Anschläge in Pakistan Entsetzen nach dem Blutbad

Von Willi Germund 

Bei einer Serie von Bombenattentaten verlieren weit mehr als 100 Menschen ihr Leben. Das Blutbad beweist, dass die Sicherheitskräfte die Lage in Pakistan nicht unter Kontrolle haben.

Ein Mann trauert um die Opfer der blutigen Anschläge. Foto: EPA
Ein Mann trauert um die Opfer der blutigen Anschläge. Foto: EPA

Quetta - Die schwere Bombenserie in Pakistan mit mehr als 100 Toten hat in Pakistan und international Entsetzen ausgelöst. Direkt vor einem Polizeiposten starben am Donnerstagabend fast 100 Menschen in der Stadt Quetta. Ein Mann war mit einer Plastiktasche in einen Billardklub am dichtbefahrenen Rehmattulah Chowk gegangen und hat einen Sprengsatz gezündet. Wenig später explodierte eine in einem Auto versteckte Bombe und ein weiterer Sprengsatz an der Straßenecke und tötete Dutzende von Schaulustigen und Helfer und mehrere Polizisten. Die überwiegende Anzahl der Opfer gehörte zu Pakistans Minderheit der Schiiten. Die Extremistengruppe Lashkar-i-Janghvi bekannte sich zu dem Blutbad. Die mit Al-Kaida liierte Gruppe gehört zu den radikalen Islamisten in Pakistan, die nicht nur vorgebliche „Ungläubige“ bekämpft, sondern mit dem gleichen Fanatismus auch gegen islamische Religionsgruppen vorgeht, die nicht der radikalen Deobandi-Denkschule der Sunnis folgen.

Der Anschlag macht deutlich, dass Pakistans Behörden längst nicht mehr in der Lage sind, ihre Bürger vor den extremistischen Gruppen zu schützen. Während des vergangenen heiligen Monats Muharram der Schiiten gelang es den Sicherheitskräften zwar mit einem massiven Aufgebot, schlimme Anschläge wie in den Vorjahren zu verhindern. Aber nach dem Attentat von Quetta muss für die Schiiten nun überdeutlich sein, dass jeder Schritt vor die eigene Haustür lebensgefährlich sein kann. Dabei hatten sich Schiiten bislang zumindest in den Städten außerhalb des Muharram-Monats halbwegs sicher gefühlt. Angesichts der religiösen Verfolgung durch ihre radikalen sunnitischen Landsleute waren viele Angehörige der Schiiten in den vergangenen Jahren aus den Provinzen geflüchtet. Die meisten gingen mit der Hoffnung in die Hafenmetropole Karachi, dass sie dort in der Anonymität überleben würden.

Bis an die Zähen bewaffnet

Auch in der Stadt Quetta fühlten sich bedrängten Schiiten bislang einigermaßen sicher. Denn angesichts der massiven Probleme des pakistanischen Staats mit einer Unabhängigkeitsbewegung, die die Provinz Baluchistan von Islamabad lösen will, gleicht die Stadt bereits seit Jahren einem bis an die Zähne bewaffneten Wehrdorf. Die pakistanischen Behörden müssen sich deshalb nach den Attentaten unangenehme Fragen nach einer möglichen Komplizenschaft von Teilen des Sicherheitsapparats gefallen lassen.

Bei einem Anschlag im Swat-Tal in der nordwestpakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa waren nach Angaben der Polizei mindestens 21 Menschen getötet und 75 verletzt worden. Zu der verheerenden Explosion kam es in der Stadt Mingora in einem islamischen Zentrum, das Prediger ausbildet. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl der Anschläge in Pakistan deutlich abgenommen.

Am Freitag kam es in der Stadt Quetta erneut zu einem Bombenanschlag, bei dem nach Medienberichten aber keine Opfer zu beklagen waren. Der Sender Dunya TV berichtete, der Sprengsatz sei vor einem Geschäft detoniert. Die Läder in der Stadt seien wegen der Anschläge vom Donnerstag aber alle geschlossen gewesen.