Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg Von Pop bis Klassik

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Das Wochenende der Sammler steht vor der Tür: In Ludwigsburg bei der 35. Antiquaria heißt das Thema Musik, auch bei der Antiquariatsmesse in Stuttgart finden sich Handschriften, Notenausgaben und Briefe aus dem Bereich der Musik.

Nur Keith Richards fehlt: Die Rolling Stones verewigten sich 1965 auf einer Bordzeitung.Stolze 2,4 Millionen Euro für den „Wigalois mit dem Rade“, um 1420 Foto: Antiquaria Ludwigsburg, Antiquariatsmesse Stuttgart
Nur Keith Richards fehlt: Die Rolling Stones verewigten sich 1965 auf einer Bordzeitung.Stolze 2,4 Millionen Euro für den „Wigalois mit dem Rade“, um 1420Foto: Antiquaria Ludwigsburg, Antiquariatsmesse Stuttgart

Stuttgart/Ludwigsburg - Als an diesen Neujahrsmorgen der Wall-Street-Unternehmer Gilbert Kaplan starb, endete eine kuriose Lebensgeschichte. Berühmt wurde Kaplan als Manager, der das Dirigieren lernte, um Gustav Mahlers zweite Sinfonie aufzuführen, die er erstmals 1965 gehört hatte. Mit gleicher Besessenheit wurde Kaplan zum Sammler. Für seine Stiftung erwarb er das Autograf von Mahlers zweiter Sinfonie, den Taktstock, mit dem Mahler sie einst dirigiert hatte, die Handschrift seines Liedes „Ich bin der Welt abhanden gekommen“, einen Abguss von Rodins Mahler-Büste, selbst einen Ring, den der Komponist seiner Frau Alma geschenkt hatte.

War Gilbert Kaplan ein monothematischer Musiksammler, so war der Schriftsteller Stefan Zweig ein fiebriger Zusammensucher von Handschriften aller Art, mindestens tausend Manuskripte sind in seinem Besitz belegt. Zweig beabsichtigte mehr als das Erhaschen eines Souvenirs von Geistesgrößen: „Der wahre Autografensammler will von einer andern Seite als der Philologe, aber mit der gleichen Leidenschaft, in das Wesen des schaffenden Menschen eindringen, und zuvor in eben jenen geheimnisvollen Augenblick aller Augenblicke, den der Schöpfung.“ Auch die Musik nahm in Zweigs Beständen bedeutenden Raum ein: Allein Mozart war mit mehr als zwanzig Autografen vertreten, dazu kam das Original von Schuberts Lied „An die Musik“ sowie Manuskripte von Beethoven.

Hommage an den Messort: die Musikhalle in Ludwigsburg

All jenen, die wie Zweig in der Handschrift, besonders von Musikern, einen „Zauber“ erkennen, der ein „Geheimnis verrät“, kann jetzt wieder geholfen werden. Beide traditionellen Antiquariatsmessen zu Jahresbeginn haben ein entsprechendes Angebot; die Antiquaria in Ludwigsburg ist in ihrer dreißigsten Ausgabe gar explizit der Musik gewidmet. Im Jubiläumsjahr ist es zugleich eine Hommage an den Messeort, die Musikhalle, in der die von Petra Bewer begründete Antiquariatsmesse seit 24 Jahren zu Gast ist. Auch im Angebot der 25 Jahre länger bestehende Antiquariatsmesse Stuttgart im Württembergischen Kunstverein finden sich von jeher aus dem Bereich Musik Handschriften, Briefe, signierte Fotografien, Bücher, Notenausgaben.

Beim Durchblättern beider Messe-Kataloge stellt man fest, dass Ludwigsburg bei den Musikalien nur in der Quantität leicht vorne liegt. So ist am Stuttgarter Schlossplatz etwa der Erstdruck der in Mozarts Todesjahr 1791 entstandenen Kantate „Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt“ für Singstimme und Klavierbegleitung, erhältlich. Er gehört als Anhang zur Ausgabe einer Gesellschaftsutopie des Hamburger Kaufmanns und Freimaurers Franz-Heinrich Ziegenhagen, der dem Logenbruder Mozart vorgeschlagen hatte, seinen Text (wohl gegen Honorar) zu vertonen. Der Band ist mit 5500 Euro angesetzt, für 4000 Euro bekommt man von Mozart den Erstdruck der „Idomeneo“-Partitur, erschienen 1805 bei Simrock. Ein schönes nicht ganz billiges Kuriosum (25 000 Euro) ist ein Pergamentband von 1660, der Kaspar Stieler zugesprochen wird: „Die Geharnschte Venus oder Liebes-Lieder im Kriege gedichtet und mit neuen Gesang-Weisen zu singen und zu spielen gesezzet“. Ein nicht unbedeutendes Zeugnis sogenannter Gebrauchsmusik, was zwei Neuauflagen des Liederbuchs im 20. Jahrhundert belegen.

Richard Wagner ist auf beiden Messen vertreten, in Stuttgart mit zwei signierten Fotografien, die grundsätzlich selten zu finden sind, und preislich entsprechend zuschlagen (15 500 beziehungsweise 7800 Euro) sowie mit einem frühen Brief, in dem er dem Stuttgarter Hoftheater seine Oper „Rienzi“ anbietet (8500 Euro) und in dessen Ton der später geäußerte Satz aufscheint: „Dennoch sei es gesagt: Niemand besser als ich“.

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