Aquaponik Fische düngen Großstadtgemüse

Von Filip Lachmann 

Die Kombination von Buntbarsch-Zucht und Anbau von Gemüse spart Ressourcen. Damit können auch in der Großstadt Nahrungsmittel nach ökologischen Kriterien erzeugt werden.

Dank Aquaponik wachsen Honigmelonen in Berlin, wie Christian Echternacht  zeigt. Gedüngt werden sie von den Ausscheidungen der Tilapia-Fische, die ebenfalls dort gezüchtet werden. Foto: Filip Lachmann
Dank Aquaponik wachsen Honigmelonen in Berlin, wie Christian Echternacht zeigt. Gedüngt werden sie von den Ausscheidungen der Tilapia-Fische, die ebenfalls dort gezüchtet werden.Foto: Filip Lachmann

Berlin - Lebensmittel inmitten der Großstadt zu produzieren, die dafür benötigten Ressourcen auf ein Minimum zu beschränken und gleichzeitig möglichst ökologisch zu arbeiten – diese Vision verfolgen die Berliner Christian Echternacht und Nicolas Leschke. Aquaponik nennt sich das Prinzip, das diesen Traum ermöglichen soll. Der Begriff steht für die Symbiose von Aquakulturen und Hydroponik. So betreiben die beiden Jungunternehmer mit ihrem Start-up ECF Farmsystems in einer Berliner Referenzfarm sowohl Fischzucht als auch Obst- und Gemüseanbau.

Im März dieses Jahres nahm die Farm ihren Betrieb auf. Auf einer Grundfläche von 1800 Quadratmetern gedeihen seither unter anderem Tomaten, Pak Choi und Senfrauke, gleichzeitig wachsen dort tausende Buntbarsche heran. Rund 1,4 Millionen Euro investierte ECF Farmsystems in die moderne Produktionsstätte. Vier Mitarbeiter sowie zwei Praktikanten halten den Betrieb am Laufen. Dank Verkaufspreisen, die sich am Biosegment orientieren, langfristiger Kundenbindung beim Gemüseverkauf in Form eines Abonnenten-Systems sowie geringen Betriebskosten aufgrund innovativer Techniken soll der wirtschaftliche Betrieb gelingen. Zur weiteren Verbesserung der Energie- und CO2-Bilanz soll die Berliner Farm in Zukunft noch mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet sowie mit einem Blockheizkraftwerk verbunden werden, das neben Strom und Wärme auch CO2 für die Pflanzen liefert.

Den Ausgangspunkt des als Kreislauf konzipierten Aquaponik-Systems bildet die Fischzucht. In 13 runde Tanks werden afrikanische Buntbarsche (Tilapia) gezüchtet. Um sich von den zumeist aus Asien importierten Tilapien abzuheben, die bei Verbrauchern ein tendenziell schlechtes Image haben, vermarkten die Hauptstädter ihre Fische als Rosé-Barsche. Rund 30 Tonnen Fisch können in der Anlage pro Jahr produziert werden, was in etwa 40 000 Barschen entspricht. EFC Farmsystems entschied sich für Tilapien, da diese ausgezeichnete Futterverwerter sind. „Theoretisch ergeben 1,2 Kilogramm Fischfutter ein Kilogramm Fischfleisch. Im Moment liegen wir jedoch noch bei 1,4 Kilogramm Futter“, so Echternacht. Gefüttert werden die Buntbarsche ausschließlich mit Bio-Nahrung, auf den Einsatz von Antibiotika wird komplett verzichtet.

Buntbarsche reichern Wasser mit Ammonium an

Über ihre Kiemen reichern die Buntbarsche das Wasser in den Tanks kontinuierlich mit Ammonium an. In einem Trommelsiebfilter wird das Ammonium mithilfe von Mikroorganismen in Nitrat umgewandelt und zugleich die festen Ausscheidungen der Tiere aus dem Wasser herausgefiltert. An dieser Stelle kommt erstmals das Aquaponik-Prinzip zum Tragen. So dient ein Teil des nitrathaltigen Wassers der Pflanzendüngung, der Rest geht zurück in die Fischtanks. „Pro Tag entnehmen wir etwa sechs Kubikmeter Wasser aus der Fischaufzucht für den Gemüse- und Obstanbau“, erklärt Echternacht. Die entnommene Menge entspricht zwischen drei und fünf Prozent der Gesamtmenge aller Becken und wird täglich neu aufgefüllt. Zur Wassergewinnung verfügt die Farm über mehrere Zisternen, in denen Regenwasser aufgefangen wird. Sind die Zisternen leer, greift EFC Farmsystems auf das städtische Wassernetz zurück.

Für die Pflanzenproduktion sind 1000 Quadratmeter innerhalb der Farm reserviert, wobei der gläserne Gewächshausbereich in ein Warm- sowie ein Kalthaus unterteilt ist. Wie bei Hydrokulturen üblich, gedeihen die meisten Pflanzen in anorganischen Substraten. Starkzehrer wie Tomaten und Melonen stehen dabei in Steinwolle. „Da diese leider nicht kompostierbar ist, wollen wir sie demnächst durch Kokosfasern ersetzen“, sagt Echternacht. Die Mittel- und Schwachzehrer befinden sich hingegen auf Anstautischen wahlweise in Blähtonmischungen (unter anderem Mangold und Salate) oder Erdtöpfen (Rote Bete, Pak Choi, Fenchel und Schwarzkohl). Angebaut und geerntet wird das ganze Jahr über, der Ertrag liegt bei schätzungsweise 35 Tonnen Obst- und Gemüse pro Jahr.

Vermarktet werden die Produkte über den Hofladen innerhalb der Farm. Er ist drei Tagen pro Woche geöffnet. Dann erhalten die Kunden die jeweils am Vortag geernteten Waren. Die ökologisch angebauten Produkte bekommt nur, wer eines der 300 Farmbox-Abonnements besitzt – zum Preis von 15 Euro pro Woche. Ein Bio-Label prangt darauf im Übrigen nicht, da sowohl Früchte aus Hydrokulturen, als auch Fische aus Aquakulturen nicht zertifiziert werden. „Auch ohne Bio-Siegel wissen die Kunden, das unsere Produkte nach den meisten ökologischen Richtlinien angebaut werden, wir weder Transport- noch Kühlketten benötigen sowie unser Energieverbrauch und CO2-Ausstoß sehr gering sind“, betont Echternacht.

Ziel: geschlossener Wasserkreislauf

Wie die tägliche Wasserzufuhr zeigt, ist die Aquaponik-Anlage von ECF Farmsystems kein in sich geschlossenes System, das zudem aus zwei getrennte Wasserkreisläufen besteht: Einem für den Pflanzenanbau, mit einem pH-Wert von 5, sowie einem für die Aquakulturen, mit einem pH-Wert von 7. Darüber hinaus erhalten die Pflanzen noch weitere Nährstoffe wie zum Beispiel Eisen, die nicht über die Aquakulturen bereitgestellt werden können. Auch kann das Verdunstungswasser der Pflanzen nicht aufgefangen und zurück in die Fischzucht geleitet bzw. zur erneuten Bewässerung genutzt werden.

Einen solchen in sich geschlossenen Nährstoffkreislauf, der einen nahezu autarken Farmbetrieb ermöglicht, strebt hingegen Franz Schreier mit seiner Firma EBF GmbH an. Der Heppenheimer errichtete Anfang des Jahres im südbadischen Neuenburg am Rhein eine eigene Aquaponik-Versuchsanlage. Der Physiker und Energieberater entwickelte auf einer Fläche von 200 Quadratmetern ein aquaponisches Solargewächshaus, das seine Energie mit Hilfe von Solarpanels selbst erzeugt. Nur das Fischfutter müsse dort noch zugeführt werden. Perspektivische solle aber auch dies innerhalb des Gewächshauses entstehen. Soldatenfliegen sind dafür der aussichtsreichste Kandidat. Sie ergäben ein ideales Fischfutter mit hochwertigem Eiweiß und Fett. In den Ausscheidungen der Maden, die sich von Pflanzenabfällen ernähren, befinden sich überdies wertvolle Spurenelemente wie Eisen und Kalium.

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1 KommentarKommentar schreiben

Eigentlich gute Idee: Nur sind Tilapien Warmwasserfische das heißt so etwa 25-28 Grad Celsius müssen es schon sein. Recht hell mögen sie es auch das heißt eine Beleuchtung ist vorzusehen so 12 Stunden am Tag sollten es schon sein. So verhält es sich auch bei den Soldatenfliegen, ohne Heizung und Licht tun die nichts. Das kann die Photovoltaikanlage mit ihrem Zappelstrom sicher nur sehr unzureichend abdecken. Das Blockheizkraftwerk wird sicher laufend hoch und runtergefahren was dessen Wirkungsgrad negativ beeinflusst. Zum Thema Futter, das muss Eiweißhaltig, Nährstoffreich sein. Sicherlich nicht eben vegetarisch. Eine Primärenergiebilanz im Vergleich mit Geflügel-., Rind-. und Schweinefleisch wäre zur Beurteilung des ganze dienlich. Übrigens werden die Ausscheidungen dieser Tiere auch zum düngen benützt. Das mit den Nährstoffen ist ein alter Hut, ohne diese sähen auch die Vegetarier und Veganer ganz schön alt aus. Ob das alles wirklich so ist wie dargestellt. Zumindest als Werbung taugt es.

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