Anna Netrebko und Erwin Schrott in Stuttgart Eingerahmt von Küssen
Frank Armbruster, 27.01.2012 11:05 Uhr
 Foto: dpa-Zentralbild
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Stuttgart - Mit einem gesungenen Kuss begann das Konzert, mit einem echten ging es zu Ende: „Il bacio“, eine duftige Walzer-Arie von Luigi Arditi sang Anna Netrebko als erstes Stück, und vierzehn Nummern später, am Ende des Duetts aus Gershwins „Porgy and Bess“ berührten sich schließlich die Lippen des uruguayischen Bassbaritons Erwin Schrott und seiner berühmten Lebensgefährtin, worauf der Jubel im bis auf den letzten Platz ausverkauften Saal keine Grenzen mehr kannte.

Bis auf insgesamt drei Duette hörte man Netrebko und Schrott solistisch, denn Liebesduette zwischen Bariton und Sopran sind in der Opernliteratur kaum vorgesehen - mit Netrebkos Vorgänger in der Traumpaarrolle, dem Tenor Rolando Villazon, war das anders. Aber sowohl Netrebko wie Schrott überzeugten auch in ihren Solopartien. Netrebko vor allem mit der Juwelenarie aus Gounods „Faust“, bei der ihre merklich voluminöser gewordene Stimme ebenso luxuriös funkelte wie ihr Armband, Schrott in der berühmten Registerarie des Leporello aus Mozarts „Don Giovanni“. Nicht nur hier gab der blendend aussehende Schrott den charmanten Entertainer, während Netrebko die Rolle der Diva im schulterfreien Kleid souverän ausfüllte. Die Prager Philharmonie unter der Leitung von Claudio Vandelli erfüllte der ihr zugedachten Part zuverlässig. Viel bejubelt die beiden Zugaben: Anna Netrebko mit einem herzzerreissend schön gesungenen „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“, Erwin Schrott mit einer Kostprobe aus seiner neuen Tangoplatte.

Kommentare (2)
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FEB
01
KOMMENTATOR, 02:44 Uhr

Der Kenner hat Recht . Es ist ein Unding

mit diesen Zwischenspielen des Orchesters. Wegen diesem ist niemand gekommen. Das ist schon ärgerlich, wenn nur ein Interpret den Abend gestaltet . Teilen sich 2 Sänger diese Aufgabe, sind diese Intermezzi fast eine Frechheit.

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JAN
28
Der Kenner, 19:56 Uhr

Die größte Opernsängerin der Welt?

Ein unvergessliches Erlebnis wird dem Stuttgarter Publikum in Erinnerung bleiben. Ja, Anna Netrebkos Stimme ist seit ihrer Mutterschaft wirklich zu dem geworden, was viele Kritiker seit ihrem internationalen Durchbruch bei den Salzburger Festspielen fälschlich immer behaupteten. Einzigartig! Stimme, szenische Darstellung, Schönheit und Ausstrahlung bilden nunmehr eine Einheit. Dies ist das Fundament für eine wahrhaft große Karriere. Die größte Opernsängerin der Welt? So mag sich Anna Netrebko vielleicht insgeheim sehen. Ihre Anhänger haben das für sich bereits entschieden. Dass Frank Armbruster diese Frage dennoch in seinem (gedruckten) Artikel kritisch stellt, empfinde ich als wohltuend. Wer einmal eine Aufnahme von Maria Callas hörte, weiß, wie hoch die Messlatte liegt. Auch die extrem hohen Eintrittspreise machen noch keinen Superstar. Schade war, dass mehrere hundert Sitzplätze leer blieben. Auch wenn am Eingang vereinzelt nach zurückgegebenen Karten Ausschau gehalten wurde – an der Abendkasse gab es ab 214 Euro noch genügend Plätze. Ein wahrhaft großer Künstler hätte zumindest an Schüler und Studenten die Restkarten günstig abgegeben. Denn das ist das Publikum von morgen. Erwin Schrott steht seiner Partnerin nicht wirklich nach. Unbekannt ist er hierzulande mittlerweile nicht mehr. Dass es Bass-Baritone ungleich schwerer haben in unserer Medienwelt ist bekannt. Als (mittlerweile x-tes) Traumpaar gefeiert, profitiert er dennoch vom Glanz seiner berühmten Anna. Trefflich beschreibt Frank Armbruster seinen Charme. Der kam wirklich rüber. Die Prager Philharmonie hat durchweg eine solide Vorstellung gegeben. Ihnen kam ohnehin vorwiegend die Rolle der Begleitung zu. Bei den deutlich zu langen Orchester-Intermezzi fielen die nicht immer punktgenauen Einsätze der Hörner auf. Ohnehin hätte man die Orchesterstücke zugunsten zweier Arien lieber weggelassen. Wenn mit Anna Netrebko und Erwin Schrott geworben wird, dann möchte man diese auch hören. Bei so hohen Eintrittspreisen darf man das schließlich erwarten.

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