Animationsfilmer in Stuttgart Die Biene Maja muss S-Bahn fahren

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An vielen Standorten in Stuttgart fehlt der Zugriff auf ein leistungsfähiges Glasfasernetz. Animationsfilmer beispielsweise haben damit ein großes Problem, weil sie ihre Daten per Festplatte dann zum Uni-Rechenzentrum nach Vaihingen fahren müssen.

In Stuttgart sind große Teile des 3-D-Films „Biene Maja“ entstanden. Foto: dpa
In Stuttgart sind große Teile des 3-D-Films „Biene Maja“ entstanden.Foto: dpa

Stuttgart - Die Biene Maja ist ganz schön durch Stuttgart gescheucht worden. Von der Theo per S-Bahn nach Vaihingen und wieder zurück – und das nicht nur einmal. Obendrein hat man sie erst vom Rechner im Büro mitten in der City auf eine externe Festplatte gepackt, von der Festplatte quer durch die Speicher und Prozessoren des Höchstleistungsrechners der Universität Stuttgart gejagt und von dort – deutlich hübscher – wieder per Festplatte zurück auf die Partymeile. Das muss ganz schön anstrengend gewesen sein, nicht nur für die virtuelle Kultbiene, sondern vor allem auch für die Macher von M.A.R.K.13, die dieses umständliche Hin und Her viel Zeit gekostet hat.

Auf dieses in einschlägigen Kreisen gerne ironisch Sneakernet genannte Turnschuhnetzwerk müssen Animationsfilmer in Stuttgart immer wieder zurückgreifen, weil an vielen Unternehmensstandorten der Zugriff auf ein leistungsfähiges Glasfasernetz fehlt. Warum das ein immer wichtigerer Standortfaktor ist, erklärt Holger Weiß, der M.A.R.K.13 mit Sitz in der Hohenzollernstraße im Stuttgarter Süden gemeinsam mit Dominique Schuchmann gegründet hat. In dem Stuttgarter Unternehmen entstanden wesentliche Teile des 3-D-Animationsfilmes „Die Biene Maja – Der Kinofilm“, der inzwischen in fast allen Ländern der Erde in den Kinos lief. Weil für die aufwendige Produktion der Platz in der Hohenzollernstraße nicht ausreichte, wurde diese in ein eigens gemietetes Büro in der Theodor-Heuss-Straße ausgelagert, direkt neben den Büros des Wirtschaftsministeriums.

Unternehmen greifen auf Uni-Rechenzentrum zurück

So ein 3-D-Animationsfilm setzt sich aus mehr als 120 000 Einzelbildern zusammen, die aufwendig am Computer komponiert werden. Allein ein dreidimensionales Bild der Biene Maja mit ihrem pelzigen Bauch in Nahaufname braucht enorme Rechnerkapazitäten für das sogenannte Rendering. Die Berechnung eines solchen Bildes auf herkömmlichen Rechnern kann allein mehrere Stunden dauern. Deswegen greifen Unternehmen wie M.A.R.K.13 oder auch andere in der Branche bekannte und in Stuttgart ansässige Firmen wie Pixomondo oder Mackevision gerne auf die Möglichkeiten des Höchstleistungsrechenzentrums der Universität Stuttgart in Vaihingen zurück.

Ideal wäre, wenn es von diesen Kreativunternehmen im Stuttgarter Osten, Süden oder Westen eine Glasfaserverbindung nach Vaihingen gäbe. Diese Infrastruktur fehlt in Stuttgart aber weitgehend. Eine Verbindung des M.A.R.K.13-Büros in der Theodor-Heuss-Straße an ein leistungsfähiges Datenübertragungsnetz hätte das kleine mittelständische Unternehmen allein etwa 30 000 Euro für die Verlegung der erforderlichen Kabel gekostet, dazu dann monatlich etwa 1000 Euro Nutzungsgebühr. Deswegen wurde auf das Sneakernet zurückgegriffen.

Wirtschaftsförderung startet ein Pilotprojekt

Inzwischen nimmt sich die Politik dieses Infrastrukturdefizits an. Beim einem Besuch von Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) im Rahmen seines Wahlkampfs diskutierten er, der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Gemeinderat, Martin Körner, über das Thema und kritisierten die im internationalen Vergleich niedrigen Übertragungsgeschwindigkeiten bei gleichzeitig drei- bis viermal so hohen Preisen in Deutschland.

Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart hat ein Pilotprojekt gestartet, in dem die aktuelle Situation in der Region Stuttgart am Beispiel der renommiertesten Animationsfilmunternehmen untersucht werden soll. Es geht dabei um Fragestellungen nach den Anforderungen der Unternehmen selbst und der tatsächlichen Marktsituation. Ein Ziel dieser auch quartiersbezogenen Betrachtung ist, mögliche Standorte für Netzknotenpunkte zu finden und auf ihre Realisierbarkeit hin zu überprüfen. Ein solcher Knotenpunkt könnte beispielsweise beim Küblerareal im Stadtbezirk Stuttgart-Ost sinnvoll sein, wo gleich mehrere international tätige Trickfilmunternehmen auf ein leistungsfähiges Datennetz mit stabil hohen Übertragungsraten von einem Gigabit pro Sekunde angewiesen sind. Mit den Ergebnissen des Projekts ist erst in einigen Wochen zu rechnen.

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