Architekt Behnisch über das Hotel Silber "Es ist ja nicht die Akropolis"
Thomas Borgmann, 11.03.2010 08:19 Uhr
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Der Stuttgarter Stefan Behnisch zählt zur internationalen Elite der deutschen Architekten. Vor allem in Amerika hat er viele Wettbewerbe gewonnen. Foto: Steinert
Der Stuttgarter Stefan Behnisch zählt zur internationalen Elite der deutschen Architekten. Vor allem in Amerika hat er viele Wettbewerbe gewonnen. Foto: Steinert
""Wir spielen schon viele Jahre mit in der Weltliga der Architekten." "
Stefan Behnisch über den Ruf seines Büros



Denen, die kategorisch den Erhalt des ehemaligen Hotels Silber fordern, hält Behnisch entgegen: "Dieses Haus ist kein Denkmal, die heutige Fassade hat mit dem alten Zustand nichts mehr zu tun. Wir reden hier also nicht über die Akropolis." Und er fragt rein rhetorisch: "Sollte man die Fassade des Hotels Silber stehen lassen wie einen Torso - wäre das sinnvoll?"

Architekt Behnisch gibt sich zuversichtlich


Auch diese Debatte, die auf Gut oder Böse, Schwarz oder Weiß hinauslaufe, missfalle ihm: "Das kommt mir so vor wie der alte Satz: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich." Wer das Hotel Silber abreißen wolle, dem unterstelle man sofort Geschichtsvergessenheit. "Von dieser Debatte", so fordert der Architekt, "müssen wir uns frei machen." Am Samstag wird er sich mit seinem alten Kollegen Roland Ostertag an einen Tisch setzen, dem Sprecher der Initiativen Gedenkort Hotel Silber - allerdings rein privat, wie Behnisch ausdrücklich betont.

In wenigen Wochen, der Termin steht noch nicht fest, wird Stefan Behnisch seinen preisgekrönten Entwurf dem Technischen Ausschuss des Gemeinderats vorstellen und erläutern. Aus seiner Grundlinie macht er kein Hehl: "Die jetzige städtebauliche Situation am Karlsplatz ist nicht gut. Wir können mit diesem Quartier etwas zünden, was auch den Sprung über die Hauptstätter Straße zum Bohnenviertel schafft." Auf die Diskussion über die Baumassen sei er gefasst: "Die Baumassen sind in jedem Projekt an jedem Ort ein Thema. Wir meinen, unsere Vorschläge sind dort verträglich." Dass sich im Verlauf der nächsten Monate noch manches ändern werde, sei völlig normal.

Aus dem Schatten des Vaters getreten


Im Übrigen wolle er, in aller Sachlichkeit, auf die Tatsache hinweisen, dass zwar die Bürger die neuen Gebäude von außen sähen und beurteilten, dass es aber viele Menschen geben werde, die täglich in diesen Gebäuden arbeiten. Auch dafür brauche es architektonisch hohe Qualität, die sein Büro in vielen Projekten geschaffen habe. Und wer sich so häufig und so lange in Hotels rund um den Globus aufhalte, der sei doch wohl, dazu ein Augenzwinkern, "geradezu prädestiniert, am Karlsplatz ein Hotel zu bauen".

Stefan Behnisch ist aus dem Schatten seines legendären Vaters Günter, den Planer des Münchner Olympiaparks von 1972, längst herausgetreten. Was meint eigentlich der Vater zum Heimsieg des Sohnes am Karlsplatz: "Mein Vater sieht das so: Nix gesagt, ist schon gelobt genug!"
Kommentare (67)
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MRZ
19
Zeitungsleser, 17:43 Uhr

"Palast der Republik" / Hotel Silber

Hallo volker s., mit Vergleichen ist das so eine Sache. Das Hotel Silber müsste man eher mit einer Erinnerungsstätte ähnlicher Art an die andere Diktatur vergleichen, z.B. mit dem Kerker in Bautzen ("gelbes Elend") oder mit dem sog."Tränenpalast". Beide Erinnerungsstätten stehen nicht auf der Abrissliste - gottseidank. Jedes Gebäude ist natürlich Ausdruck seiner Zeit - der Palast der Republik ganz besonders. Ob der erhaltenswert gewesen wäre? Vielleicht der letzte Volkskammersaal wegen seiner historischen Bedeutung. Das Gebäude als solches war aber absolut monströs, billig trotz erstrebtem Protz - ich würde es gerne mit den unsäglichen Musical-Bauten in Stuttgart vergleichen (Deyles Kleinbürgerprotz) -im Unterschied zu Deyles Bauten dominierte der "Palast der Republik" aber den alten Kern Berlins. Historisch den Sprengern des Stadtschlosses das letzte Wort zu lassen mit Restaurierung des Asbestpalastes - na, da bin ich schon gottfroh, dass das Monstrum sich aufgelöst hat... Der Abriss des Hotel Silber würde sich bruchlos einreihen in die Tradition des Verdrängens, wie sie in Stuttgart, aber auch anderswo bestand - im Gegensatz zu Stuttgart scheint man aber anderswo sensibler zu sein. Wenn ein Wettbewerb ausgelobt wurde, zu dessen Grundanforderungen gehörte, das Gebäude nicht zu erhalten, weil man "meinte", das Originalgebäude existiere nicht mehrt, dann ist das Ganze meiner Ansicht nach auf der Basis einer Lüge aufgebaut. Behnischs Vergleich mit der Akropolis ist einfach nur blöd- es geht im Fall Hotel Silber nicht um ein architektonisches highlight. B. redet hier völlig an der Sache vorbei.

MRZ
19
der Cannstatter, 14:57 Uhr

ja, da stimme ich volker mal zu

wir sollten diese Vergleiche mit anderen Bauten und Städten eher lassen. Es gibt in jeder grösseren Stadt gute und schlechte Beispiele. Die kleinen Orte haben meist nur eines und das pflegen sie deshalb gut. Stuttgart sehe ich eher am hinteren Ende der Skala was Erhaltung von Geschichte betrifft. Siehe Fast-Abriss neues Schloss. Aber wir sind hier; im Gegensatz zu einem Bahnhofskonzept welches ausser der Ästhetik noch viele andere Aspekte berührt, bei einer Sache die mit Geschmack zu tun hat. Und darüber lässt sich trefflich streiten. P.S.: Unter "Geschmack" zähle ich auch historische Gebäude, aber daran hat ja BW mit der Kastration des Denkmalamtes kein grosses Interesse.

MRZ
19
volker s., 12:30 Uhr

zeitungsleser

Es ging mir hier um diesen Satz von Thomas M.: Aha. Gedächtnisstätte in Lautlingen, nicht aber in Stuttgart. Daraufhin schrieb ich: Stauffenberg Erinnerungsstätte ist in Stuttgart im Alten Schloss Mehr war nicht. Warum dichtet ihr mir hier was an, was nicht passt? Dass in Stuttgart viel - zu viel - alte Substanz abgerissen hat bezweifle ich nicht, auch dass hinterher vieles vermurkst wurde stelle ich nicht in Abrede. Dass viele "Wirtschaftstempel" hässlich und ohne Kontur sind, die Stadtansicht beleidigen ist ohne Zweifel auch richtig. Aber das muss ich nicht betonen, wenn ich nur sage, dass wir in Stuttgart eine Stauffenberg Erinnerungsstätte haben. Ob die ausreichend ist, ob der Platz im Alten Schloss der richtige ist, all das war nicht Thema. Das mit Tempelhof war ein Fehler meinerseits. Das Gebäude wurde nicht abgerissen, der Flug"PLATZ" wurde, bzw. wird bebaut. Sorry. Natürlich hätte man Erichs Lampenladen erhalten müssen. Auf der einen Seite beklagt ihr euch, dass das Hotel Silber abgerissen wird, auf der anderen Seite ist Erichs Lampenladen nicht erhaltenswert? Geschichte ist Geschichte, egal ob rechts oder links. Wem aus geschichtlichen Gründen so viel am Hotel Silber liegt, der muss sich auch für den Palast der Republik einsetzen. Eine Sanierung wäre erstens ungleich billiger gekommen als dieses unsägliche Schloss das jetzt gebaut werden soll, außerdem wird jetzt (soll jetzt) das Humboldtforum gebaut werden mit einer Schlossfassade. Für mich unerträglich. Wenn schon ein Neubau, dann wirklich ein Neubau. Unter städtebaulichen und ästhetischen Gesichtspunkten ist der Lampenladen immer noch besser als das Schloss. Die Sabbervorwürfe würde ich euch auch in einem persönlichen Gespräch rein drücken, wenn ihr diese Lügengebilde von wegen in Stuttgart ist alles schlecht und in Berlin und Köln ist alles so toll und alles alte wird erhalten - wie es hier oft geschrieben wird - vor mir persönlich ausbreitet. Da habe ich keinerlei Hemmungen.

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