
Zumindest für die Parkplätze wird es morgen sicher Land unter heißen. Auf die Frage bei der Pressekonferenz, was denn die Anwohner dazu sagen, erklärte Helmuth Götz, Sprecher der Unternehmensgruppe XXXL: "Wir sind schon im Vorfeld bei den Nachbarn mit Blumensträußen vorbeigegangen und haben sie informiert." Denn schon den Bauverkehr haben die umliegenden Häuser deutlich zu spüren bekommen. Auch wenn die Bauarbeiten in Rekordzeit von nicht einmal einem Jahr bewältigt wurden. Dann kam es auch bei den Anlieferungen zu diversen Verkehrsbehinderungen. Wie sich die Lage am Samstag darstellen wird, bleibt abzuwarten: "Wir haben zusätzliche Parkplatz-Flächen angemietet, und die Polizei ist auch informiert", sagte Helmuth Götz.
Das Mitglied der Geschäftsleitung würdigte in der Pressekonferenz nicht nur die enorme Bauleistung für dieses Möbelhaus mit 25 000 m2 Verkaufsfläche, dessen Architektur an einen Kreuzfahrtdampfer erinnert. Götz lobte zudem die Arbeit der Mitarbeiter, deren Zahl er auf 330 bezifferte - inklusive 21 Auszubildende. Der Unternehmenssprecher ließ aber auch durchblicken, dass die Investitionskosten von 40 Millionen Euro bewusst kalkuliert sind: "Wir erwarten uns viel von diesem Standort."
Den erwartungsvoll lauschenden Journalisten erklärte Götz, dass der Vorwurf der Fellbacher Bürgermeisterin, es seien keine einheimischen Handwerker beauftragt gewesen, nicht zutreffe. Er habe Beatrice Soltys bei der Vorpremiere nicht widersprechen wollen, aber 30 Prozent des Investitionsvolumens sei an Fellbacher Unternehmen gegangen. Erdaushub, Rohbau, die komplette Elektroinstallation und die Reinigung seien von lokalen Handwerkern erledigt worden. Der Unternehmenssprecher erklärte auch, dass zum Beispiel Hotels und Gastronomie von der Anwesenheit der Arbeiter und Angestellten profitiert hätten.
Profitiert hat die Unternehmensgruppe auch vom Kauf des damaligen Möbelhauses Siegle. Denn mit dem Erwerb der Immobilie war auch die Übernahme des Fachsortiments auf einer Fläche von 3750 Quadratmetern verbunden. Dabei handelt es sich um innenstadtrelevante Angebote als direkte Konkurrenz zu Fellbacher Geschäften. Als es damals für das Unternehmen um den Neubau und eine mögliche Erweiterung dieses Sortiments ging, hatte es heiße Diskussionen und größte Bedenken in der Geschäftswelt gegeben. Eine Ausweitung wurde abgelehnt, es gab jedoch einen Bestandsschutz für die bestehende Fach-Sortiment-Grundfläche. Deshalb biss XXXL in den sauren Apfel und baute das Siegle-Gebäude um. Auch wenn das wesentlich umständlicher und teurer war als ein Abriss mit Neubau. Aber mit den Mauern wären auch die Ansprüche auf das Fachsortiment verfallen - und diesen lukrativen Geschäftszweig wollte sich die Unternehmensgruppe nicht entgehen lassen.
Nicht entgehen ließen sich die Journalisten einen Rundgang, bei dem einige Bereiche der 25 000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche auf sechs Ebenen gestreift wurden. Angefangen beim Restaurant mit einer sehenswerten Aussicht auf den Kappelberg über den Lichthof unterm Glasdach bis zum Porsche-Sofa, zur Designer-Küche und zum Schnäppchen-Markt, in dem es vor Kunden nur so wimmelte.
Wie das Unternehmen die Klippe mit dem Auto-Gewimmel morgen umschifft, wird sich zeigen. Eine Anwohnerin hat sich jedenfalls gestern gemeldet und den Tränen nah über ihren Kummer wegen der Baustelle berichtet. "Es ist die Hölle", sagte die seit Monaten genervte Frau.

In den kommenden 4 Wochen stellen wir Ihnen alle 23 Stuttgarter Stadtbezirke näher vor >>