Animation Production Day Speeddating für Trickfilmmacher

Von Nora Stöhr 

Auf dem Stuttgarter Animation Production Day können internationale Produzenten und Geldgeber in Einzelgesprächen herausfinden, ob sie für ein Projekt zusammenarbeiten wollen. Auch ARD und ZDF suchen dort nach neuen Sendungen.

Für den Film „Marnies Welt“, der lose auf der Geschichte der Bremer Stadtmusikanten basiert, wurde auf dem Branchentreffen ein Koproduzent gesucht. Foto: Scopas Medien AG
Für den Film „Marnies Welt“, der lose auf der Geschichte der Bremer Stadtmusikanten basiert, wurde auf dem Branchentreffen ein Koproduzent gesucht.Foto: Scopas Medien AG

Stuttgart - Ein Glockenklingeln hallt durch die Stuttgarter L-Bank. Das ist das Zeichen, dass die 30 Minuten vorbei sind. Das Gespräch, das gerade geführt wurde, ist nun zu Ende, ein anderes beginnt gleich. Auf dem Animation Production Day (APD), der im Rahmen des Internationalen Trickfilmfestivals stattfand, kamen Produzenten und Vertreter von Animationsstudios oder Fernsehanstalten zusammen, um über mögliche Kooperationen zu verhandeln. In 40 kleinen Separees, durch weiße Aufstellwände voneinander getrennt, konnten die Teilnehmer in halbstündigen Einzelgesprächen herausfinden, ob sie für ein Projekt zusammenkommen wollen – Speeddating für die Macher und die Geldgeber von Animationsfilmen sozusagen.

„Es ist wichtig, dass man sich früh genug um eine Finanzierung kümmert“, sagt Marlene Wagener, Organisatorin des APD. Die meisten der Projekte, die in Stuttgart verhandelt werden, seien daher laut Wagener noch in einem recht frühen Stadium. Während manche Produzenten bereits einen Trailer haben, den sie den Interessenten zeigen können, kommen andere nur mit einer Idee. Dass die Projekte noch nicht so weit fortgeschritten seien, sei vor allem auch für Fernsehsender, die als Geldgeber fungieren, interessant. Sie haben in dieser Phase nämlich noch die Möglichkeit, Einfluss auf das Projekt zu nehmen. Auf dem APD, so erzählt Wagener, werden vor allem kommerzielle Projekte wie animierte Kinofilme oder TV-Serien verhandelt.

Ein Drehbuch und ein Trailer sind hilfreich

Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin im ZDF-Kinderprogramm, will den APD nutzen, um für das ZDF und den Kika, den gemeinsamen Kinderkanal von ARD und ZDF, nach Projekten von deutschen Produzenten Ausschau zu halten. „Die Produktionen, die aus Deutschland kommen, laufen im Kika sehr gut. Außerdem wollen wir auch die deutschen Produktionsfirmen unterstützen“, sagt Wellershoff. Findet sie eine Idee oder ein konkretes Projekt interessant, das sie auf dem APD vorgestellt bekommt, dann wird sie die Produzenten bitten, ihr alle Unterlagen schriftlich zuzusenden, erzählt Wellershof. Wenn ihr das Drehbuch gefalle und das ZDF zu dem Entschluss gekommen sei, die Serie oder den Film ins Programm aufzunehmen, werde darüber verhandelt, mit wie viel Kapital der Sender in das Projekt hineingehe und welche Rechte er bekomme, sagt sie.

Einer der Produzenten, der zum diesjährigen APD nach Stuttgart angereist ist, ist Jan Bonath, Vorstand der Produktionsfirma Scopas Medien AG mit Sitz in Frankfurt, Berlin und Hamburg. Bonath will für die animierte TV-Kinderserie „Jonalu“, in denen drei Mäuse die Hauptrolle spielen, Koproduzenten finden. Auf das Branchentreffen mitgebracht hat er das Drehbuch und einen kurzen Trailer. „Das ist das, was man braucht, um Partner an Bord zu holen“, sagt Bonath.

Zwei Koproduzenten haben einen Vertrag unterschrieben

Für den 3-D-Animationsfilm mit dem Arbeitstitel „Marnies Welt“, der lose auf den Figuren der Bremer Stadtmusikanten basiert, hat Bonath mit Mark Mertens von der belgischen Produktionsfirma Grid Animation bereits einen Koproduzenten gefunden. Die beiden Filmemacher haben sich im vergangenen Jahr auf dem Stuttgarter Animation Production Day getroffen, wie Bonath erzählt – und haben das Wiedersehen auf dem diesjährigen APD dazu genutzt, ihre Zusammenarbeit mit einem Vertrag zu besiegeln.

Rund 8,3 Millionen Euro koste die Herstellung von „Marnies Welt“, berichtet Bonath. Die Kooperation mit dem belgischen Produzenten Mertens macht unter anderem das Einholen von finanziellen Mitteln bei den Geldgebern einfacher. Mertens habe im vergangenen Jahr 42 Prozent des Gesamtbudgets eingeholt, um den Rest habe er sich gekümmert, sagt Bonath. Nun, da die Finanzierungsfrage geklärt ist, können die beiden Partner mit der Produktion ihres animierten Kinderfilms beginnen. In etwa zwei Jahren, so erwartet Bonath, wird der Neunzigminüter dann in den Kinos zu sehen sein.

  Artikel teilen
0 KommentareKommentar schreiben
Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.