Anti-Schuppen-Shampoos im Test Was tun, wenn es rieselt?

Von Melanie Maier 

Bekämpfen Markenprodukte Schuppen besser als solche vom Discounter? Ein Test der Stiftung Warentest zeigt, dass das nicht der Fall ist. Ihr Testsieger ist ein Anti-Schuppen-Shampoo von Lidl.

Elf Anti-Schuppen-Shampoos  hat die Stiftung Warentest geprüft.  Mit dem Ergebnis sind die Tester zufrieden. Foto: esp2k / Adobe Stock
Elf Anti-Schuppen-Shampoos hat die Stiftung Warentest geprüft. Mit dem Ergebnis sind die Tester zufrieden. Foto: esp2k / Adobe Stock

Stuttgart - „Opa, hast du Schnee auf den Schultern?“ Kinder können schonungslos ehrlich sein. Die gute Nachricht ist: gegen Schuppen kann man recht einfach etwas tun. Anti-Schuppen-Shampoos sollen die weißen Flocken bekämpfen. Doch was taugen die Mittel wirklich?

Wie entstehen Schuppen?
Etwa 50 Prozent der Deutschen leiden unter Schuppen, Männer etwas öfter als Frauen. „Schuppen sind Ausdruck einer gestörten Regulationsfunktion der Haut“, sagt die Dermatologin Annika Vogt vom Haarkompetenzzentrum der Berliner Charité. Im Normalfall bilde die Haut feine Schüppchen, die sie Lage für Lage und fast unsichtbar abstoße, um sich zu erneuern. „Verläuft dieser Prozess zu schnell, dann produziert die Haut größere Schuppen, die verklumpen und deutlich sichtbar werden“, sagt Vogt.
Probleme können aber auch bestimmte Mikroben auf der Kopfhaut verursachen. Wenn sich bestimmte Hefen zu stark vermehren und ein Ungleichgewicht entstehe, könne dies Probleme verursachen. „Die Stoffwechselprodukte der Hefen reizen die Haut. Es kommt zu Entzündungen“, sagt Vogt. „Die Folge sind Schuppen, Rötungen und Juckreiz.“ An dieser Stelle setzen Anti-Schuppen-Shampoos an: Sie enthalten Wirkstoffe, sogenannte Antimykotika, die bestimmte Mikroorganismen auf der Kopfhaut bekämpfen – und so die weißen Flocken in Schach halten sollen. Doch halten die viel gepriesenen Mittel auch, was sie versprechen? In der Oktoberausgabe von „Test“ hat die Stiftung Warentest nun elf Anti-Schuppen-Shampoos untersucht.
Was taugen die getesteten Shampoos?
Mit dem Ergebnis der Untersuchung zeigen sich die Tester zufrieden. Lästiges Rieseln, schreiben sie, können Verbraucher auch für wenig Geld gut behandeln. Als Sieger des Tests ging das Anti-Schuppen-Shampoo der Lidl-Eigenmarke Cien hervor. Als einziges Mittel im Test schnitt es mit der Gesamtnote „sehr gut“ ab. Das Shampoo kostet 50 Cents pro 100 Milliliter. Noch günstiger sind die mit der Note „gut“ bewerteten Produkte von Aldi Süd (Kür Haircare Shampoo) und Nord (Biocura Hair Care Shampoo) sowie von Rossmann (Isana Shampoo Anti Schuppen). Die Shampoos kosten je 17 Cent pro 100 Milliliter. Der Marktführer Head & Shoulders landete im Test mit einer Gesamtnote von 2,3 im guten Mittelfeld. Mit 1,02 Euro pro 100 Milliliter ist das Shampoo jedoch deutlich teurer als die Konkurrenz.
Schlusslicht war das einzige Naturprodukt im Test, das Shampoo von Logona mit Bio-Wacholderöl. Es reduzierte Schuppen zwar befriedigend, im Punkt Pflege schnitt es aber nicht gut ab – genau wie das Shampoo Balea Professional Kopfhaut Control Shampoo von dm. Den Produkten gelinge es offensichtlich nicht, die äußere Schicht der Haare zu glätten, so die Leiterin des Testlabors.
Wie wurde getestet?
Um herauszufinden, wie gut die Produkte wirken, ließen die Tester rund 200 Personen mit Schuppen die Haare zwei Wochen mit einem Standard-Shampoo ohne Anti-Schuppen-Wirkstoff waschen. Eine Expertin bewertete, wie viele Schuppen die Probanden hatten und wie stark ihre Kopfhaut gerötet war. Danach verwendeten die Testpersonen vier Wochen lang dreimal wöchentlich ein anonymisiertes Anti-Schuppen-Shampoo aus dem Test. Zum Abschluss untersuchte die Expertin nochmals den Schuppungsgrad und die Kopfhautrötung. Ihr Fazit fiel positiv aus: Alle Produkte im Test wirken gegen Schuppen. Daneben überprüfte eine Friseurin an je 20 Probanden pro Produkt, wie gut die Shampoos die Haare pflegen.
Worauf sollten Verbraucher beim Kauf eines Anti-Schuppen-Shampoos achten?
Seriöse Hersteller von Anti-Schuppen-Shampoos unterscheiden zwischen Mitteln für Betroffene mit fettigen und solchen mit trockenen Schuppen, sagt der Reutlinger Friseur Roberto Laraia. Bei Menschen mit trockener, gereizter Kopfhaut müsse das Shampoo die Haut beruhigen, den Säureschutzmantel wieder aufbauen. Bei einer eher fettigen Kopfhaut müsse das Produkt gegen die erhöhte Talgproduktion wirken. Von sogenannten All-in-one-Produkten für beide Schuppenarten rät der Friseur ab.
Die Stiftung Warentest empfiehlt Aller­gikern zudem, die Liste der Inhaltsstoffe beim Kauf genau zu überprüfen und kri­tische Stoffe zu meiden – so etwa die Kon­servierungsstoffe Isothiazolinone oder den synthetischen Duftstoff Butylphenyl Methylpropional, der auch unter dem Namen Lilial bekannt ist. Der Duftstoff ist zwar laut EU-Kosmetikverordnung erlaubt, einzelne Tierversuche zeigten nach Angaben der Stiftung Warentest allerdings, dass Lilial die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Worauf sollte man bei der Anwendung achten?
Zunächst einmal sei es wichtig, geduldig zu bleiben, sagt die Dermatologin Annika Vogt: „Anti-Schuppen-Shampoos müssen häufig über längere Phasen angewendet werden.“ Wer sie nach der ersten Besserung sofort absetze, könne schnell erneut vor einem Schuppenproblem stehen. Bei weniger Schuppen reiche es aber oft aus, zweimal pro Woche ein Anti-Schuppen-Shampoo zu benutzen und ansonsten ein mild reinigendes, herkömmliches Shampoo zu verwenden.
„Auf fettige Pomaden und Haaröle sollten Betroffene ganz verzichten“, rät die Expertin Vogt. „Und mit hartnäckigen Beschwerden zum Hausarzt gehen.“ Der Friseur Roberto Laraia empfiehlt zudem, nur auf die eigene Kopfhaut abgestimmte Produkte zu verwenden: „Viele Menschen machen den Fehler, dass sie ihr Duschgel für die Haare verwenden.“