Andrej Heilig läuft allen davon
"Leonberger Kreiszeitung", 04.04.2011 02:36 Uhr
Leichtathletik Beim 26. Gerlinger Solitudelauf sind 1394 Athleten aller Altersklassen gestartet. Von Marius Venturini

Natürlich bin ich fit", hat Schrittmacher Holger Wiegleb im Startbereich versichert, "eigentlich könnte ich so um die 1:30 oder 1:35 laufen." Beim Halbmarathon des 26. Gerlinger Solitudelaufs betätigte sich der 47-Jährige jedoch als Taktgeber für Läufer, die eine Zeit knapp unter zwei Stunden anpeilten. Dass es schließlich doch um die 20 Sekunden mehr wurden, lag daran, dass Wiegleb in der letzten Kurve noch auf einige Athleten wartete und sie mit ins Ziel nahm.

Eine gute Dreiviertelstunde zuvor hatte Andrej Heilig in einer Zeit von 1:14,59 Stunde bereits den Sieg über die 21,1 Kilometer perfekt gemacht. Er blieb damit 21 Sekunden vor dem Sieger des Jahres 2008, Stefan Weigert (1:15,20). Die beiden kennen sich schon lange von den verschiedensten Laufveranstaltungen. "Als ich Stefan am Start gesehen habe, wusste ich, dass es heute hart wird", so Heilig, der für das Sindelfinger Stahl-Sport-Shop-Tram startet. Er sei aber mit dem Wissen nach Gerlingen gekommen, dass er durchaus in der Lage ist, den Solitudelauf zu gewinnen. Auch wenn er bei seiner ersten Teilnahme und fast schon sommerlichen Temperaturen ordentlich beißen musste. "Um Kilometer zwölf herum hatte ich etwas Probleme beim Atmen", sagte er, "aber ab Kilometer 16 wollte ich es dann noch einmal wissen. Am Schluss war es wohl auch eine Kopfsache, wer den Sieg am meisten wollte." Den dritten Platz belegte der Ungar Andras Avar aus der Gerlinger Partnerstadt Tata.

Beim Halbmarathon der Frauen siegte die Vorjahreszweite Branka Hajek vom LAZ Ludwigsburg in einer Zeit von 1:34,31 Stunde. Damit blieb sie mehr als zehn Minuten über ihrer Marke aus dem Jahr 2010. Auch Solitudelauf-Pressesprecherin Kathrin Schramm stellte fest, dass "es heute keine richtig schnellen Zeiten gibt." Zweite wurde die Stuttgarterin Claudia Richter (1:37,41). "Mein Ziel war es, unter 1:38 zu bleiben, und das hat geklappt", so die 42-Jährige, "aber nachdem ich meine Kontrahentinnen überholt habe, war mir das eigentlich egal. Und dass es jetzt zum zweiten Platz gereicht hat, ist natürlich super." Dritte bei den Frauen wurde die Ditzingerin Melanie Altenbeck (1:37,59).

Walter Koch, der zweite Schrittmacher im Halbmarathonfeld, machte im Ziel den Eindruck, als könne er die Distanz problemlos noch einmal laufen. Der 72-Jährige, der in den Altersklassen M 50 bis M 70 schon alles gewonnen hat, hat eine ganz eigene Meinung zum Streckenprofil: "Es ist definitiv leichter als beim New York Marathon, denn da sind die Steigungen an den Brücken das tückische." Seine Zeitvorgabe von 1:44 konnte er mit 1:46 nahezu einhalten.

Über die Zehn-Kilometer-Distanz holte der Feuerbacher Peter Vester in 35:57 Minuten den Sieg. "Ich habe mir eigentlich nicht von Beginn an vorgenommen, zu gewinnen", so der 37-Jährige. So habe er sich auch gewundert, dass nach dem Startschuss niemand mitgegangen sei. "Ich bin dann einfach mein eigenes Rennen gelaufen und daraus wurde ein Start-Ziel-Erfolg", so der glückliche Sieger, der genau wie der Halbmarathon-Erste Andrej Heilig aus dem Triathlon-Lager stammt. Zweiter wurde Christian Kunisch von der SV Böblingen (36:14), den dritten Platz belegte der Pliezhausener David Köndgen (36:32). Bei den Frauen war erneut Vorjahressiegerin Anja Reinhardt vom Team Heart&Sole erfolgreich (39:02). Sie hatte mehr als zwei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Jevgenia Selkova vom Wikinger LC (41:13). Dritte wurde mit nur einer Sekunde Rückstand Luisa Moroff vom TSV Dagersheim.

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