFÄLLT, daß ihr Objekt der Begierde nicht ZUSAMMENFÄLLT ?

Herr Jakob, da möchte ich Ihnen jetzt ganz ohne Sendungsbewusstsein widersprechen : -) Der Blickwinkel hängt nicht nur von Qualität und/oder Quantität der akademischen Abschlüsse ab, sondern auch von Intelligenz und allgemeiner Lebenserfahrung sowie der Offenheit für neue/andere Sichtweisen (z.B. die "schwäbische Dialektik": "So isch's no ao wiedr"). Jeder dieser von mir angesprochenen Punkte kann den Blickwinkel vergrößern, bietet aber noch keinerlei Gewähr dafür. - - - Erlauben Sie mir einen zwar etwas hinkenden, aber doch anschaulichen Vergleich, der jetzt nicht persönlich gemeint sein soll (und auch nicht persönlich gemeint sein kann, dazu kenne ich Sie zu wenig): wenn bei einer Person der eine Abschluss aufgrund breiter Anlage des Studiums einen Blickwinkel von z.B. 45° ergibt, so ist der Blickwinkel immer noch größer als bei der anderen Person, deren zwei Abschlüsse aufgrund anderen Studienaufbaus lediglich jeweils einen Blickwinkel von z.B. 25° und 15°, in Summe also 40° ergeben.

das Bild ergänzend...: es kann auch vorkommen das nur die Schnittmenge bzw. die Überlagerung der beiden Blickwinkel übrig bleibt. Das man durch Vertiefung in mehrere Fachgebiete eben nicht offener, sondern eingeschränkter wird. Denn Synergie über verschiedene Wissensbereiche hinaus, ist leider keine Selbstverständlichkeit. -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Aus eigener Erfahrung Synergie kann nur erfolgen wenn Gelassenheit und Bodenhaftung vorhanden sind. Sobald Steckenpferde oder Lügentürme die Themen überlagern, wird nicht mehr sondern weniger erreicht.

Ihrer Feststellung: von der Unabhängigkeit allgemeiner "Kenntnis der Welt" von gegebenenfalls vorhandenen akademischen Abschlüssen kann ich voll zustimmen. Sowas muß nicht sein.Ich habe im Laufe meines Lebens eine ganze Menge höchst intelligenter, lebenserfahrener menschen getroffen, die keinerlei derartige Abschlüsse gesaßen.Zur Frage des Faches, welcher in dieser Hinsicht den größten Blickwinkel will ich mich nicht äußern, das gäbe dann wirklich eine Diskussion im akademischen Elfenbeinturm. Ihre Summation- die im Gegensatz zur mengenlehrebasíerten Schnittmenge des Herrn Braun - tatsächlich auch anzuwenden wäre, unterstellte aber, daß die zusammengezählten Einzelfächer aus hochspezialisierten Subspezialitäten mehrere Fächer bestehen. Solche setzen aber üblicherweise IMMER ein umfassendes Grundstudium voraus." So gseha , isch no au wiedr so " war schon immer ein gutes Resultat einer z.B. Tübinger studium generale-Teilnahme. Und Danke für Ihre seriöse Antwort.

Blickwinkelsummation vs Überlagerung...: kann man das beurteilen, wenn man in der Soße gefangen ist. Ein Urlaub in der Metaebene 3 könnte helfen.

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