Anreiz zur Nutzung des ÖPNV Jobticket soll zum Umstieg auf Bus und Bahn reizen

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Das Verkehrsministerium will mit dem Jobticket BW Beschäftigte des Landes zum Umstieg auf Bus und Bahn animieren. Von 2016 an werden ihre Fahrkarten monatlich mit 20 Euro bezuschusst.

Stadtbahnen am Erwin-Schöttle-Platz – die Erfahrungen mit dem Jobticket des VVS für Beschäftigte der Stadt Stuttgart sind gut. Das Land hofft nun, dass auch das  Jobticket BW von Januar 2016 an ein ähnlicher  Erfolg wird. Foto: dpa
Stadtbahnen am Erwin-Schöttle-Platz – die Erfahrungen mit dem Jobticket des VVS für Beschäftigte der Stadt Stuttgart sind gut. Das Land hofft nun, dass auch das Jobticket BW von Januar 2016 an ein ähnlicher Erfolg wird.Foto: dpa

Karlsruhe - Alle 250 000 Bediensteten des Landes können sich bald für ein Jobticket entscheiden, das durchaus aus dem Rahmen fällt. „Baden-Württemberg wird das erste der 16 Länder sein, das seinen Mitarbeitern flächendeckend ein bezuschusstes Jobticket anbietet“, hebt das Stuttgarter Verkehrsministerium hervor. Das „Jobticket BW“ soll zum 1. Januar 2016 eingeführt werden.

Konkret geht es um 20 Euro, mit denen der Kauf dieser Fahrkarten monatlich unterstützt wird. Das Land stellt hierfür jedes Jahr 15 Millionen Euro bereit. Diese Summe wird dafür ausreichen, dass 75 000 Landesbeschäftigte mit Bus oder Bahn zur Arbeit fahren können. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Dienstag in Karlsruhe mit den Geschäftsführern der 22 Verkehrsverbünde im Land unterzeichnet.

Die Fahrkarte ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem „DB Jobticket“. Landesbeschäftigten und auch Mitarbeitern von vielen Kommunen gewährt die Bahn einen Rabatt von zehn oder 15 Prozent auf persönliche, nicht übertragbare Jahreskarten. Im Unterschied zum neuen Jobticket BW bezuschusst das Land diese Angebote nicht. Am neuen Ticket sind die Bahn wie die Verkehrsverbünde beteiligt und neben dem Verkehrs- auch das Stuttgarter Finanzministerium. Die organisatorische Abwicklung läuft über das Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV).

Das Landesamt für Besoldung und Versorgung ist Ansprechpartner

Laut dem Verkehrsministerium sollen alle notwendigen Informationen samt Antragsformularen bis Mitte November auf der Internetseite des LBV bereit gestellt werden. „Wir legen bei diesem Projekt ein sehr hohes Tempo vor“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann. Der Ministerrat hatte den Zuschuss des Tickets am 13. Oktober beschlossen.

Thomas Hachenberger, der Sprecher der baden-württembergischen Verkehrsverbünde und Geschäftsführer der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbHs, verweist auf die guten Erfahrungen, die im VVS mit dem Jobticket der Stadt Stuttgart gemacht worden seien. „Wir wünschen uns, dass das Jobticket BW ähnlich erfolgreich wird“, erklärte Hachenberger bei der Vertragsunterzeichnung in Karlsruhe.

Die Vertragspartner betonen die Vorbildfunktion des Jobtickets

Alle Vertragspartner hoben die Vorbildfunktion des Projekts hervor. „Wir betreten mit dem Jobticket BW Neuland und wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagte Hermann. Es sei ein wichtiger Anreiz für viele Landesbedienstete, vom Auto auf Busse und Bahnen umzusteigen. Hermann sieht das Angebot zudem als Teil eines Gesamtpakets verschiedener Maßnahmen, um auch künftig die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber sicherzustellen. Thomas Hachenberger hofft, dass sich viele Privatunternehmen am Land und an der Landeshauptstadt ein Beispiel nehmen und „ebenfalls in die nachhaltige und klimafreundliche Mobilität ihrer Beschäftigten investieren.“

Zuschussberechtigt für das Jobticket BW sollen laut dem Verkehrsministerium alle Arbeitnehmer sowie sonstige privatrechtlich Beschäftigte, Beamte sowie Richter sein, die in einem aktiven und nicht unterbrochenen Beschäftigungs- oder Dienstverhältnis unmittelbar mit dem Land Baden-Württemberg stehen.

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8 KommentareKommentar schreiben

Anreiz Nutzung ÖPNV: Der Gedanke, den Nahverkehr durch Subvention zu fördern ist sicherlich der richtige Weg, um mehr Menschen zur Nutzung des ÖPNV zu bewegen und somit unsere Straßen und die Umwelt zu entlasten. Das Problem sehe ich in der Einschränkung des Kreises der Begünstigten. Hier werden Steuermittel einseitig dazu verwendet, auch sehr gut besoldeten Berufsgruppen, genannt werden z.B. Richter, einen Rabatt zu gewähren, während viele normal- und gering verdienende AN nicht einmal die Chance haben, ein Firmenticket zu erwerben, da sie in keinem Betrieb, der die geforderte Mindestmenge abnehmen kann, arbeiten. Somit geht es bei diesem Angebot auch nicht wirklich um die Stärkung des ÖPNV, wie Herr Herman zitiert wird. Dies kann viel stärker mit einem attraktiven flächendeckenden Angebot für alle Bürger erreicht werden. So bleibt es dabei, die AN, die mit ihren Steuern sowieso schon einen hohen Beitrag zur Subvention des ÖPNV beitragen, zahlen weiter den vollen Preis für ihre Tickets, während die Gruppe der Landesbediensteten einen zusätzlichen, steuerfinanzierten Anreiz erhält. Wie praktisch, dass der Ministerrat dies einfach durch einen Beschluss über 15 Millionen € beschließen kann, ohne sich über eine Gegenfinanzierung Gedanken machen zu müssen. So recht scheinen die Minister nicht an das Angebot zu glauben, gehen sie doch davon aus, dass lediglich ca. 30 Prozent das Angebot überhaupt annehmen werden. Und ohne jetzt in den Bereich der Spekulation zu kommen, wird dieser Prozentsatz möglicherweise bereits sehr Nahe an dem Prozentanteil der Landesbediensteten sein, die heute schon in den Ballungszentren den ÖPNV nutzen. Somit wird sich der Kreis der Umsteiger, und hier liegt ja der eigentliche Ansatzpunkt, in überschaubarem Rahmen halten. Von daher wäre es aus meiner Sicht ehrlicher zu sagen, ja wir wollen unseren Mitarbeitern auf Steuerkosten etwas gutes tun, als sich hinter vermeintlichen ökologischen Themen zu verstecken. Vielleicht liegt hier auch ein Grund des Ärgernisses, das die Dinge nicht ehrlich benannt werden. Wer wirklich Interesse an der Stärkung des ÖPNV hat, kann dies meiner Meinung nach nur durch eine transparente, attraktive Preisgestaltung für alle Nutzer erreichen.

Man tut: was man kann, Herr Napf, und 20 Euro im Monat sind vielleicht für den ein oder anderen Landesbediensteten gar nicht soooo lächerlich. Übrigens ist in unserer alten Diskussion etwas geschehen - wie wäre es, wollen Sie doch noch eine Stellungnahme versuchen, oder lassen Sie es wie immer sein und verlassen sich darauf, dass schon niemand mehr danach schaut?

Steuererklärung !: Dieser Zuschuss ist natürlich in der Steuererklärung auszuweisen und so sackt der Finanzminister Schmid einen Teil gleich wieder ein. Auf die steuerliche Behandlung wird hoffentlich hingewiesen. Wie wird das beim Jobticket Stuttgart gehandhabt ? Steuerhinterziehung mit Unterstützung der Stadt Stuttgart ?

Und wo: bleibt der Zuschuss für normalsterbliche... oder wenigstens eine Entschädigung für den miserablen S-Bahn-Verkehr? Nein, stattdessen darf ich mich jetzt auch noch an der Fahrkarte anderer finanziell beteiligen! Großartig...

Logisch, typisch Schmidt. Sie könnten sich ja mal beim Land oder der Stadt bewerben, wo es Zuschüsse gibt, aber vermutlich ist Ihnen das zu popelig, weil Sie da zu wenig verdienen.

Noch ein: kleines Geschenk für die Gefolgschaft, bevor es dann an die Wahlurne geht? Die Grünen lassen tatsächlich nichts aus - meine 'Hochachtung'...

250 000 Landesbeschäftigte: sind für Sie die „Gefolgschaft“ der Grünen? Die Maßnahme eines Landes, das bei den Verkehrsstaus bundesweit mit an der Spitze steht, wenigstens den eigenen Beschäftigten einen (viel zu bescheidenen) Anreiz zum Umstieg auf Busse und Bahnen zu bieten, ein Wahlgeschenk? Ich kann mich nur wiederholen: Gelänge es Ihnen nur einmal, die ideologische Brille abzunehmen, müssten Sie über sich selbst lachen. Aber immerhin haben die Flüchtlinge mal Atempause...

Ja: das ist mehrheitlich die Gefolgschaft der zumindest grün Angehauchten. Staatsbedienstet, ohne Verantwortung für eigenes Tun, weil man ja nur die Weisungen des "Gesetzgebers" ausführt, geeint in der Angst vor der Welt "draußen". Dort wo die Steuerzahler abseits vieler Regeln und Normen genau die Steuergelder erwirtschaften, mit denen die grün Angehauchten gepampert werden. Das hat mit Ideologie nichts zu tun, das ist Fakt. Oder haben Sie eine Erklärung dafür, warum jahrelang Gesetze in ihrer Anwendung verwässert wurden oder warum jetzt unsere grün-linke Helferbürokratie nicht in die Gänge kommt und man bundesweit Ehrenamtliche rekrutieren muss, um Hilfe Suchende zu versorgen? Herr Sichel hat vollkommen Recht und auch ich wünsche mir einen Fahrerservice möglichst ab meiner Haustüre. Ob sich die Redaktion traut, diesen Kommentar gegen unsere grün durchsetzte Bürokratie zu veröffentlichen, bleibt spannender als der DFB-Pokal.

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